Heute also Blackwater Rafting. Das heißt nichts anderes, als sich in Gummiringen durch unterirdische Flüsse treiben zu lassen. Dabei soll man wohl tolle Gesteinsformationen und massenhaft Glühwürmchen sehen. Das wollen wir ja noch mitnehmen, bevor wir unseren Neuseeland-Trip beenden müssen. Also rein in die kalten, nassen Neoprenanzüge und auf in die Höhlen!
Naja ganz so schnell ging es dann doch nicht. Erstmal musste man sich einen Gummiring aussuchen und dabei prüfen, ob er über den Poppes passt. Wer erkennt Conny und mich auf dem Bild?
Dann wird einmal “Probegesprungen”, denn unter der Erde gibt es wohl zwei Wasserfälle, die man sich mit seinem Reifen rücklings herunterstürzen muss. Wir geben unser bestes und sind dann erstmal schön durchgefrohren. Besonders ästhetisch sehen wir dabei auch nicht aus, aber in den Höhlen sieht uns ja keiner.
Ein Gruppenbild vor dem Höhleneingang, dann wird uns ein wenig die Maori Geschichte der Höhle näher gebracht und wir klettern einer nach dem anderen in den Höhleneingang.
Der Eingang ist recht schmal und man kommt hier nur mit Mühe rein, ich hätte ja einen reißenden Fluß erwartet und wollte mich eigentlich nur auf meinen Reifen schwingen.
Drinnen ist ein recht großer Raum, da gibt es nochmal ein paar Safety Instructions und noch ein paar Fotos und dann klettern wir los. Klettern? Ja, klettern! Reifen unter den Arm und ab durch die Mitte, denn der Fluss ist hier noch nicht groß genug.
Später in der Höhle floaten wir dann auch in aller Seelenruhe durch die Glühwürmchenbedeckten Höhlen. Das Wasser ist auch hier eiskalt, aber man ist eigentlich stets in Bewegung. Fotos von diesem Abschnitt gibt es eigentlich keine Gescheiten, man bekommt aber ein paar Werbefotos hinterher, wo man ganz gut sieht, wie das so läuft. Spannend fanden wir auch die Glühwürmchen selbst, die lassen nämlich kleine Fäden herabhängen, um Insekten zu fangen. Wenn man da nicht drauf hingewiesen wird, sieht man sie garnicht.
Dann kamen auch die zwei Wasserfälle und wir stürzen uns todesmutig mit unseren Reifen rückwärts in die Dunkelheit. Das ist schon ein komisches Gefühl. Die Wasserfälle sind so 1-2m hoch, also doch recht überschaubar.
Einen teil der Strecke greifen wir die Beine des Hintermannes und bilden so eine große Schlange, die von der Spitze her von unserem Guide gezogen wird. Ganz am Schluss müssen wir sogar alleine den Ausgang finden, aber den konnte man schon von weitem erkennen, man wird dann ja sehr lichtempfindlich.
Wir genießen die warme Sonne und sind noch ganz baff von den Eindrücken. Ein letztes Gruppenfoto und wir freuen uns auf die heiße dusche und die heiße Suppe, die uns versprochen wurden.
Um es kurz zu machen: Weder die Dusche noch die Suppe waren heiß und wir verlassen schnell Waitomo und stellen die Heizung im Camper auf die höchste Stufe. Brrrrr. Nun geht es nach Cambridge. Nicht in England, sondern immernoch hier in Neuseeland, das gibt es hier nämlich auch. Wir verbringen hier die Nacht, so richtig spektakulär ist es hier nicht. Am nächsten Morgen geht es dann weiter nach Auckland.
Auf dem Weg passieren wir eine Schnapszahl-Kilometermarke, nämlich 277777. Wir haben den Camper etwa bei 270200km übernommen, haben also etwa 7500 Kilometer gefahren. Respekt. Wir suchen schnell unser Hostel und checken ein. Wir beginnen auch schonmal mit dem Ausräumen den Campers, aber schieben das meiste auf morgen.
