Von Motorgebrumm werden wir um 6:30 Uhr wach. Auch mal was neues. Wir steigen aus den Betten und gehen nach oben in den “Salon”. Beim morgendlichen gähnen schauen wir nach draußen und reißen die Augen auf: Die Sonne geht auf.
Schnell wieder runterflitzen und Kameras greifen, damit wir das noch kurz einfangen können. So schön wie der Sonnenuntergang war es aber nicht, wir sind hier halt an der Westküste.
Wir genießen ein leckeres Frühstück an Bord, nachdem wir draußen nun schon einmal ordentlich gefroren haben. Denn Wind ist immernoch ordentlich draußen. Den haben wir auch die ganze Nacht gehört, Conny hat sich sogar darüber beklagt, dass er ins Schiffshorn gepfiffen ist.
In der Morgensonne betrachten wir die hübsche Szenerie um uns herum, wir befinden uns immernoch in einem Seitenarm der Doubtful Sound. Die Milford Sound hatte ja keine Seitenarme, also auch eine neue Erfahrung für uns.
Wir sehen viele Gletschertäler links und rechts von uns. Man kann im Licht der morgendlichen Sonne förmlich erahnen, wie sich der Gletscher hier vor langer langer Zeit durch den Berg geschält hat. Sehr beeindruckend.
Unsere Fahrt geht weiter zurück auf die Doubtful Sound und weiter in den nächsten abzeigenden Arm. Angeblich einer der schönsten in der Doubtful Sound.
Die Felsen um uns herum waren hier noch ein Stückchen steiler und zerklüfteter als in der restlichen Sound und es war tatsächlich ein bisschen weniger Wind unterwegs.
Inmitten dieses Seitenarms kommt das Boot zum Stillstand und zur gleichen Zeit auch der Wind, so dass es um uns herum sehr ruhig wird. Die Bootsbesatzung nennt diesen Moment “Sound of Silence” und schaltet zu diesem Zeitpunkt auch Schiffsmotor und Generatoren aus. Gleichzeitig werden alle Passagiere gebeten, keinen Laut von sich zu geben, keine Fotos zu machen und nicht auf dem Schiff umherzulaufen.
Was wir erleben, ist ein erhabener Moment in ungestörter Natur. Das einzige was wir hören, ist das zwitschern der Vögel an den Hängen um uns herum und einige Wasserfälle die enthusiastisch vor sich hin plätschern. Wir sind ein bisschen begeistert und ein bisschen traurig, denn vor einigen hundert Jahren müssen es tausende Vögel mehr gewesen sein, die hier krach gemacht haben.
Inzwischen ist es auch schon 9 Uhr und unser Boot tuckert langsam aber sicher seinem Endhaltepunkt entgegen. Wir stehen die letzte Stunde noch ein wenig an Deck und lassen die Landschaft um uns herum auf uns wirken. Nach fast 20 Stunden an Bord ging man fast schon dazu über, die einen umgebende Landschaft als selbstverständlich hinzunehmen, ein fataler Fehler. Die Doubtful Sound ist ein ganz besonderer Ort auf dieser Welt.
Ein letzter Blick zurück und wir legen am Anleger an, an dem wir am Vortag das Schiff betreten haben. Wir sind satt. Nicht nur weil wir wirklich gut gegessen haben, sondern auch satt an Eindrücken und Bildern in unseren Köpfen.
Die Crew winkt noch einmal freundlich und wir werden (wieder über Bus, Schiff und Bus) zurück nach Te Anau gebracht. Wir halten für uns fest: Die Doubtful Sound hat uns deutlich besser gefallen als die Milford Sound, auch aufgrund der deutlich geringeren Touristenmassen. In Te Anau checken wir kurz das Wetter für die nächsten Tage und werfen dann unsere Planung über den Haufen: Wir fahren über Ostern erstmal nach Dunedin.
Morgens heißt es fix aus den Feder, duschen, frühstücken und dann den Camper parken. Um 11 Uhr sollen wir dann abgeholt werden auf unsere Tour zur Doubtful Sound. Die Doubtful Sound ist größer als die Milford Sound und nur sehr schwer zu erreichen. Wir fahren heute zwei mal Boot und zwei mal Bus um dorthin zu kommen. Ihren Namen hat sie übrigens daher, da Captain Cook seinerzeit sehr “doubtful” war, ob er mit seinem Schiff wieder hinausfahren könnte, wenn er denn hineinfährt. Die Doubtful Sound soll nämlich an manchen Tagen fast windstill sein.
