*gäääääähhhhhn* Gute Morgen allerseits! Wieviel Uhr haben wir eigentlich? 9 Uhr?! Das heißt, wir haben 16 Stunden geschlafen?! Gibts ja garnich! Das ist ja seit Jahrzehnten nicht mehr passiert. Nichts wie raus aus den Federn und rein in die Schuhe. Noch ein kurzes Frühstück im Hostel mitgenommen (Bei mir gibt es jetzt morgens immer “Kelloggs Nutri Grain”) und los gehts, die Stadt erkunden. Ich bin zwar gestern schon ohne Conny angefangen, aber jetzt machen wir das nochmal zusammen. Erster Stopp: Botanical Gardens.
Conny ist ja ein großer Fan von Parks und Gärten aller Art und so auch hier, die Botanical Gardens sind aber auch überdurchschnittlich hübsch, das muss selbst ich als Naturmuffel feststellen. Auf einer Lichtung stoßen wir sogar auf ein Theaterstück, das gerade aufgeführt wurde. Schien für Kinder gewesen zu sein, war nämlich laut und bunt und witzig. Shakespeare’s Sommernachtstraum wird auch diese Woche noch aufgeführt, vielleicht schauen wir uns das mal an. Weiter schlendern wir durch den Park und stoßen dann auf ein großes, graues Gebäude.
Das ist der sogenannte “Shrine of Rememberance”. Ein Denkmal für die Gefallenen Australier im ersten Weltkrieg. Alleine aus dem Staat Victoria waren das wohl mehrere Tausend Menschen. Wir waren uns garnicht bewusst, dass Australien so stark in die Wirren des ersten Weltkrieges verwickelt war und müssen uns hier bei Gelegenheit mal schlau machen. Als wir uns dem Eingang nähern, werden wir von netten Australischen Wachposten herzlich hineingebeten und bekommen sogleich eine Präsentation der Besonderheit des Schreins mit: Ein Sonnenstrahl scheint zu einem bestimmten Tag und zu einer Bestimmten Zeit auf die Gedenkplatte im Inneren. Normalerweise findet dies am 11.11. um 11 Uhr statt, allerdings kann man das heute wohl alles mit Spiegeln simulieren und das haben wir dann mitbekommen. Cool.
Nachdem das Licht erloschen war, haben auch alle Australier im Raum im Chor einige Gedenkworte gesprochen, da war es uns schon fast unangenehm, dass wir nicht wussten, dass man das hier macht. Kurz noch ein wenig umgeschaut und dann raus und weiter in Richtung Innenstadt. Die Skyline von Melbourne sieht man von hier schon sehr gut und das ist auch die richtige Richtung für uns.
Auf dem Weg sind wir wieder an der National Gallery of Victoria vorbei gekommen, dort steht, wie an einigen Stellen in Melbourne, ein Klavier herum, an dem man einfach spielen darf. Das hat Conny dann auch mal gemacht. Es gab Beethoven.
Weiter Richtung Innenstadt kommen wir als nächstes an den Yarra River, dessen Promenade ich gestern bereits mit London verglichen habe. Die fanden wir auch erneut so cool, dass wir uns dazu entschlossen, uns kurz etwas zu Essen zu suchen und uns dort ein wenig hinzusetzen.
Gefunden haben wir den “Lord of the Fries”, angeblich die besten Fritten in Melbourne. Das müssen wir natürlich testen. Alles natürlich vegan und organic, wie so ziemlich alles hier in Melbourne. Wir bestellen eine “regular” Portion und bekommen eine Monster-Schale Fritten. Okay, dann gehen wir damit mal ans Ufer.
Hier beobachten wir viele Büroangestellte in ihrer Mittagspause. Auch unglaublich viele Jogger kommen hier vorbei, das haben wir noch in keiner Stadt so krass erlebt. Es sind nicht nur unglaublich viele, sondern sie sind auch alle verdammt schnell und verdammt muskulös. Da macht das Pommes-essen gleich doppelt so viel Spaß. Waren aber echt grandios, aber das nur nebenbei.
Während wir da so saßen, bekommt Conny plötzlich Panik.