Nach kurzem Frühstück in Hawera machen wir uns auf zur iSite, um uns ein wenig darüber zu informieren, wo man auf Mount Taranaki mal ein bisschen wandern kann. An der iSite finden wir den weltberühmten Hawera Water Tower! Wow! Wir bekommen ein paar Tipps zum Wandern und fahren dann los in Richtung North Egmont, dort ist das Visitors Center für den Berg.
Dort angekommen schauen wir nochmal kurz auf die Wanderkarte und laufen los. Wir haben uns dazu entschlossen, in Richtung Gipfel loszulaufen und nach 1,5 Stunden an der Schneegrenze einfach umzukehren.
Das Wetter ist nicht auf unserer Seite und wir laufen viel in Wolken umher. Es nieselt auch fast durchgängig. Zu viel für Conny, die kehrt um und ich kämpfe mich alleine weiter nach oben.
Nach ein paar knackigen Anstiegen, kommt dann auch tatsächlich ein wenig Schnee und es ist merklich kühler als unten am Visitors Center.
Hier ist also die Schneegrenze. Ziemlich genau dort wo der Schnee anfängt, steht auch eine private Lodge und eigentlich wollte ich hier umkehren. Da aber hin und wieder blaue Flecken über mir zu sehen sind, gehe ich noch ein wenig weiter, in der Hoffnung, über die Wolken zu kommen und einen Blick auf den Gipfel zu erhaschen, der hängt schon während der gesamten Wanderung in den Wolken.
Irgendwann stapfe ich durch den etwa 20cm hohen Schnee und hangele mich von Wegweiser zu Wegweiser. Ein richtiger Weg ist das hier nicht mehr. Das ist wohl der Punkt, an dem ich umkehren sollte. Ich habe immerhin kein Wasser und keine Mütze und keine Handschuhe und kein Essen dabei.
Der Rückweg bis zur Lodge war auch ein wenig schwierig, aber immerhin hat man hin und wieder ein bisschen Sicht ins Tal. Das krasse an Mount Taranaki ist ja, das er die einzige Erhebung in einem bestimmt 50km-Radius ist. Rings herum ist alles Platt wie an der Nordsee.
Ich kämpfe mich also wieder bergab, mein Knie scheint das auch wieder ohne Widersprüche mitzumachen, auch gut zu wissen. Man sieht beim heruntergehen viel Wald und viele Felsvorsprünge, das war wohl früher alles Lava.
Ich bilde mir ein, frühere Lavaströme noch erkennen zu können und meine gelesen zu haben, dass Mount Taranaki um 1755 das letzte mal ausgebrochen ist. So ganz wohl fühlt man sich in solchen Situationen nicht.
Unten am Parkplatz wartet Conny auf mich und wir beschließen, dass wir uns heute Nacht mal wieder eine “cabin” gönnen wollen, denn die Temperaturen werden Nachts dann doch ganz schön kalt. Also ab nach New Plymouth zum nächsten Campingplatz. Wir haben besonderes Glück mit dem ausgesuchten Ort, denn wir sind direkt am Wasser und genießen einen tollen Sonnenuntergang.
Unsere Cabin ist zwar relativ klein, aber es gibt einen kleinen Heizlüfter, mit dem wir Nachts dann wenigstens nicht frieren müssen! Mal schauen, wieviele Nächte wir noch im Auto schlafen können, wir hoffen ja, dass es gen Auckland wieder etwas wärmer wird.
Wir sind auf jeden Fall am nächsten morgen mal nicht durchgefroren und gönnen uns ein leckeres Frühstück. Es gibt Spiegelei und angebratene Würstchen und Reissalat. Letzterer war noch übrig vom Vorabend.
Wir schwingen uns zeitig ins Auto und fahren los, um eine Runde um Mount Taranaki zu drehen, der ist nämlich heute morgen Wolkenfrei. Na toll.
