Wer sind wir eigentlich!? Wir sind beide um die 30 und kommen gebürtig aus Paderborn. Gewohnt haben wir die letzten Jahre in Darmstadt und Frankfurt, aktuell sind wir Kölner! Im Jahr 2013 hat uns die Reiselust gepackt und seitdem nicht mehr losgelassen.
Nach 3 Nächten im Riad, zieht es uns vor die Tore von Marrakesch. In der Oase “Palmeraie” sind etwa 15 Minuten von der City diverse Hotelanlagen, die als Abwechslung zum Städtetrip mit Ablenkung und Erholung locken. Wir hatten unseren Kurzurlaub so geplant, dass wir nach den ersten Tagen in der Stadt noch ein wenig erholen im Iberostar Club Palmeraie Marrakech.
Bereits beim Eintritt in die Lobby, wird uns klar, dass wir die richtige Wahl getroffen haben. Wir werden mit einem Fruchtsaft begrüßt und nehmen auf einer Couch platz. So fühlt sich also Erholung an. Nach wenigen Minuten sind wir eingecheckt, haben unsere Zimmerschlüssel und bereits den ersten Massagetermin im Hoteleigenen Hammam gebucht.
Diesen und auch den nächsten Tag verbringen wir damit, im Sonnenschein durch die Gartenanlage des Hotels zu schlendern, uns hier oder dort hinzusetzen und zu lesen oder etwas zu trinken. Wir sind ja eigentlich keine großen Fans der All-Inclusive-Bändchenurlaube, aber ohne ständig Geld dabei zu haben, überall etwas zu Essen oder zu Trinken zu bekommen, ist schon nett.
Wir können uns sogar dazu aufraffen, ein wenig Tischtennis zu spielen. Die offiziellen Programmpunkte der Animateure nehmen wir aber nicht mit, da sie oftmals garnicht stattfinden oder nur für Kinder sind. Es ist halt Off-Season, da muss man mit rechnen. Auch das Wasser im Swimmingpool ist noch ein wenig kühl zum Schwimmen. Es gibt auch ein beheiztes Becken, was von der Temperatur machbar ist, aber eine erfrischende Abkühlung brauchen wir bei etwa 20 Grad Außentemperatur dann doch noch nicht.
Apropos Off-Season: Das Hotel scheint auch nicht einmal ansatzweise ausgebucht zu sein. Überall wo man hinkommt, findet man einen ruhigen Platz. Auch in den Cafés, Bistros und am Buffet kommt es nirgends zu Gedrängel. Vielleicht sollte man häufiger Off-Season Urlaub machen.
Lediglich auf zwei Situationen hätten wir durchaus verzichten können. Die Erste: Am ersten Abend am Buffet wurde von den Animateuren direkt vor unserem Tisch “YMCA” aufgeführt, das war dann etwas too much. Die Zweite: An einem Abend darf man als All-Inclu-Gast umsonst in das Marokkanische Restaurant. Nachdem wir die ganzen vergangenen Tage bereits marokkanisches Essen hatte, können wir empfehlen: Don’t do it.
Vom Hotel aus wird stündlich ein Shuttlebus in die Innenstadt angeboten und nach zwei Tagen Entspannung waren wir wieder bereit für ein bisschen Marrakesch-Rummel. Also rein in den Bus und mit dem Ausblick auf das verschneite Atlas-Gebirge in Richtung City.
Wir nutzen die paar Stunden in der Stadt, um noch einmal bei Sonnenschein durch die engen Gassen zu spazieren und pausieren in dem ein oder anderen Café und verfolgen das Treiben auf den belebten Straßen. Sogar ein Storchennest sehen wir. Für Störche ist Marrakesch übrigens auch bekannt.
Wir bummeln auch noch einmal durch die Touri-Kaufhäuser (bei denen man nicht feilschen muss) und bummeln auch noch einmal durch einen Supermarkt, bevor wir uns wieder in Richtung Shuttlebus orientieren und uns zurück in unsere Oase bringen lassen.
Die nächsten Tage verbringen wir wieder auf dem Hotelgelände, welches übrigens auch sehr hart abgeriegelt ist. Mit Wachschutz, Stacheldraht und Einlasskontrolle. Wie in den letzten Urlauben auch, schreiben wir zwar Postkarten, kommen aber nicht dazu, sie zu verschicken. Bringen wir also persönlich vorbei. Auch ein oder zwei weitere Bücher schaffen wir. Seit unseren ersten größeren Reisen, gehört der Kindle stets zu unseren Urlaubsbegleitern.
Die letzten Tage sind etwas frischer im Vergleich zu den ersten unseres Urlaubs. Ein Sprung in den Pool ist somit in weite Ferne gerückt, draußen sitzen kann man aber immernoch.
Früher oder später musste er ja kommen: Der letzte Tag. Wir würden gerne noch länger bleiben, da das Wetter in der Heimat eine dichte Wolkendecke verspricht, aber freuen uns auch ein bisschen auf zuhause. Nach dem Checkout sitzen wir noch ein wenig im Bistro und schlendern ein letztes Mal durch den Hotelgarten.
Ein letzter Blick auf den hübschen Hotelpool und dann kommt schon unser Taxi zum Flughafen. Wir haben ja keine Pauschalreise gebucht, sondern alle Teile einzeln, daher auch kein Bus zum Flughafen. Ist uns ganz recht, wir werden mit einem kleinen Minibus nur für uns zu einem vertretbaren Preis rübergefahren. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten.
Ein letzter Blick auf die nette Dachkonstruktion des relativ neuen Flughafens, bevor es zum Boarding für den Ryanair-Flieger geht.