Unser Pickup holt uns dann um 11:20 ab, Conny ist außer sich über die Unpünktlichkeit, ist aber relativ schnell besänftigt, denn die Fahrt über Lake Manapouri ist schon sehr schön und sehr ruhig. Am West Arm des Sees abgekommen, wo übrigens auch ein großes Wasserkraftwerk steht, geht es dann wieder in einen Bus, der uns dann nach Deep Cove bringt, ein Ort am Beginn des Fjords mit einer Einwohnerzahl von 3,
Dafür müssen wir den Wilmot-Pass überqueren, von dem sich schon mal ein atemberaubender Blick auf den Fjord bietet. Etwa 30 Minuten dauert die Fahrt und dann können wir auch schon auf das bereitliegende Schiff. Schnell wird die Verteilung auf die einzelnen Kabinen organisiert und wir können unsere Betten in der Viererkabine beziehen.
Die liegt mit dem Fenster genau auf Wasserhöhe, dafür hat man einen tollen Ausblick. Schnell geht es wieder auf Deck, während wir schon gemütlich über das Wasser schippern und sich links und rechts mächtige Berge aus dem Wasser erheben. Zahlreiche kleine Inselchen liegen verstreut im Wasser und es gibt einige große Seitenarme.
Wir genießen die Aussicht, knipsen wie die Blöden und sind beeindruckt. Es herrscht allerdings ein ziemlich heftiger Wind aus dem Fjord heraus. Wenigstens bleiben so die Sandflys weg, doch der Seegang ist schon ganz ordentlich. Hätte Captain Cook sich gar keine Sorgen machen müssen.
An interessanten Stellen gibt es immer mal einen Livekommentar von einem der Crewmitglieder. So tauchen an den steilen Berghängen oft kahle Stellen auf, die wie Narben aussehen. Diese kommen von Baumlawinen, die alles was unter ihnen wächst, mitreißen.
Die Berghänge sind so felsig und hart, das alle Pflanzen zusammenarbeiten müssen. Das Moos, was einen würzigen Geruch über den ganzen Fjord verteilt, dient als Erde für die Bäume usw. Bei kleineren Erdbeben oder viel Regen löst sich das ganze gerne mal und fällt herunter.
Immer weiter geht es Richtung offener See und der Wellengang wird immer schlimmer. Conny wird schon ganz schlecht.
Draußen an Deck wird es auch immer ungemütlicher, da Sprühwasser einen feuchten Regen erzeugt.
Dafür eröffnen sich hinter dem Schiff tolle Blicke in den Fjord. Auf der offenen See befinden sich ein paar Inseln, auf dem sich Pelzrobben in der Sonne suhlen. Niedlich, aber leider kommen wir nicht ganz so nah heran wie in der Milford Sound. Auch Pinguine können wir leider bei dem Wind nicht entdecken. Dafür begleiten Delfine wieder ein wenig das Boot. Auch einen mächtigen Albatross bekommen wir kurz zu Gesicht.
Auf dem Rückweg in den Fjord herein muss Conny sich erst mal hinlegen, damit ihr Magen sich wieder beruhigt, Marcus sortiert derweil ein wenig Fotos. Für den Abend steuert das Boot einen Seitenarm der Doubtful Sound an. Dort wird geankert und es gibt die Möglichkeit, auf einem kleinen Schlauchboot eine Natur-Rundfahrt zu machen. Kajaken konnte man wegen dem Wind nicht, also los gings.
Unsere Kapitänin fuhr uns einige Male zum Ufer und erklärte uns einiges über die lokale Flora. Im Hintergrund zwitscherten Vögel und wir konnten unser Bötchen auch mal von außen betrachten. Sehr gelungen auf jeden Fall!
Zurück an Bord des Schiffes bot sich bald ein atemberaubender Sonnenuntergang. Wir hatten ja ohnehin Glück mit dem Wetter, da wir Sonne und blauen Himmel hatten; dieser verfärbte sich in tollen Farben und auf einem Berg bildete sich in all diesem noch ein Regenbogen. Alltäglich scheinen solche Sonnenuntergänge nicht zu sein, denn auch die Crew machte Fotos .