Wir tuckern also über eine kleine Landstraße relativ nah am Berg vorbei. Man hätte auch über den Highway fahren können, aber das ist nur halb so entspannt und man hat keine Möglichkeit, einfach anzuhalten und die idyllische Landschaft zu genießen.
Wir genießen nicht nur, sondern fotografieren auch wie wilde, den der Berg gibt ein grandioses Motiv ab, da er mit seiner schneebedeckten Kuppe wirklich auf jedem Foto prominent zu sehen ist.
So fahren wir einmal rings herum und müssen feststellen, dass sich schon bald wieder Wolken zum Berg gesellen und den Gipfel verhüllen. Schöne Fotos gibt das aber trotzdem.
Viele bezeichnen die Region hier als typisches Neuseeland, weil man hier neben prägnanter Landschaft auch die typischen grünen Hügel hat, die man so gerne mit Neuseeland verbindet. Diese bilden natürlich einen Kontrast zum grau/weißen Berg.
Während der Berg aus Richtung New Plymouth aussieht wie ein einzelner Pylon mit sehr prägnanter Spitze, sieht er aus anderen Richtungen gerne mal weniger Spitz aus oder man sieht auch einige der anderen Bergspitzen, die ringsherum sind.
Wir denken mal, dass das früher kleine Nebenvulkane gewesen sein müssen. Prinzipiell ist die gesamte Region rings um den Vulkan relativ entwickelt und besiedelt. Vielleicht ist die Vulkanlandschaft ja besonders fruchtbar.
Selten sehen wir auf jeden Fall mehr Kühe oder Schafe in der Landschaft rumstehen… und wir haben schon verdammt viele Kühe und Schafe in den letzten Wochen gesehen.
Wir fahren nach einiger Zeit zurück auf den Highway, den wir gestern schon befahren haben, um New Plymouth zu erreichen. und machen einige letzte Aufnahmen vom Berg.
Die Wolken vermehren sich auch zunehmend und so fällt es uns gar nicht schwer, irgendwann einfach keine Fotos mehr zu machen, denn am schönsten ist der Berg ohne Wolken. Wir fahren zurück nach New Plymouth um nochmal einzukaufen. Als wir uns nach dem Einkaufen nochmal umdrehen, hängt der Berg komplett in den Wolken, davon haben wir aber leider kein Foto.
Wir fahren nun an der Küste entlang in Richtung Norden. Unser Ziel ist heute Mokau, ein kleines Städtchen an der Küste, von dort ist es dann morgen nicht weit bis zu den Waitomo Caves, unserem nächsten Ziel.
Der Campingplatz in Mokau scheint dann auch der ländlichste zu sein, auf dem wir lange Zeit waren. Wir sind umringt von Kühen und den Blick in die Duschen erspare ich euch mal. Hoffentlich wird es nachts nicht zu kalt.
Um sechs Uhr morgens klingelt unser Wecker. Schnell anziehen und möglichst leise von unserem Campingplatz verschwinden! Am Horizont bahnt sich schon der Sonnenaufgang an!
Wir fahren nach Kaikoura, denn von dort geht unsere Waltour los. Wir sind aber ein bisschen früh dran, deswegen gibts erst mal Frühstück und einen tollen Sonnenaufgang.
Beim Einchecken wird auch gleich vor Seekrankheit gewarnt. Alarmiert schiebt sich Conny noch eine Tablette ein. Hoffentlich hilfts.
Pünktlich um viertel nach sieben geht los mit einer Sicherheitseinweisung und dann geht es auch schon aufs Boot. Wir fahren langsam vom Ufer weg und hinter uns erblicken wir die schneebedeckten Berge am Ufer des Pazifiks.
Es dauert nicht lange, dann holt der Kapitän sein Horchgerät und guckt wo denn der Wal ist. Und tatsächlich dauert es nur einige Minuten, bis wir unsere ersten Wal sehen. Es ist ein Pottwal. und er sieht aus wie ein aufgetauchtes Uboot.