Ahhhhh! Ein Tiiieeeeer! Ahhhhhhh!
Könnte ja was giftiges sein, wir sind ja immerhin in Australien. War es aber nicht. War nur ein Blatt, dass langsam auf sie herabgesegelt ist. Hier sieht es tatsächlich schon ein wenig herbstlich aus, weil viele Blätter ob der letzten Hitzewelle mit mehr als 40 Grad ihre Spuren hinterlassen hat.
Nach den Pommes, schlendern wir weiter durch die Stadt und verirren uns schließlich das erste mal in einen richtigen australischen Supermarkt. Bisher hatten wir immer nur kleine Märkte gesehen, die für unsere Verpflegung zwar ausreichen, aber kein richtig großes Sortiment vorhalten. Anders hier. Wir stöbern mal ein wenig und stoßen auf viele interessante Dinge, zum Beispiel Deutsche Wurst.
Hier genießen wir kurz ein bisschen Wasser, Obst und gratis WLAN bevor es weitergeht. Nächste Ziel sind die Queen Victoria Markets. Eigentlich DIE Markthalle für Lebensmittel, Kleidung und sonst auch alles was man so benötigt. Wir stehen aber vor leeren Gängen, denn wir sind ein bisschen spät dran, der Markt hat seit etwa einer Stunde geschlossen. Naja, müssen wir halt die Tage nochmal schauen.
Auf dem Rückweg finden wir noch einen witzigen Snack-Stand in der Innenstadt. Achtet mal auf der linken Seite des Standes auf die Speisekarte. Knapp über dem Kopf des asiatisch aussehenden Kollegen.
Heute morgen sind wir wieder etwas früher unterwegs, denn wir wollen heute das Visitor Shuttle nutzen. Das ist ein klassischer Hop-On-Hop-Off-Bus, kostet aber nur 5$ pro Person und ist offiziell von der Stadt Melbourne. Es gibt hier auch einen Citysightseeing-Bus mit ähnlicher Route, der kostet aber irgendwie 45$. Ich frage mich, wer das macht. Naja. Wir auf jeden Fall direkt mal morgens rein in den Bus. Drinnen ist es wenigstens trocken. Denn nachdem wir jetzt zwei Tage strahlenden Sonnenschein hatten, schüttet es heute aus Kübeln.
Der Bus macht 13 Stopps und man kann auf einer Map immer sehen, wo man gerade so ist. Unser erster Stopp sind die Queen Victoria Markets, wo wir ja gestern schon vor geschlossenen Türen standen. Auf dem Weg dahin kamen wir übrigens unter anderem an der Rod Laver Arena vorbei, da finden ja momentan die Australian Open statt.
Dieses mal ist auch richtig was los bei den Queen Victoria Markets und wir stürzen uns ins Getümmel. Bei dem hohen Preisniveau können wir hier eh nicht groß zuschlagen… dachten wir zumindest als wir loszogen. Wir mussten aber schnell feststellen, dass hier alles deutlich günstiger als in den Supermärkten und Klamottenläden rund um die Innenstadt ist. Praktisch.
Gekauft haben wir dann aber auch nicht überragend viel. Conny hat sich zwei Äpfel gekauft und ich eine Banane. Gerade Obst und Gemüse bekommt man hier auf dem Markt perfekt. Angeblich sollte es auch deutsche Bratwurst hier geben, die haben wir aber nicht gefunden.
Empfohlen wurden uns aber zum Beispiel auch Spanische Doughnuts, also quasi Churros, die wir dann auch konsumiert haben. Nom nom nom. Empfohlen hatte uns die unsere burschikose Busfahrerin Julie.
Eine Stunde später hüpfen wir wieder in den Bus und fahren ein paar Stopps weiter zu den Docklands, also zum Hafenviertel. Dort finden wir neben der “Harbour Town” (=Shopping Meile) auch den Melbourne Star (=Riesenrad) und das Etihad Stadium (=Fußballstadion).
Am Wasser ließ sich wunderbar entlangschlendern, inzwischen hatte der Regen nämlich aufgehört. Irgendwie waren wir hier aber relativ alleine unterwegs. Komisch.
