Heute heißt es wieder früh aufstehen, denn wir wollen eine Tour durch die Bay of Islands machen, genauer gesagt zum Hole in the Rock, einem Loch in einer Felseninsel, das ist wohl die Attraktion hier. Der Trip ist in unserem Straybus-Pass mitbezahlt, also lassen wir uns das nicht entgehen. Also ab durchs morgendliche Paihia auf den Ausflugskahn, der überbevölkert ist mit einer riesigen Gruppe urlaubender Inder, die für Stimmung sorgen.
Unser Kapitän, ein Maori, erklärt uns das ein oder andere zu den Inseln, die wir schon bald passieren, und vor allem die maorischen Namen bzw. Bedeutungen der Inseln und ist auch sonst ein cooler Typ.
Wir stehen natürlich ganz vorne an der Reiling, denn wir wollen beim Fotografieren einen guten Platz haben. Außerdem wird mir da weniger schlecht und unser Boot, die “Dolphinseeker”, verspricht, der Name ist Programm, eventuell ein paar Delfine zu entdecken.
Es ist zwar kalt und stürmisch (siehe Marcus Friese), aber der Ausblick auf die unzähligen kleinen Inseln lohnt sich. Über die Bay of Islands sollen die ersten Maori nach Neuseeland gekommen sein, entweder aus Polynesien oder neusten Forschungen zufolge aus Taiwan. So ganz sicher ist man sich da wohl nicht.
Auf der Fahrt sehen wir zwei kleine Pinguine, und angeblich war auch ein Hai direkt neben unserem Boot, aber Delfine wurden keine gesichtet. Ich bin ja eh kein Wal- und Delfinfan und daher nicht enttäuscht, aber Marcus hätte doch gerne welche gesehen. Wir fahren durch eine malerische Passage, bei der sich am Horizont bereits der Fels mit Loch abzeichnet.
Langsam fährt das Schiff heran und das Felstor wird immer besser sichtbar. Die Felsen stammen aus dem Jura-Zeitalter (das mit den Dinosauriern) und ich finde es spannend sich vorzustellen, wie die Welt damals wohl ausgesehen hat.
Unser Kapitän philosophiert noch eine Weile darüber, ob wir mit dem Boot den Tunnel passieren können (gestern war es möglich), aber der Wellengang und die Strömung erscheinen ihm doch zu riskant. Ich als Nautikexperte bin beim Anblick dieser Wellen völlig seiner Meinung.
Dafür bekommt er einen Anruf eines Fischerbootes, die sind sich so halbsicher, Delfine bei sich gesehen zu haben. Unser Boot macht also noch einen kleinen Umweg,- und tatsächlich folgt unserem Boot bald auch ein ganzer Schwarm Delfine! Ok, vielleicht sind Delfine doch nicht blöd und ich war ein bisschen begeistert.
Kurz darauf gab es dann einen (viel zu) kurzen Stopp auf einer der 144 Inseln in der Bucht.Dort konnte man einen kleinen Hügel erklimmen, von dem man einen tollen Ausblick hatte.
Auf dem Weg dorthin boten sich schon viele tolle Fotomotive und Marcus hat erst mal Pause an einem malerischen Baum gemacht. Im Hintergrund übrigens die kleine Landebucht der Insel.
Vor uns erstreckte sich dann das türkisblaue und erstaunlich klare Wasser der Bucht mit ihren unzähligen Inseln und Felsen.
Um uns herum erstreckte sich grünes sattes Gras, das sogar so weich war, dass ich meine Schuhe ausgezogen habe!
Ein wenig erinnerte mich das Ganze an den Südwesten Irlands, nur irgendwie in größer.
Allzuviel Zeit zum Entspannen und Landschaftgenießen blieb uns nicht, denn das Boot legte pünktlich wieder ab. Nächster Halt: Russell! Dieser kleine malerische Ort, der ebenfalls hier in der Bucht liegt, hat eine sagenumwogene und unerhörte Vergangenheit. Nicht umsonst war er wohl als “Hellhole of the Southpacific” und dessen größter Hafen im 19. Jahrhundert bekannt! Hier muss es zugegangen sein wie in Tortuga, betrunkene Matrosen und Walfänger, leichte Mädchen und ne Buddel voll Rum! Außerdem war Russell, man glaubt es kaum, einst Neuseelands erste Hauptstadt, wahrscheinlich aus Mangel an Alternativen.
Das wollten wir uns auf jeden Fall nochmal anschauen. Von der verruchten Atmosphäre von damals sieht man jedoch heute keine Spur mehr. Keine besoffenen Rüpel oder Piraten, nicht mal ein ausgesetzter Papagei. Stattdessen ein allzu pittoresker maritimer Ferienort mit einer hübschen Promenade. Macht nichts, wir genießen erstmal einen Happen bevor wir uns wieder auf den Heimweg begeben. Für mich war die Bay of Islands aber jetzt schon eines der Highlight dieser Reise.