Mit 18m ist der Wal genauso lang wie unser Boot und er atmet an der Oberfläche so etwa 5 bis 10 Minuten rum, bis er wieder für bis zu 60 Minuten bis zu 3km in die See hinabtaucht, um zu essen. So schnell wie er da war, ist er dann auch weg, nicht ohne diverse Wasserfontänen in die Luft zu schießen.
Während wir ein Stück weiterfahren und der Kapitän immer wieder nach Pottwalen horcht, sehen wir allerlei Seevögel, unter anderem auch wieder einige Albatrosse.
Der Grund, warum sich Kaikoura so fürs Whale Watching eignet ist übrigens, dass dort im Meer zwei Kontinentalplatten aneinanderprallen und eine tiefe Schlucht bilden, welche besonders viel Nahrung liefert. Es gibt einige Wale, die dauerhaft hier wohnen und viele, die vorüberziehen, darunter Blauwale, Orkawale und Buckelwale. Pottwale sind Zahnwale und ernähren sich von Fischen, sogar von weißen Haien!
Nach einigen Korrekturmanövern dann bekommen wir etwas besonders Tolles zu sehen, nämlich zwei Pottwale! Sie verschnaufen im wahrsten Sinn nebeneinander und holen Luft.
Es ist einfach unglaublich, wie riesig diese Dinger sind, denn allein ein Drittel ihres Körpers besteht aus Kopf, mit einem Gehirn so groß wie ein Basketball. Und man sieht in der Regel nur den Kopf! Sehr aufregend und faszinierend, und Conny verliert schon bald ihre Angst vor den “schwimmenden Trantonnen”.
Der Kopf des Pottwals ist deswegen so kantig, weil er einen riesigen Öl- bzw. Transpeicher im Kopf hat. Man weiß nicht so genau, warum, aber manche vermuten, dass er wie Senkblei funktioniert, da das Öl mit steigendem Druck bei steigender Tiefe fest wird. Die ersten Walfänger hielten den Tran übrigens für Walsperma, weswegen der Pottwal in Englisch sperm whale heißt. Dann ist es soweit und die Wale tauchen ab, und einer tut es genau so, wie man es für Fotos gerne hat; mit der Flosse zuletzt.
Der zweite taucht deutlich uneleganter einfach ab. Wenn ich als Wal die Wahl hätte, würde ich den Touristen auch nicht immer meine Flosse zeigen.
Das war dann wohl auch genug Wal für einen Tag und es ging noch zu einer Kolonie Pelzrobben.
Die haben wir ja nun schon mehrmals gesehen, doch sie sind jedes Mal wirklich knuffig, besonders, da hier viele kleine Babyrobben auf ihre Eltern gewartet haben und dabei waghalsige Kletteraktionen vollbringen.
Und dann war es das mit Kaikoura. Wir machen uns auf den Weg zurück nach Picton, wo wir morgen die Fähre zurück auf die Nordinsel nehmen. Unterwegs halten wir noch ein paar Eindrücke dieser wunderschönen, abwechslungsreichen und absolut eindrucksvollen Südinsel fest.
Wir gönnen uns übrigens auch wieder ein Hostel, denn es ist uns einfach zu kalt im Camper. Dieses Mal ein wenig abseits in den Malbourough Sounds, und wir haben ein riesiges Zimmer ganz für uns!
Nach einer wunderbaren Nacht geht es recht früh wieder los, denn um 8 Uhr müssen wir für die Fähre eingecheckt haben. Unterwegs dorthin erleben wir noch einen wunderschönen Sonnenaufgang über den Malbourough Sounds.
