Eine Stunde Flug ist es nur von Phuket nach Bangkok und auch der Weg zu unserem Hotel ist angenehm kurz. Wir bleiben wieder in der Nähe der Sukhumvit-Straße. Da ist es zwar touristisch, aber man findet alles was man braucht und ist mit der Skytrain gut angebunden. Und so dauert es nicht lange, bis wir die Vorzüge der Großstadt genießen, die uns auf den Inseln ein wenig gefehlt haben.
Den ersten vollen Tag verbringen wir direkt mal beim Shoppen und Bummeln. Wir haben uns den gesamten Urlaub ein wenig zurückgehalten, da wir alles ja immer mit uns hätten rumschleppen müssen. Jetzt, auf unserer letzten Station, können wir uns ein paar Kleinigkeiten mitnehmen, die noch in den Rucksack passen. Am liebsten shoppen wir in Bangkok im MBK-Shoppingcenter. Das MBK sieht von außen aus wie eine von den vielen Shopping-Malls in Bangkok, besteht im Inneren jedoch aus gefühlt einer Milliarde kleiner Shops und Stände. Hier wird von Klamotten über Kosmetik bis hin zu Elektronik alles verkauft, was man sich denken kann.
Ich kaufe hier beispielsweise immer meine T-Shirts, die zwar alle gefälscht sind, aber dennoch eine nette Stoffqualität haben und garnicht mal so viel kosten wie zuhause. Was da vorne dann für ein Logo drauf ist, ist mir im Endeffekt auch egal. Conny gönnt sich hingegen ein bisschen Kosmetik und nach erfolgreichem Shoppen machen wir uns am Nachmittag auch wieder auf den Heimweg, um noch die Abendsonne auf dem Dach unseres Hotels zu genießen. Auf dem Dach befinden sich nämlich eine Bar und ein Pool. Der Pool ist leider nichts für mich und meine Schürfwunden, aber die Bar nehmen wir doch gerne mit.
Abends gehen wir noch auf die Suche nach einem guten Schneider, der mir eine Tweed-Weste schneidern kann. Ich trage für die Arbeit aktuell keine Anzüge, sondern stets nur Hemd und Chino und da finde ich eine Tweed-Weste irgendwie nett als modische Variation. Wir finden jedenfalls schnell einen guten Schneider, der mir meine Weste in 3 Tagen anfertigen kann. Es ist allerdings erst der zweite Schneider mit dem wir sprechen, der es mir zusichern kann, bis zu unserer Abfahrt fertig zu werden. Der erste war so ausgebucht, dass er bis zu unserer Abfahrt gerade mal ein Ausmessung-Termin einrichten hätte können.
Den zweiten und letzten vollen Tag, den wir zur Verfügung haben, wollen wir dazu nutzen, einen Tagesausflug nach Ayutthaya zu unternehmen. Ayutthaya ist, ähnlich wie My Son in Vietnam oder Angkor Wat in Kambodscha eine Ruinenstadt mit Tempeln und Palästen eines früheren Königreichs. Es liegt nur eine gute Stunde mit dem Zug von Bangkok entfernt und so machen wir uns morgens auf dem Weg zu Bahnhof, um einen der häufig verkehrenden Züge nach Ayutthaya zu besteigen.
Am Bahnhof stellen wir fest, dass es ein extra “Ticket Office for Foreigners” gibt, also für Touristen. Dort sprechen die Mitarbeiter englisch und innerhalb weniger Sekunden haben wir zwei 3rd-Class-Tickets nach Ayutthaya in der Hand. Kostenpunkt: umgerechnet ca. 75 ct. pro Ticket.
Die dritte Klasse ist garnicht mal unangenehm für kurze Distanzen. Ventilatoren an der Decke, offene Fenster und Holzbänke sind meines erachtens nicht die schlimmste Art zu reisen. Der Zug ist auch relativ voll und viele Mitreisende scheinen das selbe Ziel zu haben wie wir. Die Reise dauert statt max 1,5 Std. dann für uns auch fast 3 Stunden, da der Zug immer wieder anhalten muss. Da hatten wir bereits drüber gelesen und sind somit nicht verwundert. Wir haben es ja nicht eilig.
Etwas später als geplant, kommen wir dann in Ayutthaya an und organisieren uns direkt mal zwei Fahrräder. Die gibt es direkt gegenüber vom Bahnhof und in zwei Varianten. Einmal nur ein altes Fahrrad für den Tag und einmal ein Mountainbike mit Versicherung und Roadside-Assistance und allem drum und dran, Wir entscheiden uns für die schlichte Variante und radeln los. Den ersten Tempel erreichen wir nach etwa 15 Minuten Radfahren.
