Der zweite und direkt letzte volle Tag in Athen beginnt erneut mit Sonnenstrahlen im Gesicht. So wird man gerne geweckt. Bei blauem Himmel frühstücken wir eine Kleinigkeit und machen uns direkt auf den Weg. Nachdem wir gestern viel gelaufen sind, wollen wir den heutigen Tag fußtechnisch ein wenig lockerer angehen lassen. Unser erstes Ziel ist der Wachwechsel am Denkmal des unbekannten Soldaten am Syntagma Square. Am Syntagma Square sind wir am ersten Tag mit dem Bus vom Flughafen angekommen und auch schon ein paar mal mit der Ubahn umgestiegen.
das Denkmal des unbekannten Soldaten liegt direkt auf der anderen Straßenseite vor dem griechischen Parlament und war uns noch nicht aufgefallen. Das verwundert aber nicht, denn der Blick fällt dort natürlich zuerst auf das große Parlamentsgebäude, bevor man das kleine Denkmal davor wahrnimmt. Das Denkmal wird bewacht von zwei Soldaten in traditioneller Kleidung. Diese werden alle paar Stunden gewechselt und der Wechsel findet im Rahmen eines traditionellen Zeremoniells statt. Mit besonders ausladenden (und vermutlich besonders anstrengenden) Schritten laufen die Soldaten bestimmte Wege ab (welche durch Spuren auf dem Boden auch bereits sichtbar sind) und werden von ihren eintreffenden Vertretern offiziell abgelöst. Bei diesen wird dann auch der Sitz der Kleidung nochmal kontrolliert, bevor sie für ihre Schicht dort zurückgelassen werden. Der Wachwechsel war schon spannend zu beobachten, ist aber bei Weitem nicht so pompös und auch nicht so populär wie der in England am Buckingham-Palast zum Beispiel.
Einige Meter neben dem griechischen Parlament fahren die Hop-on-Hop-off-Touri-Busse ab. Da wir ja unsere Beine ein wenig schonen wollen heute, erstehen wir nach kurzer Verhandlung ein Ticket für 24 Stunden und mehrere mögliche Linien und schwingen uns in den Bus. Wir fahren durch die belebten Straßen Athens und sehen alles zwischen moderner Stadt und antiken Ruinen. Immer mal wieder sieht man auch die Akropolis am Ende einer Straße. Während wir so fahren, bemerken wir, dass Athen deutlich weniger hektisch und chaotisch ist als Rom oder Paris zum Beispiel. Ist aber natürlich auch viel kleiner, nämlich nur etwa um die 700.000 Einwohner.
Unser erstes Ziel ist die griechische Agora. Agora ist ja sowas wie ein Marktplatz und davon gibt es zwei in Athen. Einmal die griechische oder auch antike Agora und einmal die römische Agora. An der römischen waren wir bereits am Vortag vorbeigekommen, also steht heute die griechische auf dem Plan. Die griechische erstreckt sich auch über ein relativ großes Gelände mitten in der Stadt, dass man nach der Zahlung von einem kleinen Eintrittsgeld selber erkunden darf. Als erstes fällt einem hier die Stoa des Attalos auf. Eine Stoa ist eine Säulen- oder Wandelhalle.
Die Stoa des Attalos hat man jedenfalls in den 50er Jahren originalgetreu wieder aufgebaut und so ist sie das einzige antike Gebäude der Agora, welches keine Ruine ist. Zudem ist das Gebäude alleine schon durch seine Ausmaße beeindruckend.
Hier haben übrigens in den 00er-Jahren irgendwann die Länder der EU-Osterweiterung den Beitrittsvertrag zur EU unterschrieben. Von der Stoa aus kann man entspannt über das Gelände und durch die teils wenig erhaltenen Ruinen schlendern. Auch wenn sie teils sehr verwittert sind, kann man zu jeder Ruine im Plan nachschauen, was es für ein Gebäude gewesen ist und welchem Zweck es gedient hat.
Das berühmteste Gebäude der Agora ist der Tempel des Hephaistos. Er thront auf einer kleinen Anhöhe über den Ruinen der restlichen Agora. Er ist im Vergleich zum Rest auch noch erstaunlich gut erhalten.