Ein wenig später durfte dann geschlemmt werden. Wir haben uns das Buffet richtig gut schmecken lassen (es war auch sehr gut, mit frischen Zutaten und überhaupt) und waren hinterher proppevoll. Aber nicht zu voll für den liebevollen Nachtisch .
Nach dem üppigen Mahl gab es dann noch einen kleinen Vortrag über die Entstehung des Fjordlandes und der Fauna und Flora, der wirklich interessant war, zumal wir einige der Tiere schon selbst beim Wandern beobachten durften, wie zum Beispiel den Kea oder den kleinen Meckervogel.
Wir blieben noch ein wenig in der zunehmend leer werdenden Bar und genossen den tollen Tag, bevor auch wir in unsere Kojen fielen.
Nach zwei Nächten in einer Cabin in Te Anau fühlen wir uns regeneriert genug, um uns auf zu machen, die weltberühmte Milford Sound zu erkunden. Uns wurde der Ratschlag gegeben (mehrfach), dass wir am besten morgens direkt die ersten an Ort und Stelle sein sollten, um den Touristenmassen zuvor zu kommen. Gesagt getan, fahren wir also einen Tag vorher schon in die grobe Richtung mit dem Plan irgendwo möglichst in der nähe zu campen. An der Straße in Richtung Milford Sound gibt es insgesamt etwa 10 Campgrounds, von denen wir uns einen aussuchen können.
Auf dem Weg gibt es neben viel toller Landschaft auch ein paar Stopps, die man einlegen kann, zum Beispiel die “Mirror Lakes”. Mirror Lakes gibt es an mehreren Stellen in Neuseeland, prinzipiell werden alle Seen so bezeichnet, in denen sich die Umgebung reflektiert. Das sollte auch hier der Fall sein, doch durch Regen und eine aufmerksamkeitssüchtige Ente sowie viele viele Wolken um uns herum hielten sich die Reflektions-Effekte in Grenzen.
Wir fahren also weiter durch tolle Landschaft, die hält im Gegensatz zu den Mirror Lakes jedenfalls was sie verspricht. Fragt mich aber nicht, warum hier das Gras ringsherum immer noch so braun ist, es regnet hier schon seit einem Tag durch.
Wir biegen gen Mittag auf den Campingplatz, der am nächsten an der Milford Sound liegt und stellen uns mit dem Camper direkt ans Wasser. Herrlich! Es hört sogar kurz auf zu regnen, als wir unseren Platz einnehmen, dafür haben wir viele anstrengende Nachbarn: Sandflies!
Ein Glück muss man fast sagen, dass es direkt wieder an zu regnen fängt, da lassen sich die Mistviecher nämlich nicht blicken. Wir klappen unsere Heckklappe auf und setzen uns mit Blick auf den See in unser Auto.
Und dann? Ja, dann haben wir mal schön eine Runde Langeweile.
Wir lesen noch ein paar Reiseführer, quatschen noch ein bisschen über Gott und die Welt und sind mit der untergehenden Sonne noch vor 8 Uhr im Bett. Auch mal schön.
Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Trotz frühem Ins-Bett-Gehen etwas früh. Es ist noch stockdunkel draußen. Wir fahren so leise wie möglich von unserem Campground, wir wollen ja unsere Mitcamperinnen und Mitcamper nicht wecken. Ich glaube das hat aber nicht geklappt.
So fahren wir also im Dunkeln die bestimmt wunderschöne Strecke bis zur Milford Sound. Wir können nur erahnen, wie die Strecke links und rechts von uns aussieht und freuen uns sogar ein bisschen auf den Rückweg, denn dann ist es ja hell. Relativ plötzlich und ohne Vorwarnung stehen wir an einem Parkplatz und von dort sehen wir schon den bekanntesten Teil der Milford Sound: Mitres Peak.
Wir schleichen zum Fährterminal und kaufen uns direkt mal Tickets für einen Cruise. Es ist jetzt etwa 8 Uhr und noch erstaunlich leer. Die ersten Cruises starten um 9 Uhr, wir entscheiden uns für die Gesellschaft “Go Orange”, die wurde bei Tripadvisor empfohlen. Passt scho, prinzipiell machen hier eh alle das gleiche Programm.
