Wie? Was? Aufstehen? Wecker? Es ist doch noch dunkel draußen! Doch doch, wir müssen echt früh los heute! Unser Bus am Zielort in Whakapapa-Village fährt um 14:15 Uhr und macht auch für uns keine Ausnahme. Die beiden Teilstrecken die wir heute bewältigen wollen dauern laut Wegweisern 3 Stunden und 5 Stunden. Den Rest könnt ihr euch ja ausrechnen.
Während wir drei nun also mit der Taschenlampe im dunkeln vor uns hin wandern, wird uns auch erstaunlich schnell warm und wir machen recht fix halt, um trotz frischer Temperaturen in T-Shirts zu wechseln.
Nach kurzer Zeit zeigt sich dann auch recht fix der große Vorteil, wenn man so früh auf den Beinen ist: Ein grandioser Sonnenaufgang. Beziehungsweise erst ein schönes Morgengrauen, gefolgt von einem schönen Sonnenaufgang.
So richtig viel Zeit zum Anhalten und Bestaunen haben wir zwar nicht, denn wir müssen ja den dämlichen Bus erwischen, aber ein paar Minuten waren dann doch drin! Den Sonnenaufgang erwischen wir praktischerweise auf dem Sattel eines versteinerten Lavastroms, also relativ hoch.
Zuerst fing Mount Ruapehu (Nachbarvulkan mit Skiposten) rötlich an zu leuchten, bevor sich auch bei uns die ersten sonnenstrahlen meldeten.
Auch Mount Doom neben uns (heute natürlich völlig wolkenfrei) erstrahlte in rötlichem Licht der aufgehenden Sonne weniger furchteinflößend als wenn er wie sonst dunkel vor sich hin grummelt.
Wir wandern weiter durch vulkanisches Gelände, zumeist noch über Asche oder Lavagestein, während es um uns herum ein wenig wärmer wird. Wir kommen bis hier hin auch ganz gut voran. Noch einmal herab ins Tal und über den nächsten Hügel, dann haben wir den ersten Zwischenstopp erreicht.
Das nächste Tal war dann auch weniger vulkanisch und auch noch recht kühl, denn hier war die Sonne noch nicht hingekommen. Conny zieht sofort ihre Mütze auf und begibt sich nach dem fixen Abstieg ins Tal dann auch wagemutig an den Aufstieg auf den letzten Hügel vor der heißersehnten Frühstückspause.
Der Aufstieg war dann alles andere als leichte Kost und trotz grandioser Aussichten, hat Conny zu diesem Zeitpunkt die Mission “Bus um 14:15 Uhr” bereits abgeschrieben. Man sieht es ihr kaum an.
Wir erreichen unsere Frühstücks-Hütte dennoch vor der geplanten Zeit, nämlich nach 2:20 Std. statt 3:00 Std. Belohnt werden wir hier mit dem vielleicht schönsten Bild des Tages, nämlich den ersten Sonnenstrahlen auf ein kleines Flüsschen mit Trinkwasser und natürlich werden wir auch belohnt mit Nutellabroten zum Frühstück.
Wir pausieren dann tatsächlich 40 Minuten und haben somit unseren herausgearbeiteten Vorsprung wieder hergeschenkt.
Es ist jetzt 9 Uhr und wir haben noch etwa 5 Stunden bis Whakapapa, welch Zufall, dass das genau die Zeit ist, die auch der Wegweiser vorgibt. Los gehts also.
Wir schlängeln uns weiterhin um Mount Doom herum, der inzwischen auch wieder tief schwarz in der Landschaft steht und sein morgendliches, orangenes Strahlen relativ fix wieder abgelegt hat. So kennen und lieben wir ihn ja auch.
Die Landschaft hier sieht eher aus wie Heide und die Wege sind auch sehr sandig. Schatten gibt es hier zudem keinen, so dass wir wohl oder übel unsere schicken Sonnenhüte auspacken müssen. Wie man sieht, ist Conny hier dann auch wieder besser gelaunt. Das liegt bestimmt an den Nutellabroten.
Zwischendurch haben wir trotz Karte relativ wenig Anhaltspunkte, wie weit wir tatsächlich bereits sind, oder wieviel Zeit wir noch bis Whakapapa haben, also ziehen wir recht fix durch die Landschaft. Hin und wieder kommen uns weitere Wanderer entgegen, die uns mit sehr gegensätzlichen Zeitangaben zusätzlich verwirren.
Hin und wieder müssen wir die dicken Rucksäcke auch einfach mal absetzen, immerhin tragen wir sie jetzt schon mehrere Stunden. Je näher wir Whakapapa Village kommen, desto klarer wird uns dann auch: Wir schaffen den Bus. Ab diesem Moment werden dann auch unsere Pausen etwas häufiger und wir haben noch Zeit unsere letzten Müsliriegel zu verdrücken und die letzten Wasserreste zu trinken.
Die letzten Kilometer waren wie immer die Schlimmsten, doch dann ist es endlich soweit und wir sind wieder da, wo wir angefangen haben: Am Namensschild unseres Rundkurses! Wir haben es geschafft! Wir freuen uns alle einen Moment, nur um uns dann völlig geplättet vor die Tourist Information in Whakapapa zu setzen. 30 Minuten haben wir, bis der Bus abfährt. Yeah!
Es war die anstrengendste und faszinierendste Wanderung, die wir beide jemals gemacht haben. Wir haben fantastische Ausblicke genossen und gemütliches Beisammensein auf den Hütten. Wir sind über 700m bergauf gekraxelt am zweiten Tag und etwa 22 Kilometer am dritten Tag gelaufen. Wir sind platt, aber Glücklich. Hier ein kleiner Überblick, wie der hike so ausschaut, jemand anders hat ihn mal getrackt:
http://www.mapmyhike.com/nz/turangi-waikato/tongariro-northern-circuit-route-13602772
Unsere Füße nach der letzten Etappe möchte ich euch auch nicht vorenthalten, die waren nämlich ganz schön schmutzig. Auch weil wir halt drei Tage nicht geduscht haben ![]()
Es folgen nach der Wanderung tatsächlich die ersten beiden Tage auf unserer Reise, von denen es keine Fotos gibt. So gibt es zum Beispiel auch kein Foto im 60er-Jahre-Style-Italiener beim Abendessen mit Madlen oder von unserer Fahrt zurück an die Ostküste. Was wir dort vor haben, kommt dann im nächsten Blog!