Naja, wenn hier nichts los ist, direkt wieder rein in den Bus und ab nach Chinatown, das haben wir auch noch nicht gesehen. Bis dahin haben wir haber etwa 40 Minuten fahrt, da können wir unsere Beine mal kurz ausruhen, ein paar Kilometer haben wir heute bestimmt schon gemacht.
Chinatown haben wir dann eher schnell durchquert, wir hatten ja schon das echte China, sowie Chinatown in Bangkok, Georgetown und Kuala Lumpur. Hier in Melbourne beschränkt sich Chinatown dann auch praktischerweise auf ein paar schicke, verwestlichten China-Restaurants und das war es dann eigentlich auch schon. Chinesisches Essen wollte wir allerdings nicht, bei uns gab es zwischendurch dann eher ein kleines Sandwich. Während wir dies konsumieren, fassen wir den Plan, noch die Circle Line-Straßenbahn auszuprobieren. Die ist alt, umsonst und fährt immer die Runde um Melbournes Innenstadt. Das klingt gut.
Sie bringt uns an vielen Orten vorbei, die wir schon gesehen haben, aber auch durch einige coole Nebenstraßen. Die Bahn wird auch nicht nur von Touristen genutzt, sondern auch von Locals. Klar, würden wir auch machen, ist ja schließlich umsonst! An der Centre-Passage springen wir aus der Bahn, die hatten wir schon auf Fotos gesehen und wollten uns die nochmal live anschauen.
Eigentlich nichts anderes als eine Enge Gasse voller Restaurants, Bistros und Bars, aber ein gewisses Flair ist ihr nicht abzusprechen. Sie ist total gemütlich, überall riecht es gut und ein kleiner Blick auf die Preise ließ uns auch nicht erstarren. Verdammt, hier hätten wir mittags was speisen müssen. Naja, vielleicht schaffen wir das ja morgen vor unserer Abreise noch!
Inzwischen ist es mitten am Nachmittag und wir haben noch einiges im Hostel zu tun, so dass wir uns auf den Rückweg machen. Auf dem Weg zur Tram entdecken wir noch massig eingestrickte Bäume. In Darmstadt hat man das ja manchmal in Ansätzen gesehen, hier sind es echt unglaublich viele und unglaublich kreativ eingestrickte Bäume.
Im Hostel wartete dann ein wenig Arbeit auf uns, nämlich Laundry. Wir wollen das ja nochmal nutzen, dass wir hier eine Waschmaschine zur Verfügung haben. Mit Bloggen oder Fotos sichern ist hier nicht viel: Das Internet ist total langsam und man bekommt nur 500MB Datenvolumen für umsonst. Das war in Asien definitiv einfacher.
Abends waren wir dann auch mal gescheit essen, nicht immer Toast. Und zwar waren wir bei Soda Rock Diner. Das ist hier ein 50er-Jahre American Diner direkt um die Ecke und wir hatten schon seit 2 Tagen beschlossen, hier mal richtig cool essen zu gehen. Das haben wir dann heute gemacht. Schön Fritten, Getränk und Burger für jeden. Dazu grandiose 50er Jahre Musik. Auch der Shake war super, wie man mir in folgender Bilderserie ansieht:
Auch die Burger waren überragend gut. Connys mit Gurke und Salat und Tomate, meiner mit doppelt Fleisch und doppelt Käse. Das waren mit die besten Burger die wir jemals gegessen haben. Warum haben wir so einen coolen Diner nicht in Deutschland?!
Wir haben das Essen richtig genossen, doch oh weh! Marcus Käseburger mit Käsefritten schienen nach dem leichten asiatischen Essen der letzten Monate doch etwas viel zu sein. Er hatte sich richtig schön überfressen und saß mit Magendrücken und Völlegfühl am Tisch. Aber der kleine Verdauungsspaziergang zum Hostel macht alles wieder gut. Zum Abschied noch ein Blick auf den Eingang dieses genialen Diners und ab zurück.
Morgen haben wir dann noch ein wenig Zeit in dieser tollen Stadt und dann geht es mit dem Nachtbus nach Sydney.