Wir checken ein und suchen uns einen Platz an Deck auf unserem kleinen orangenen Bötchen. Es ist echt relativ leer. Gott sei Dank. An der Milford Sound sind so um die 500.000 Besucher jährlich, aber nicht vor 11 Uhr anscheinend. Yeah!
So tuckern wir hinaus in die Sound. Auch das Wetter spielt mit und wir haben relativ klaren Himmel und keinen Regen!
Wir haben eine grandiose Sicht auf Mitres Peak, den man an vielen Tagen im Jahr wohl garnicht erst sieht, da er mit der Spitze im Nebel hängt.
Unser Kapitän erklärt ein wenig zur Entstehung der Sound, nämlich durch einen Gletscher, der mal bis zum Meer ging. Das entstandene Tal füllte sich dann mit Wasser und das nennt man dann Fjord. Eigentlich ist die Bezeichnung “Sound” auch falsch, denn eine Sound wäre meines Wissens ein klassisches Flussbett.
Wir haben richtig Glück, denn wir sehen relativ viele Wasserfälle, da es an den vorherigen Tagen viel geregnet hat. links und rechts von uns fließen die beeindruckendsten Wasserspektakel die Berge hinab.
Auf dem Weg zu einem dieser Wasserfälle passieren wir auch eine Seehund-Kolonie, die gelangweilt auf einem der vielen Felsvorsprünge rumlungert. So nah waren wir noch nie dran! Das Boot berührt sogar fast den Felsen, die Seehunde störte das aber herzlich wenig.
Wir beobachten die kleinen Racker, die an Land immer ein wenig ungelenk ausschauen. Aber sie kommen recht fix voran!
Kurz hinter den Seehunden erreichen wir dann einen von den beeindruckenden Wasserfällen und fahren auch hier so nah heran, dass der Wasserfall fast auf die Nase des Boots fällt. Wow!
Der Wasserfall ist bestimmt 20-30 Meter hoch und scheint aus dem Nichts aufzutauchen, das ist schon sehr hübsch!
Wir haben von hier aus auch einen grandiosen Blick zurück in den Start der Milford Sound, wo wir ja geparkt haben.
Wir nähern uns langsam dem Punkt, wo die Milford Sound auf das Meer stößt und wissen garnicht ob wir links, rechts, vorne oder hinten gucken und fotografieren sollen. Rings herum ist einfach eine unglaubliche Landschaft.
Das Wasser in der Milford Sound ist übrigens besonders dunkel. Das liegt daran, dass auf dem Meerwasser, welches ja in den Fjord läuft, noch Süßwasser oben drauf fließt. Durch Regenfälle und durch die ganzen Wasserfälle. Durch diese besondere Konstellation ist das Wasser wie gesagt dunkel und gemeinsam mit der Windgeschütztheit der Sound werden wohl Tiefsee-Bedingungen nachgestellt und so befinden sich massig Tiefsee-Lebewesen relativ nah an der Oberfläche.
Gesehen haben wir diese leider nicht. Hier gibt es aber irgendwo ein Unterwasser-Observatorium. Da waren wir aber nicht. Als wir dann die Sound in Richtung “Tasman See” verlassen haben, sieht man auch das dunkle Wasser sehr gut wie ich finde und die beeindruckenden Felsen links und rechts in der Sound. Ich finde man kann sogar die U-Form des Fjords ganz gut erkennen, die ein Gletscher ja typischerweise hinterlässt.
Auf dem Rückweg haben wir sogar noch mehr Glück mit dem Wetter und wir bekommen etwas Sonne ab. Mit Sonne sehen die ruppigen Berge links und rechts nicht mehr ganz so bedrohlich aus, aber nach wie vor sehr beeindruckend!
Beim hineinfahren bieten sich uns auch wieder grandiose Aussichten und man kann sich nur zu gut vorstellen, was die ersten Leute wohl beeindruckt gewesen sein müssen, als sie vor mehreren Hundert Jahren hier von der Meeresseite hineingefahren sind. Unter anderem übrigens unser spezieller Freund: Captain Cook.
Auf dem Rückweg machen wir auch Stopp an einer leicht überhägenden Klippe. Gruselig, wenn man bedenkt, dass sich hier immer mal Steine lösen.
