Unser zweiter Tag in Hue! Den haben wir uns komplett für die “Tombs of the Emperors” aufgehoben. Hue war ja wie bereits erläutert, die Residenzstadt der Nguyen-Dynastie. Die Kaiser der Nguyen haben sich zusätzliich zum pompösen Palast jeweils vor ihrem Ableben einen schönen Platz für Ihr Grabmal in der Nähe von Hue ausgeguckt und ein eben solches dort erbaut. Entstanden sind weitläufige Parkanlagen und beeindruckende Gebäude. Alles so im 8km-Radius um Hue herum. Wir haben angesichts der überschaubaren Strecke keinen Bock mehr auf Chauffeur und privates Fahrzeug und mieten uns kurzerhand zwei klapprige Fahrräder und machen uns auf en Weg durch den vietnamesischen Verkehr!
Der vietnamesische Verkehr läuft gefühlt völlig ohne Regeln. Es drängen sich etwa 10 Mopeds nebeneinander auf einer Spur, während diese gerade rechts von einem grotesk wild hupendem Auto überholt werden. Rechts vor Links oder Links vor Rechts gibt es nicht, Abbiegen ist das reinste Abenteuer und rote Ampeln sind auch eher nur Empfehlungen als harte Regeln. In diesem Gewusel arbeiten wir uns mit unseren Fahrrädern stadtauswärts. Je weiter wir aus der Stadt raus kommen, desto einfacher und idyllischer wird es und uns erscheint die Idee weit weniger abwegig als in den ersten 10 Minuten unseres Vorhabens. Nach etwa 45 Minuten erreichen wir die erste Grabstätte, stellen unsere Fahrräder bei einem freundlich winkenden vietnamesischen Restaurantbesitzer ab (der vermutlich gehofft hat, mit uns ein wenig Umsatz zu machen) und beschreiten die erste Sehenswürdigkeit heute. Da wir bereits gestern ein Kombiticket gekauft hatten, erzeugen die drei bekanntesten Grabmäler für uns heute keine Extrakosten. Einige andere sind auch gratis, diese sind aber weniger bekannt, schlechter ausgeschildert und heute nicht auf unserer Agenda.
Tu Duc
Das erste “Grabmal” welches wir uns anschauen ist das des Kaisers Tu Duc.Uns wird schnell klar, dass mit “Grabmal” hier riesige Areale gemeint sind, wir sind erstmal baff. Kaiser Tu Duc hatte wohl eine eher “poetische” Gesinnung, wie überall beschrieben ist, weswegen sein Grabmals-Landschaftspark sehr hübsch und ruhig gebaut ist. Überall sind zudem Pavillons, in denen er noch zu Lebzeiten auf Seen und Inseln starren und Poesie schreiben konnte. Ja, ihr hört richtig, zu Lebzeiten. Tu Duc hatte sein Grab bereits zu Lebzeiten errichten lassen und hat hier auch viel Zeit verbracht.
Neben künstlichen Seen, Flüssen und vielen botanischen Anlagen, befinden sich auch einige Tempel auf dem Gelände. Wir schlendern durch die Anlage, starren – wie einst Tu Duc – auf den angelegten See und stellen uns vor, wie das wohl früher gewesen ist.
Nähert man sich dem eigentlichen Sarg, muss man durch etwas prunkvollere Plätze und Tempel sowie an einer großen Steintafel vorbei, in die Tu Duc selber einen Text gemeißelt hat. Leider auf chinesisch und somit für uns leider nicht lesbar.
Letztendlich stehen wir vor dem Sarg. Alle Ehrfurcht können wir aber eigentlich beiseite schieben, denn der Sarg ist leer. Tu Duc hatte wohl Angst vor Grabräubern und hat angeordnet, seinen Leichnam irgendwo im Wald von Sklaven vergraben zu lassen und alle Sklaven anschließend zu enthaupten. Somit ist bis zum heutigen Tag unbekannt, wo er eigentlich liegt.
Sehr faszinierend wie ich finde. Da baut man diese riesige Anlage für das eigene Ableben und hat dann Angst, sich dort begraben zu lassen. Wahnsinn. Wir setzen uns noch für ein paar Chips und eine Fanta an einen kleinen Straßenstand und blättern noch ein wenig in den erläuternden Texten des Lonely Planet, bevor wir uns wieder auf die Fahrräder schwingen und zum nächsten Grab fahren.
Khai Dinh
Dessen Grabmal ist insofern besonders, weil es nicht nach klassisch vietnamesischen Gesichtspunkten gebaut ist, sondern eine Mischung zwischen europäischer und vietnamesischer Architektur darstellt, genauer neogotischer und vietnamesischer Architektur. Anstelle von Holz ist mit dunklem Stein gearbeitet worden, das Grabmal ist sehr steil in einen Hang gebaut worden. Die europäischen Einflüsse sind insofern nicht verwunderlich, das das Kaiser Kaih Dinh sich sehr nach den französischen Kolonialherren richtete und dementsprechend nicht unbedingt beliebt war.