Schon bevor wir die Fähre befahren, wird vor dem “moderaten” Seegang gewarnt und Conny schwant nichts gutes. Ohne Tablette wagen wir die Überfahrt und das war sicherlich keine gute Idee. Das doch recht große Schiff schwankt am Bug vertikal doch einige Meter und knallt einige Male recht wuchtig auf die raue See auf. Über die Lautsprecher werden Ratschläge gegen Seekrankheit gegeben. Das Schiff ändert sogar die Route, damit es weniger schlimm wird, Doch weder das altbekannte “an den Horizont starren” noch das “damn tasty” Ingwerbier helfen und Conny verpackt das Frühstück in handliche Tüten. Als die See ruhiger wird, helfen schließlich Eiswürfel. Wir haben ja kaum geglaubt, das es noch schlimmer geht, aber mittlerweile wissen wir, dass die Fähre sogar bei Sturm fährt, das muss noch schlimmer sein.
Dementsprechend sind wir froh, als wir in Wellington wieder festen Boden unter den Füßen haben und decken uns erst mal fies bei Mäcces ein, denn uns steht eine längere Fahrt bevor.
Wir landen schließlich in Harewa, südlich von Mount Taranaki, wo wir auf einem besonders schönen und günstigen Platz bleiben. Mal wieder im Camper zur Abwechslung und in der Hoffnung, dass es nachts ein wenig wärmer ist.
Da sitzen wir also wieder mal in unserem Auto und machen uns auf zur Banks Peninsula. Diese Region ist ein riesiger inaktiver Vulkan, dessen Krater mittlerweile vom Meer geflutet ist.
Schon bald wird die Landschaft sehr grün und hügelig und wir schrauben uns quasi einmal auf den Rand des ehemaligen Kraters, um dann in ihn hereinzufahren.
Es ergeben sich wunderschöne Anblicke auf den Krater von der Straße. Dort unten, am natürlichen Hafen liegen einige äußerst pittoreske Orte, unter anderem das Städtchen Akaroa, wo wir heute bleiben. Generell haben die Orte hier noch recht viele französische Wurzeln, denn die Franzosen wollten auch einst ein Stück Neuseeland kolonisieren. Hat nicht geklappt.
Wir beziehen dann auch unser Zimmer in dem wunderschönen Hostel “Chez la mer” (weil es doch zu kalt wurde die letzten Nächte).Sehr niedlich und wir genießen einen Abend im Warmen und Privaten mit einer leckeren Mahlzeit. Wäsche machen wir auch noch.
Am nächsten Morgen leihen wir uns noch eins der Wanderprospekte des Hostels und machen uns auf den Weg der Skyline-Wanderung: 800m auf den Kraterrand hoch und wieder runter.
Der Weg ist dann auch ziemlich bald ziemlich steil aber wenigstens gewinnen wir so schnell an Höhe. Dabei wandern wir größtenteils über Weidewiesen. Es ist grün und sanft und wir haben die tollsten Blicke über den Vulkan bei dem schönsten Wetter.
Schließlich erreichen wir den Kraterrand, auf dem weit dann einige Kilometer entlang wandern.
Auf der einen Seite sehen wir den Pazifik, auf der anderen Seite sehen wir in den riesigen ehemaligen Krater herein.
Die Besteigung des höchsten Punktes des Kraters haben wir allerdings mal gelassen: der zweite Keplerausflug hat Marcus Knie dann doch etwas zu sehr zugesetzt.
Außerdem müssen wir ja heute auch noch weiter und die angegebenen 5-7 Stunde wollen wir dann doch nicht brauchen.
Also geht es bald wieder an den Abstieg, der sich gemächlich durch die grünen Hügel herunterschlängelt.
Unten angekommen gibt es als Belohnung ein Eis und dann geht es wieder in den Camper. Unser nächstes Ziel heißt Kaikoura und was macht man da? Wale gucken! Unsere Tour beginnt morgens um 7:15 und da wollen wir in der Nähe campen.
Leider erreichen wir den Campground erst bei Dunkelheit. Schnell ein paar Nudeln futtern und dann schlafen wir auch mal wieder zu Wellenrauschen ein.