Mit Sonne im Rücken tuckern wir also langsam wieder zurück in den Hafen, auch Mitres Peak kommt wieder in Sichtweite.
Im Hafenbecken bietet sich dann der bekannteste aller Ausblicke auf die Milford Sound. Gletschertäler links und rechts, Mitres Peak in der Mitte. Wenn ihr nach Milford Sound googelt, ist das das Bild was euch angezeigt wird.
Von hier aus wirkt die Sound dann auch tatsächlich am beeindruckendsten, da einfach die Größte der umliegenden Berge, die U-Form des Tals und das schwarze Wasser perfekt zusammenspielen.
Wenn man mitendrin ist, hat man den Effekt nicht so stark, beeindruckend war der Cruise aber trotzdem.
Zurück am Parkplatz bietet sich uns dann noch das absolute Postkarten-Foto der Milford Sound. Einfach klasse! Wir hatten ja vorher ein bisschen Angst, dass uns die Menschenmassen das Spektakel ein wenig madig machen, aber das war nicht wirklich der Fall. Die Natur bietet immer noch die beeindruckendsten Schauspiele!
Auf dem Rückweg machen wir zwei Stopps, den ersten bei “The Chasm”. Fragt mich nicht, wofür chasm steht, aber dahinter verbirgt sich ein kleiner Fjord-River, der sich seinen Weg durch die Felsen bahnt. Hierbei nimmt er Gestein aus seinem Flussbett auf, schleudert es beim Fließen umher und bohrt sich mit rotierenden Steinchen Löcher in die großen Felsen. Sowas haben wir auch noch nie gesehen!
Kurz danach geht es zurück durch den fiesen, langen, einspurigen Homer-Tunnel. Wir hatten zwischendurch echt Angst, dass unser armer, schwach-motorisierter Camper das nicht mehr mitmacht. Der Tunnel geht nämlich in diese Richtung nur bergauf. Hat aber alles geklappt.
Danach bietet uns das Tal, das heute morgen noch komplett im Dunkeln lang grandiose Ausblicke. Hier muss überall mal Gletscher gewesen sein, wir möchten uns nicht vorstellen wie Neuseeland zur Eiszeit einmal ausgesehen haben muss.
Wir machen noch einen kleinen Fotostopp mit unserem Camper und füttern dabei auch keine Kea-Papageien, dann geht es zurück in Richtung Te Anau!
Eigentlich wollten wir nochmal an den Mirror-Lakes vom Vortag anhalten, aber auch heute waren sie nicht perfekte Spiegel, also schnell weiter.
In Te Anau kommen wir am späten Nachmittag an und sortieren Fotos und unseren Camper. Morgen geht es dann zur Doubtful Sound, die ist noch größer und da gibt es deutlich weniger Touristen. Da freuen wir uns schon drauf.
Wir wachen nach der langen nassen Etappe gestern recht früh auf und merken schnell: nichts ist getrocknet. Alle unsere liebevoll aufgehängten Klamotten sind ebenso nass und klamm wie gestern,- dafür hat sich die Luftfeuchtigkeit der Hütte auf den Maximalwert erhöht. Wir quälen uns in die nassen Sachen rein (immerhin habe ich trockene Ersatzschuhe dabei) und es steht schnell fest für uns: wir ziehen heute durch und sparen und die letzte Übernachtung. Lieber Blasen an den Füßen als ne Blasenentzündung.
Nach einem kurzen Frühstück geht es also los. Die ersten 16km soll es dann auch gemütlich bergab durch ein Tal gehen.
Wir kommen schon bald am Big Slip vorbei, eine riesige Felsenlawine, die fast genauso alt ist wie Marcus, also 30, und sich nach starkem Regen vom Berg gelöst hat. Ich will wirklich nicht dabei sein, wenn sowas passiert. Auf dem Weg hält Marcus plötzlich an: Er hat Keas gesehen!
Diese Bergpapageien hatten wir schon an der Luxemorehütte beobachten können, aber hier schienen sie sich noch mehr in ihrer natürlichen Umgebung aufzuhalten. Die gelben Ringe um die Augen und der gelbe Streifen auf dem Schnabel verraten uns, das es sich um Jugendliche handelt, außerdem bilden sie gerne “Gangs”. Wir bleiben gut eine Viertelstunde stehen und beobachten diese Troublemaker, die immer für Unfug gut sind.