Der obligatorische Hof mit den Elefanten,Pferden und Mandarin hingegen finden sich bei allen Grabmälern. Der Reiseführer behauptet auch, das die Züge der Mandarin europäisch seien, das wollen wir hier nicht bestätigen.
Jedenfalls wirkt die ganze Anlage aufgrund ihrer dunklen Farbe ziemlich gruselig. Erst in der letzten Halle wird es dann deutlich farbenfroher, denn der Raum ist komplett mit einem funkelnden, bunten Mosaiken aus Fliesen, Spiegeln und bunten Steinen ausgekleidet.
Im hinteren Teil der Halle trohnt eine überlebensgroße Bronzestatue von ihm, unter der er, in mehreren Metern Tiefe, begraben liegt.
Wir machen uns wieder auf den Weg zu unseren Rädern, in deren Nachbarschaft gemütlich ein paar Rinder grasen und fahren weiter zur letzten Station. Auf dem Weg erhaschen wir noch einen schönen Ausblick auf den Hang mit dem Kaisergrab.
Minh Mang
Der Weg zum Grab von Minh Mang ist ganz schön weit. Hierfür müssen wir auch mit unseren Drahteseln über eine Autobahnbrücke radeln. Hoffentlich lohnt sich das! Bereits einige hundert Meter vor unserem eigentlichen Ziel winkt uns wieder ein freundlicher vietnamesischer Restaurantbesitzer zu sich und bietet uns einen Fahrradparkplatz und einen Schleichweg zum Grab und würde es im Gegenzug gerne sehen, wenn wir hinterher bei ihm etwas trinken oder essen. Guter Deal. Machen wir. Unsere Fahrräder sind die Einzigen vor seiner Holzhütte und er drückt uns eine Nummernplakette mit der Nummer “159” in die Hand. Damit er hinterher weiß, welche Fahrräder unsere sind. Ok.
Wir nehmen seinen Schleichweg zum Grab und sind tatsächlich 4 Minuten später auf dem Gelände der Grabstätte von Minh Mang. Wie schon bei Tu Duc dominiert zunächst erstmal ein großer See unser Blickfeld. Dieser scheint aber deutlich größer zu sein als der bei Tu Duc und zudem natürlicher.
Die gesamte Grabstätte ist insgesamt sehr weitläufig. Große Terassen und viele Torbögen muss man durchschreiten und auch an den obligatorischen Stein-Mandarin-Figuren im Hof vorbei, bis man sich seinem Grab nähert. Man fragt sich unweigerlich wofür der ganze Platz mal gedacht war.
Während wir mitten auf dem Gelände stehen, fängt es an zu regnen. Aber wir sind ja gut vorbereitet und haben Regenjacken dabei. Solange das hier auf dem Gelände regnerisch ist, macht uns das ja nichts, Hauptsache die Rückfahrt bleibt gleich trocken.
Nach einem letzten Tempel, in dem wir einen Regenschauer verweilen, sieht man bereits die Insel, die das Grab von Minh Mang beheimatet und die Brücke hinüber. Hier ist es jedoch so, dass man zwar auf die Insel, jedoch nicht direkt bis zum Grab kommt. Wir bleiben also vor einer verschlossenen Tür stehen.
Selbst wenn man näher ran käme, wäre man noch immer sehr weit vom eigentlichen Grab entfernt, denn Minh Mang ist in einem unterirdischen Palast im Untergrund der Insel begraben und die Eingänge zu diesem unterirdischen Palast wurden alle verschüttet. Wie spannend! Wir schlendern bei inzwischen wieder regenlosem Wetter noch einmal am See entlang und begeben uns dann auf den Rückweg zu unseren Fahrrädern.
Dort machen wir dann auch, sehr zur Freude unseres Fahrrad-Wächters, einen Getränkestopp und planen unsere Rückfahrt. Während wir also unsere Fanta trinken und auf dem doch sehr rudimentären Kartenmaterial unsere Fahrradroute planen, springt mir doch tatsächlich die sehr zerrupfte Katze des Besitzers auf den Schoß. Argh! Ich bin niedlichen Tieren ja echt nicht abgeneigt, aber wenn sie arg zerrupft aussehen, immer am rumstreunen sind und ich meine Tollwutimpfung nicht aufgefrischt habe, ist mir das doch sehr unangenehm! Also schnell weg hier und durch den vietnamesischen Verkehr zurück nach Hue!
Abends essen wir noch eine Kleinigkeit im Restaurant unseres Hotels und fallen dann kaputt ins Bett, der Tag war dann doch ganz schön anstrengend!