Der Tempel ist etwa 500 Jahre vor Christus erbaut und aus Marmor. Soweit man das sehen kann ist er nicht nur gut erhalten sondern auch recht vollständig, sogar das Dach ist noch da. Betreten darf man ihn nicht, das ist vielleicht auch besser so.
Wir drehen eine Runde um den Tempel und schauen uns die Säulen und die Teile des Innenraumes an, die man von außen her sehen kann.
Anschließend setzen wir uns auf eine Bank neben dem Tempel und genießen die Aussicht. Von hier aus kann man nämlich die Stoa, die komplette Agora und im Hintergrund auch die Akropolis sehr gut bewundern.
Ein paar Meter weiter schwingen wir uns wieder in unseren Bus und fahren ein paar Stationen weiter. Nächster Halt: Olympieion.
Das Olympieion war einst einer der größten Tempel im antiken Griechenland. Es dauerte jedoch mehrere hundert Jahre, bis er fertiggestellt wurde. Bereits 600 Jahre v. Chr. wurden hier Bauarbeiten begonnen, jedoch erst 130 Jahre n. Chr. wurde der Tempel geweiht. Irgendwann zwischendrin wurde er durch ein Erdbeben zerstört und die Überreste stehen dort noch heute im Schatten der Akropolis.
Das waren dann genug Tempel für uns an diesem Tag und wir beschlossen, einen Bus in Richtung Küste zu besteigen und den Rest des Tages an einem der Stadtstrände Athens zu verbringen, bevor wir am nächsten Tag ja schon wieder zurück in die Heimat müssen. Athen schmiegt sich ja direkt an die Küste und so gibt es eine ganze Menge an Stränden im Süden und Süd-Westen der Stadt. Wir orientieren uns mit unserem Bus in Richtung Süden
Wir entschließen uns spontan, erst an der Endhaltestelle auszusteigen und befinden uns im Stadtteil “Vouliagmeni”. Das ist ein kleiner Zipfel recht weit im Süden. Hier ist es echt beschaulich: Das Wasser ist super klar, in der kleinen Bucht fahren Bötchen und an der Strandpromenade sind ein paar Restaurants.
Ich krempele spontan die Hosenbeine hoch und gehe ein paar Meter ins Wasser. Es ist zwar noch etwas kühl, aber sorgt dafür, dass ich sofort im Urlaubsmodus bin. Herrlich! Es ist auch schon Mittag und so suchen wir uns ein nettes Restaurant. Wir sind völlig ahnungslos bezüglich der Griechischen Küche, auch nach zwei Tagen die wir bereits hier sind. Der Kellner berät uns freundlich in sensationellem Englisch und wir bestellen irgend eine besondere Form von Souflaki (was sonst?!). Es war göttlich.
Wir schleppen uns vollgefressen noch ein wenig die Promenade hoch und runter und blicken aufs Meer. So langsam wird es aber schon dunkel und wir müssen aufpassen, dass wir den letzten Bus in Richtung City nicht verpassen. Also auf zur Bushaltestelle und ab zurück nach Athen.
Es hat uns hier am Wasser aber so gut gefallen, dass wir nächstes Mal gerne ein wenig mehr in diese Richtung machen würden. Vor der Küste Athens liegen viele kleine Inselchen, die man mit Booten bereisen kann. Man könnte hier also tagelang Inselhopping betreiben. Keine so schlechte Vorstellung!
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder in der Stadt. Während sich die Hälfte von uns bereits zurück in die Wohnung verzieht, erklettert die andere Hälfte noch den Berg gegenüber der Akropolis. Das ist nicht wirklich anstrengend und klappt auch noch vor dem Sonnenuntergang. Und was sich einem bietet, ist eine sensationelle Sicht auf die Akropolis.
Auch über die Stadt Athen kann man hier bei Sonnenuntergang schauen. Eine tolle Aussicht, die wir nur mit einer Hand voll Menschen teilen. Dabei ist das doch gar kein Geheimtipp?! Wir klettern wieder hinunter, nachdem die Sonne verschwunden ist und kehren noch zu einem letzten Ouzo ein, den hatten wir bis jetzt garnicht getrunken. Wir sind jetzt auch wieder zu viert und stoßen noch einmal auf einen tollen Wochenendtrip an.
Am nächsten Morgen geht unser Flieger zurück in die Heimat! Auf Wiedersehen, Griechenland! Das war nicht unser letzter Besuch!