Als wir ihnen langweilig wurden, haben sie sich noch karatemäßig gekloppt und uns dann ein Stück verfolgt. Das war bisher die coolste Tiererfahrung in Neuseeland!
Nur einige Meter weiter finden wir einen vor sich her schimmelnden Baumstamm, von dem uns der Ranger schon am Vorabend erzählt hatte. Denn an diesem kann man Bohrlöcher von Kiwischnäbeln sehen! Tatsächlich haben wir in der Nacht auch Kiwis rufen gehört. Ich nur Weibchen, Marcus auch ein Männchen.
Unser Weg führt weiter durch verwunschene und vermooste Wälder an einem Fluss entlang. Eigentlich eine sehr angenehme Strecke, aber meine Beine sind doch sehr erschöpft von den etwa 1300 Höhenmetern hoch in den letzten zwei Tagen und fast noch mehr von den 1000m bergab gestern.
Bald quälen wir uns nur noch vorwärts (ich zumindest) und auch großartige Ausblicke auf Farnmeere heben meine Laune nicht wirklich.
Endlich kommen wir an den Lake Manapouri. An dessen Ufer befindet sich, nach ein paar Metern mehr am Ufer entlang die dritte Hütte, in der wir eigentlich die Nacht verbringen wollten. Es ist jetzt etwa 12 Uhr mittags und so gönnen wir uns eine Mittagspause.
Gegen 1 Uhr machen wir uns auf, die letzten 6km zu bezwingen. Marcus schreitet noch ganz gut voran, mein Wanderstil wandelt sich zunehmend in ein Kriechen.
Wir kommen unterwegs noch durch Wetlands, Sumpflandschaft, vorbei. Diese dienten, nebenbei bemerkt, als Filmkulisse für die Totensümpfe im Herrn der Ringe.
Endlich erreichen wir die rettende Hängebrücke am Rainbow Reach, wo unser Shuttle uns abholt. Mit beinahe letzter Kraft schleppe ich mich drüber und setzte mich mit brennenden Beinen und vier Blasen an jedem Fuß hin.
Da haben wir ihn auch noch geschafft, den dritten Great Walk. Leider sind wir ob des zweiten Tages doch sehr enttäuscht, grade weil heute die Sonne geradezu hämisch vom blauen Himmel lacht und der Berggrat, auf dem wir gestern durch Eisregen balanciert sind, gemein runtergrinst.
Angekommen in unserer Cabin wird erst mal geduscht und dann geschaut, wie wir unseren ganzen Kram wieder trocken bekommen. Vor allem die Wanderschuhe sind klitschnass und müssen mittels Heizlüfter getrocknet werden. Der Geruch war…atemberaubend! Gut getrocknet und mit gewaschenen Sachen geht es dann zum nächsten Ziel.
PS: Wir sollten uns eigentlich nicht über das Wetter wundern. Wir sind hier immerhin in einer der regenreichsten Regionen der Erde mit bis zu 9m Regen im Jahr.
Brrr was war das für eine kalte Nacht auf der Luxemore Hut auf dem Kepler Track. Die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet. Der Wind der hier weht ist für seine Kälte berüchtigt. Der Hütten-Ranger, Peter Jackson (Kein Witz), hatte uns am Vorabend schon davor gewarnt: Wenn Südost-Wind herrscht, bringt er kalte Luft von der Antarktis. Der Track ist ist heute gänzlich alpin, also nur über 1300m und auch nur über der Baumgrenze, er ist aber weiterhin offen und so versuchen wir mal unser Glück.
Noch einmal Füße am Ofen wärmen und dann dick einpacken, bevor wir uns vor die Tür trauen. Eigentlich sollte es ab dem späten Vormittag nur noch einzelne Schauer geben, aber als wir um etwa 10 Uhr loszogen war davon noch nichts zu spüren. Es hat kontinuierlich durchgeregnet. Aber wir sind ja nicht aus Zucker!