Ayutthaya war zu seiner Blütezeit wohl ein faszinierender Ort, der für Reisende beeindruckend gewesen sein muss. Einen Teil seiner Strahlkraft kann man der Stadt heute noch ansehen. Ayutthaya war außerdem Heimat für verschiedenste Bevölkerunggruppen unterschiedlicher Herkunft und Religion und konnte nur durch Toleranz und Diplomatie so lange ein Machtzentrum bleiben.
Viel steht von den Gebäuden der damaligen Zeit zwar leider nicht mehr, es wird aber aktuell wohl viel restauriert und wiederaufgebaut. Ein Modell in einer Vitrine zeigte beispielsweise den ursprünglichen Zustand von dem vielleicht noch 10% zu sehen waren an der Stelle an der wir uns befanden. Oftmals auch nur Grundmauern.
Alles was die Jahrhunderte überlebt hat, kämpft gegen die Witterung und gegen Touristen, die überall draufklettern und damit oftmals mehr kaputt machen als sie denken.
Wir schlendern über die Areale der Haupttempel und des ehemaligen Palastes, die praktischerweise direkt nebeneinander waren. Gerade die drei Haupttempel sind gut restauriert und beeindruckend.
Wir schwingen uns anschließend auf unsere Räder und radeln weiter zum nächsten Tempel. Insgesamt sind hier bestimmt 20 Orte, die man sich anschauen kann, aber so viel Zeit haben wir nicht. Wir schauen uns heute nur drei Orte an und nun nach dem ersten brauchten wir erstmal ein kleines Mittagessen.
Wir setzen uns in einen kleinen Laden an der Straße, der wohl eigentlich nicht so richtig auf Touristen abzielt. Conny hatte ein paar Nudeln, ich nur eine Cola. Laut ihrer Aussage aber mit die besten Nudeln auf der Reise. Was das genau für Nudeln waren wissen wir aber auch nicht. ![]()
Weiter geht es zum zweiten Tempel, bei dem unglaublich viele enthauptete Buddha-Statuen zu besichtigen waren. Es gibt hier wohl auch einen Tempel, an dem die Statuen noch vollständig sind, aber der ist wohl weiter weg. Einige Köpfe sind auf dem Areal noch zu finden, zu welchen Körpern sie gehören, könnten wir aber nicht feststellen. Schön an diesem Tempel ist, dass wir fast alleine hier sind. Es ist zwar schon ein kleinerer Tempel, jedoch recht gut erhalten. Wir können uns garnicht so recht erklären, warum dieser für die anderen Touristen nicht so spannend ist.
Der dritte und letzte Tempel auf unserer Agenda ist dann auch der mit Abstand touristischste und somit ein Kontrast zu dem davor. Dieser ist vor allem so beliebt, weil hier wohl bei der Plünderung ein Buddhakopf neben einem Baum fallen gelassen wurde und sich der Baum im Laufe der Jahre um den Buddhakopf herum verwachsen hat. Zugegeben ein schönes Bild.
Das Areal bietet aber viel mehr, auch hier sind einige große Hallen und Tempel erhalten, durch die man schreiten kann und sich vorstellen kann, wie das Ganze wohl früher ausgesehen haben mag. Es ist inzwischen früher Nachmittag und die Sonne knallt uns ganz schön auf den Kopf. Wir beschließen, zurück zum Bahnhof zu fahren und uns einen Zug nach Bangkok zu suchen.
Auf dem Weg zurück zum Bahnhof müssen wir einen Fluss überqueren. Auf dem Hinweg haben wir das mit einer Brücke getan, auf dem Rückweg nehmen wir eine Fähre, die uns wieder ein typisches Thai-Erlebnis bescherte. Als wir mit den Fahrrädern ankamen, winkte uns der Kapitän bereits zu sich hin. Wir wären sonst nicht auf die Idee gekommen, mit unseren Fahrrädern auf die doch sehr kleine Fähre zu gehen. Kurz vor Abfahrt sprang noch eine ganze Menge Schulkinder in letzter Sekunde auf die Fähre, die dann auch in unter einer Minute am Gegenüberliegenden Ufer ankam. Alle kamen fix von Bord, so auch wir. Zahlen musste man dann an einem Stand eine Straße weiter. Man ist doch immer wieder überrascht, wie das hier alles ohne Schilder und feste Regeln funktioniert. Wir finden’s cool!
Eine 2nd-Class-Zugfahrt später sind wir wieder in Bangkok. Ich kaufe mir dort an einem Straßenstand noch fix ein Poloshirt, denn mein weißes Hemd hat fiese gelbe Spuren von den Sitzen im Zug abbekommen. Dann holen wir meine fertige Weste vom Schneider ab und suchen uns noch ein nettes Restaurant für unser letztes Abendessen in Thailand.
Bei Live-Musik und schummrigem Licht essen wir noch einmal richtig lecker Thaifood und freuen uns auch wieder ein bisschen auf zuhause. Morgen gegen Mittag geht unser Flug nach Dubai und von dort weiter nach Frankfurt.