Die Nacht war deutlich wärmer als in Te Anau und Queenstown, das war mal eine angenehme Überraschung. Mal kein kaltes Gesicht morgens. Der Sonnenaufgang war auch nicht von schlechten Eltern, wir sind ja jetzt wieder an der Ostküste und haben somit wieder schöne Sonnenaufgänge, während wir im Western ja immer die schönen Sonnenuntergänge hatten.
Nach einer Runde Pfannekuchen zum Frühstück machen wir uns auf, um Christchurch zu erkunden. Christchurch wurde ja vor 3 Jahren von zwei üblen Erdbeben heimgesucht, sodass in den letzten Jahren die Innenstadt sogar komplett gesperrt war. Eine der Dinge, auf die die Leute hier sehr stolz sind, dass sie wieder laufen, ist die Tram. Die nutzen wir dann auch mal um uns durch die Innenstadt kutschieren zu lassen, denn seit letztem Jahr ist diese nicht mehr gesperrt.
Man sieht aber an allen Ecken und Enden noch Spuren des Erdbebens. Was will man auch erwarten, es ist ja erst drei Jahre her. In den letzten Jahren wurden in der Innenstadt hauptsächlich Gebäude abgerissen und das waren dann wohl nicht einige wenige, sondern eher die meisten Gebäude der Innenstadt. So viele Ruinen und freie Parkflächen wo früher mal Gebäude standen haben wir noch nie gesehen.
Die Tram endet in einem spanisch angehauchten und bereits wieder aufgebauten Viertel. Wir fanden die Fahrt ganz witzig und gönnen uns erst mal einen Cookie, bevor wir uns jetzt zu Fuß auf den Rückweg machen.
Die Tram ist wie gesagt eine der schillerndsten Dinge, die hier wieder in Betrieb genommen wurden, auch der Hauptbahnhof der Tram ist brandneu und die Tram fährt hier quasi durch eine kleine Mall hindurch.
Nach wenigen Schritten kommen wir zum Cathedral Square, dem Wahrzeichen des Erdbebens, wenn man so will. Hier stehen nämlich die Überreste der Kathedrale von Christchurch, die großen Schaden erlitten hat. Sie hat früher wohl auch mal einen recht hohen Kirchenturm gehabt, den gibt es aber nicht mehr.
Die Metallstrukturen auf der rechten Seite wurden nach dem ersten Erdbeben installiert, um die Kirche vor der Zerstörung zu bewahren, das zweite Erdbeben war aber so viel heftiger als antizipiert, so dass die Stahlstrukturen den Einsturz des Turmes wohl eher begünstigt haben.
Heute überlegt man, was man mit der Kirche machen soll. Einige meinen wohl, sie soll als Mahnmal so bleiben, wie die Gedächtniskirche in Berlin zum Beispiel. Es gibt aber auch Meinungen,die sagen, man solle sie lieber abreißen und neu bauen oder einfach wieder restaurieren. Nicht weit von der Kathedrale ist die “Re-Start”-Mall. Da so ziemlich alle Geschäfte zerstört waren, zeigt sich hier in besonderem Maße der Einfallsreichtum und Pragmatismus der Neuseeländer: Sie haben sich einfach Container zurechtgelegt und dort Geschäfte reingebaut. Richtig viele.
Der Name “Re-Start” steht hier sinnbildlich für den Spirit der Leute in Christchurch, die selbst so eine krasse Naturkatastrophe als Chance begreifen und Christchurch nun besser und schöner wiederaufbauen wollen. Uns hat das hier sehr beeindruckt. Auf dem Weg zu unserem Auto machen wir noch einen Abstecher in die botanischen Gärten, es sollen mit die schönsten in Neuseeland sein.
Wir hatten auch wieder perfektes Wetter und konnten im Sonnenschein durch die herbstliche Landschaft schlendern, bis hin zum Rosengarten, den Conny natürlich besonders toll fand und ein wenig an Darmstadt erinnerte.