Nach etwa 20 Metern waren unsere Regenjacken schonmal durch. Das kann ja heiter werden. Wir kämpfen uns durch relativ starken Wind und kalten Dauerregen über Bergspitzen und auf Bergsatteln entlang. Dabei ärgern wir uns eigentlich durchgehend, denn hier hat man sonst bestimmt eine grandiose Aussicht. Einen Vorgeschmack hatte ich ja gestern bereits bekommen. Als wir den ersten Shelter nach etwa 2 Stunden erreichen, machen wir erstmal eine kleine Pause und treffen andere Wanderer. Alle sind so gefrustet wie wir. Auch beim zweiten Shelter nach weiteren 1,5 Stunden pausieren wir kurz. Hier sind wir alleine und packen endlich die Digitalkamera mal wieder aus.
Wir hatten bis hierhin Angst, dass sie nass wird. Aber was solls. Das wollen wir festhalten! Denn zwischen den beiden Sheltern fühlten wir plötzlich irgendwas hartes im Gesicht: Eis! Wir sind also irgendwie in einen Eisregen geraten. Dann könnt ihr euch ja denken, wie kalt es war. Inzwischen sind wir dann auch bis auf die Unterwäsche nass. Verdammt.
Krasse Ausblicke bleiben leider ein bisschen auf der Strecke, da wir halt in den Wolken umherlaufen. Man kann auf den Bildern zwar immer die Bergsattel sehen, auf denen wir wandern, aber die Abgründe links und rechts davon oder die vielen Berge der Kepler Mountains die uns umgeben sieht man natürlich nicht.
Hin und wieder kann man mal erahnen,wo ein dunkler Schatten ein Berg sein könnte, ansonsten sehen wir den Track und nicht viel mehr. Wir haben aber eh andere Probleme. In meinem Bart sammelt sich Eis und Conny kämpft noch mit ihren Beinen, die die erste Etappe nicht so gut weggesteckt haben.
Aber wir machen auch hieraus das Beste. Wir wollten ja Abenteuer erleben, als wir losgezogen sind im letzten Jahr und dieser Tag zählt definitiv in die Kategorie Abenteuer.
Wir kämpfen uns immer näher an die Hütte heran, in der wir heute Abend bleiben werden. Wenn wir stehen bleiben, wird uns direkt kalt, also laufen wir einfach durch.
Dann gab es plötzlich ein paar Treppen und ein paar Serpentinen (englisch: Zigzags, kein Witz!) und plötzlich wurde es wärmer und der Wind wurde deutlich weniger.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Wir haben die Baumgrenze erreicht. Man kann Conny ansehen, wie sehr sie sich darüber gefreut hat. Hier ist das Laufen schon deutlich angenehmer. Von der tollen alpinen Strecke haben wir nur leider nix gesehen. Mpf.
Stattdessen sehen wir noch ein paar Schneisen in den Bergen von früheren Felsrutschen und kommen eine knappe Stunde später in der Iris Burn-Hütte an. Puh!
Wir suchen erstmal nach trockenen Klamotten und mummeln uns für eine Weile in unsere Schlafsäcke ein, denn wir sind ganz schön abgekühlt auf dem Weg. Mein Schlafsack ist auch nicht mehr ganz trocken, aber Connys wohl.
Danach gibt es bei uns Abendessen, heute mal keine Nudelcups wie sonst, sondern sogenannte “Backcountry Meals”. Das sind so Trockengerichte, die man mit heißem Wasser zum Leben erwecken kann, bei Conny gibt es Spaghetti Bolognese, bei mir gibt es Cottage Pie. Wir fanden beides nicht überragend und essen nächstes mal lieber wieder Nudelcups.
Wir hören uns um 19:30 Uhr noch den Standup-Comedy-reifen Ranger-Talk von Hütten-Ranger Robbie an und schlüpfen dann noch vor 21 Uhr in unsere Schlafsäcke, der Tag war anstrengend!
Morgen haben wir noch eine flache Etappe zur letzten Hütte und übermorgen nur noch 6km bis zum gebuchten Shuttleservice.
Wer sind wir eigentlich!? Wir sind beide noch jünger als 30 und kommen gebürtig aus Paderborn. Gewohnt haben wir die letzten Jahre in Darmstadt. Und jetzt heißt es: Schluß mit Alltag. Conny ist gerade fertig mit ihrem Studium, Köthi hat bereits ein paar Jahre im Job hinter sich. Ab Oktober 2013 geht es für 9 Monate um die Welt!