Hier in Sydney jagt ja wirklich ein Highlight das nächste. Heute haben wir uns vorgenommen, den vielleicht zweitbekanntesten Strand in Sydney zu besuchen, den Manly Beach. Der normale Weg dorthin wäre via Fähre, aber wir haben beschlossen, den Manly Scenic Walkway 11km lang zu bewandern. Eigentlich kann ich ja wegen einem schweren Kindheitswandertrauma dieser sinnlosen auf-und-ab-Fußquälerei nicht viel abgewinnen, aber darauf habe ich mich irgendwie gefreut. Ich glaube, ich werde alt.
Zuächst einmal mussten wir einen Bus nach Spit Bridge im Norden Sydneys nehmen und haben das Ticket direkt mal falsch entwertet. War dem Busfahrer aber herzlich egal, also die knapp 20minütige Fahrt genossen und dann über die Spitbridge mit ansehnlichem Ausblick auf die Yachten marschiert und direkt dahinter rechts auf den MSW, – Manly Scenic Walkway-, abgebogen.
Der Weg führt immer entlang der Hafenbucht an der Küste entlang und soll, je nach Quelle, leicht, leicht bis mittelschwer oder in Teilen anspruchsvoll sein. Wir prüfen das lieber mal selbst.
Zunächst geht es auf einem Spazierweg durch kleine Wäldchen und entlang wunderschöner kleiner Strände mit kristallklarem Wasser. An jedem von diesem wäre man am liebsten gleich mal reingesprungen!
Es geht immer mal ein wenig bergauf und bergab, aber nichts schlimmes. Und immer wieder eröffnen sich kleine Ausblicke auf die Buchten ringsherum.
Vorbei an weiteren kleinen versteckten Stränden mit ansehnlichen, leichtbekleideten Sonnenanbetern geht der Weg dann langsam und sicher nur noch bergauf, der Wald hört auf und ehe ich anfangen kann zu bocken, laufen wir nur noch in praller Sonne. Bergauf. Kurz bevor ich richtig sauer werde und die Idee der Wanderung farbenfroh und phantasievoll verfluche kommen wir zum Aussichtspunkt. Immerhin.
Die Aussicht ist wirklich sehr hübsch und hinter der nächsten Biegung kann man sogar schon Manly erahnen. Das ist Motivation genug! Weiter gehts, langsam auch wieder bergab. Unterwegs sehen wir sogar eine Aborigine-Stätte, wo verschiedene Dinge in die Felsen geritzt wurden: Fische, Kängurus und Bumerangs im wesentlichen. Wer erkennt, was unten links zu sehen ist? Zugegebenermaßen ist es schon ziemlich errodiert, aber dennoch halbwegs erkennbar. Auch Lizards haben wir jeden Menge gesehen, die sich sonnten, einige von ihnen nahmen recht gewaltige Ausmaße an.
Der Weg nach Manly rein zog sich dann noch ein bisschen durchs Wohngebiet, doch schließlich, nach gut 2 Stunden hatten wir die Manly Wharf erreicht. Hurra!
Mittlerweile meldete sich den Mittagshunger und wir ließen uns nieder, unsere liebevoll geschmierten Salami-Käse-Brote zu konsumieren. Doch,-ohje…
Also kein ausführliches Picknick und stattdessen das Zentrum dieses kleinen Ferienörtchens und den Strand erkunden. Und den Aldi, den gibts hier nämlich direkt am Fähranleger. Vielleicht eine günstigere Alternative auf unserem geplanten Roadtrip im Februar.
Manly ist weniger voll mit Surfdudes und Angebern und auch deutlich leerer als Bondi Beach. Eher beschaulich, genauso wie die kleine Fußgängerzone, “the corso”. Dort haben wir uns als Belohnung für die sportliche Betätigung dann auch ein Eis gegönnt. In einer in Schokososse getauchte Waffel. Drunter gehts nicht.
Zurück haben wir dann aber doch lieber die Fähre genommen. Von dieser aus kann man Manly langsam verschwinden und die Oper samt Harbour Bridge langsam erscheinen sehen. Wie genießen den Anblick draußen, während unsere qualmende Füße frische Seeluft schnuppern. Als wir ins Hostel zurückkehren wollen wir am liebsten nur noch ausruhen. Das wird aber nichts!
Denn für heute abend haben wir uns Operntickets gekauft. Wenn man schonmal da ist. Es gibt die Zauberflöte, auf Englisch. Unsere Plätze waren die billigsten und die Untertitel sind, es wird schon auf dem Ticket gewarnt, nicht zu sehen. Wir trauen uns trotzdem. Als wir zur Oper schlendern, so schick wie es mit Rucksackgardrobe eben möglich ist, erstrahlen Oper und Brücke bereits im Abendlicht. Und es ist tierisch windig.
Noch ein paar Erinnerungsfotos und los kanns gehen. In der Oper ist fotografieren eigentlich streng verboten, aber Marcus, der alte Daredevil hat trotzdem welche gemacht. Genauso wie die zig tausend Asiaten um uns herum. Underdressed waren wir auch nicht. Die Oper beginnt und war – einfach traumhaft. Inszeniert von der Regisseurin des Musical König der Löwen waren die Kostüme und das Bühnenbild einfach ein phantasievoller Traum und passten super zu der Oper! Die Karten haben sich auf jede Fall gelohnt.
Zur Pause bot sich uns dann aus dem Fenster ein atemberaubender Ausblick auf die Harbourbridge bei Sonnenuntergang. Es wird nicht langweilig!
Und als die Vorstellung um etwa halb zehn dann zu Ende war, lud die beleuchtete Skyline noch zum Fotografieren ein. Beim Blick über die Schulter Richtung Oper stellten wir fest, dass sich irgendetwas verändert hatte…und tatsächlich wurde das Dach blutrot angestrahlt! Warum? Weil heute auch noch chinesiches Neujahr ist!
Ich glaube, in Sydney haben wir wirklich viel mitgenommen! Was für ein Glück mit dem Zeitraum, in dem wir da waren! Es ist wirklich eine tolle Stadt, die entspannteste Weltstadt vielleicht, in der wir je waren! Morgen früh heißt es dann: packen und ab ins Outback!