Überall fallen schon viele Blätter von den Bäumen und es wird wohl eine Umstellung sein, wenn wir nach Hause kommen und dort ist dann gerade Sommer.
Conny hat auch “Tränende Herzen” gefunden, wohl eine besonders seltene/schöne/auffällige Pflanze. Ich habe mich mehr mit der herbstlichen Landschaft beschäftigt, der Herbst ist ja meine liebste Jahreszeit.
Danach ging es für uns noch kurz einkaufen und dann zurück zu unserem Campingplatz. Heute gibt es bei uns mal wieder Burger, die sind immer so schön einfach herzustellen, denn die meisten Campingplätze haben BBQ Stations.
Wir setzen uns noch ein wenig in den Fernsehraum und ruhen uns aus. Außerdem schauen wir mal was so für Wetter angesagt ist in unseren nächsten Destinationen. Für Christchurch haben wir natürlich nicht mehr nachgeschaut, sonst hätten wir vielleicht gemerkt, dass die Nacht schweinekalt werden sollte. Wir wachen jedenfalls morgens ordentlich durchgefroren auf. Für winterliche Temperaturen ist unser kleiner Camper definitiv nicht gemacht. Brrrr. Schnell heiß duschen und los gehts, denn um 8 Uhr fängt der “Farmers Market” an, es soll einer der schönsten in Neuseeland sein.
Wir sind auch zugegebenermaßen begeistert. Wir gönnen uns je ein Pain-au-chocolat, das beste was wir je hatten und kaufen uns daraufhin vom gleichen Stand ein Leib Brot für den späteren Verzehr. Wholegrain-Mustard-Bread, also Vollkorn-Senf-Brot, oha! Das Brot kommt dann auch schneller als gedacht zum Einsatz, denn Conny gönnt sich am Suppenstand eine Kumara-Bacon-Suppe und da passt Brot natürlich super zu. Das Brot ist übrigens grandios!
Wir schlendern weiter über den Markt, sind aber schon so gesättigt, dass wir viele der Dinge leider nicht mehr ausprobieren können. Obwohl “Bacon Bros” oder der Stand mit Torten oder der Stand mit Empanadas oder der Stand mit Pies oder der Stand mit Bratwurst allesamt überragend gut aussahen und rochen! Einzig einen Vitmindrink gönnt sich könne noch, da sie ein wenig verschnupft ist nach der fiesen, kalten Nacht. Etwas verwundert schauen wir drein, als uns die Verkäuferin beim Ausschenken lachend erklärt, dass sie Hanf-Samen mit in den Ingwer gemixt hat. Conny entscheidet, dass ich fahre und fühlt sich hinterher schon viel gesünder.
Nächster Stopp: Antarctic Center. Von Christchurch aus starten so ziemlich alle Expeditionen zur Antarktis, die von hier aus etwa 5000km entfernt ist. Dementsprechend gibt es auch eine Art Museum dazu, in welchem man sich zur Antarktis aufschläuen kann, das wollten wir natürlich nicht missen. Wir kommen an und werden von der Kassiererin direkt erst mal für verschiedenste “Aktivitäten” angemeldet. Damit hat sie uns ein bisschen überrumpelt und wir gehen einfach in die Richtung in die wir geschickt werden.
Erste Aktivität: Ein Antarktischer Sturm. Wie bitte was?! Ratzfatz sind wir in Winterjacken gehüllt und in einem Raum in dem ein Antarktischer Sturm mit –18 Grad Celsius simuliert wird. Oha. Naja, war im Endeffekt gar nicht so schlimm.
Außerdem gab es in dem Raum eine Eisrutsche und wir hatten hinterher nasse Hintern. Verdammt. Hier lernen wir außerdem Mick kennen, der arbeitet hier und weiß dass “penguin” auf deutsch “Pinguin” heißt. Cooler Typ. Er schickt uns dann auch direkt zur nächsten Aktivität, für die wir ja direkt gemeldet waren: Höglund fahren. Höglund ist ein schwedisches Geländemobil, mit dem in der Antarktis herumgekurvt wird.
Wir fahren mit dem Höglund durch einen kleinen Parcours über ein paar Hügel und durch einen kleinen Teich. Eigentlich macht man das nur einmal, da der Ausgang am hinteren Ende aber irgendwie blockiert war, durften wir auch nochmal zurück. Cool. Der Höglund ist übrigens auf dem rechten Bild zu sehen, man beachte natürlich auf dem Bild auch die Frau, die sich genau in dem Moment die Hose hochzieht, als Conny auf den Auslöser drückt. Unbezahlbar.
Als nächstes werden wir direkt zur Pinguin-Fütterung geschickt. Junge, junge, hier jagt ja echt ein Highlight das nächste. Die kleinen “blue penguins” sind allesamt mit irgendeinem handicap unterwegs und wurden dann hier wieder aufgepäppelt. Sie futtern dann auch ordentlich Fisch aus Holland, nobel geht die Welt zugrunde. Conny findet die Pinguine niedlich, die sind nämlich kleiner als man so denkt und watscheln so vor sich hin.
Nach der Pinguinfütterung sind wir genau rechtzeitig für den nächsten Punkt unserer Programmplanung, einem 4D-Movie. Als wir uns gerade wundern wollten, warum es 4D und nicht 3D ist, werden wir auch schon nass. Durch Wind, Nässe und Schnee wird einem hier eine Antarktik-Expedition nahe gebracht. Einen Wasserstrahl ins Gesicht konnten wir vorhersehen und abwehren, die anderen haben alle getroffen.
Wir schlendern noch kurz durch einige Ausstellungsräume auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt. Alles hier ist schon sehr innovativ gemacht. In manchen Räumen schneit es, in anderen darf man original Antarktis-Kleidung anprobieren, nie wird es langweilig.
Rechtzeitig für unsere “Penguin Backstage Tour” sind wir am Treffpunkt und dürfen mit der Pinguin-Pflegerin einen Blick hinter die Kulissen werfen. So kommen wir nochmal an den Pinguin-Teich, wo vorher die Fütterung stattgefunden hat und erfahren allerhand interessanten Kram zu den Pinguinen. Einige sind wohl auch sehr intelligent und haben schon den ein oder anderen Fluchtversuch hinter sich. Andere haben einen Schlag auf den Kopf von einem Boot abbekommen und sind seitdem ein wenig verwirrt. Außerdem sind die Liebesbeziehungen zwischen Pinguinen wohl Seifenoper-reif und es gibt viele Liebschaften und Verwirrungen.
Zuletzt lernen wir einen der Pinguine noch persönlich kennen. Streicheln oder Anfassen ist aber nicht drin, die Biester kratzen und beißen wohl ganz ordentlich. Selbst die Pinguin-Pflegerin, die jeden Tag bei ihnen ist, hat einige respektable Narben an den Händen. Oha, dann besser nicht.
Dann heißt es Goodbye Penguins! Noch ein kurzer Stopp auf einer gepolsterten Sitz-Robbe und im Souvenirshop und schon sind wir raus aus dem Antarctic Center. Langweilig war es nicht und es ist jetzt auch schon Nachmittag!
Schnell rein in den Wagen und weiter geht die Reise nach Akaroa, das ist nur 1,5 Stunden von hier und soll wunderschön sein.
Wer sind wir eigentlich!? Wir sind beide noch jünger als 30 und kommen gebürtig aus Paderborn. Gewohnt haben wir die letzten Jahre in Darmstadt. Und jetzt heißt es: Schluß mit Alltag. Conny ist gerade fertig mit ihrem Studium, Köthi hat bereits ein paar Jahre im Job hinter sich. Ab Oktober 2013 geht es für 9 Monate um die Welt!