Wir fanden Marokko und besonders Marrakesch ein tolles Reiseziel und würden jederzeit wiederkommen. Das nächste Mal dann vielleicht ein wenig wandern in den Atlas Mountains oder die Königsstädte in der Wüste besuchen? Es gibt viel zu sehen!
Heute ist unser letzter Tag in der Medina. Wir haben uns dazu entschlossen, drei Nächte in einem zentralen Riad zu bleiben und danach 4 Tage in einem großen Hotel etwas außerhalb. Damit die Entspannung auch ja nicht zu kurz kommt! Es zeigt sich jetzt, dass das eine gute Entscheidung war, denn wir haben stramme Tage hinter uns, weil wir einfach enorm neugierig auf Marrakesch waren. Bevor wir aber am Nachmittag die Unterkunft wechseln, stehen noch zwei Punkte auf unserer Liste: Der Bahia Palast und die Saadier Gräber. Beide befinden sich im Süden der Medina, unser Riad jedoch im Norden, also machen wir uns nach dem erneut netten Frühstück auf der Dachterrasse direkt auf die Socken.
Den Weg durch die Medina kennen wir ja bereits ganz gut, zumindest bis zum Djemaa el Fna. Wieder lassen wir uns durch die Souks treiben. Vorbei an vielen Läden, staubigen Straßen und Eselskarren.
Am Djema el Fna geht es weiter in Richtung Süden durch ein paar schlammige Straßen und einige weniger touristische Ecken. Aber in Marrakesch ist ja nichts wirklich weit und auch das Verlaufen fällt hier ob der allgegenwärtigen Touristen eher schwer.
Schließlich erreichen wir relativ flott den Bahia Palast. Wir zahlen einen geringen Eintrittspreis und dürfen den Palast auf eigene Faust erkunden. Eine Tour der man sich hätte anschließen können gibt es nicht, aber diverse Reiseveranstalter führen ihre Kunden durch den Palast, darunter zum Beispiel LIDL-Reisen mit einer unangenehm großen Gruppe.
Der Palast ist sehr weitläufig und was die Architektur und die vielen Mosaike angeht wunderschön und sehr sehenswert. Wir haben bestimmt eine Stunde hier verbracht, bis wir alle Räume gesehen haben. Die Räume sind dabei jedoch weitestgehend ohne Möbel, was es natürlich schwieriger macht, sich das Leben im Palast vorzustellen. Man findet dafür aber an vielen Stellen Tafeln mit Erklärungen der einzelnen Räume.
Mich hat der Palast nicht nachhaltig beeindruckt, Conny aber schon und so schlendere ich noch eine Weile hinter ihr her, bis ich mich in Richtung Ausgang begebe. Zum Einen missfallen mir große Menschenansammlungen und zum Anderen macht sich bei mir ein kleiner Hunger bemerkbar. Unweit des Palastes ist das jüdische Viertel mit Geschäften und Restaurants, wo wir uns erstmal niederlassen.
Ein jüdisches Viertel ist in einer muslimisch geprägten Region eher eine Seltenheit, aber wie uns bereits von verschiedenen Seiten erklärt wurde, praktizieren die meisten Muslime in Marokko eine sehr liberale Richtung des Islam. Nach dem Essen schlendern wir noch ein wenig an Gewürzen und Farben vorbei, bevor wir unser nächstes Ziel anpeilen: Die Saadier Gräber.
Die Saadier-Gräber sind eine Nekropole der muslimischen “Saadier”-Dynastie, welche im 16. und 17. Jahrhundert über Marokko herrschte. Das besondere ist eigentlich, dass die gesamte Anlage mit hohen Mauern eingemauert wurde, um das Andenken an die Saadier zu tilgen und anschließend über 100 Jahre in Vergessenheit geriet, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.
Heute fast unvorstellbar, dass eine solche Stätte mitten in der Stadt im Garten einer Moschee irgendwie vergessen wird. Man sieht das aber auch heute noch dort, denn der Zugang ist nicht groß und pompös, sondern lediglich ein schmaler Spalt zwischen zwei Häusern, der letztendlich in die Gärten der Nekropole führen.
Drinnen kriechen uns direkt ein paar Schildkröten entgegen, was es damit auf sich hat wissen wir auch nicht genau, es gab aber einige davon. Sehr niedlich. eine hat auch versucht zu entkommen und wurde vom Türsteher wieder zurückgebracht.
Innerhalb der Nekropole unterscheidet man die Gräber auf der Freifläche sowie das “große Mausoleum” und das “kleine Mausoleum”. Wir sind zuerst zum großen Mausoleum gegangen und waren direkt mal geflasht.
Das ganze Mausoleum ist voller Mosaike, viele helle Farben und natürlich auch entsprechend angeleuchtet. Reingehen kann man nicht, sondern man schaut nur durch einen Türbogen rein und kann den Kopf ein wenig nach links und nach rechts drehen. Vielleicht auch besser so, die Mosaike und Gräber wären nicht in so gutem Zustand, wenn ständig Leute darauf herumlaufen würden.
Aber auch die Gräber zwischen den Mausoleen und das kleine Mausoleum sind sehr kunstvoll mit Mosaiken bestückt. Wenige Meter neben dem großen steht dann auch das kleine Mausoleum. Dieses ist ebenfalls sehr hübsch, jedoch weniger weiß als das große und alleine dadurch waren wir nicht so beeindruckt. Vielleicht hätten wir mit dem kleinen anfangen sollen.
Wir schlendern noch ein letztes Mal durch die Anlage und begeben uns dann zurück auf die wuseligen Straßen Marrakeschs. Wir stellen fest, dass wir nicht weit weg sind vom “Complex D’Artisant”. Einer von zwei Orten in Marrakesch, wo man ohne zu feilschen die Dinge einkaufen kann, um die in den Souks heiß gefeilscht wird. Einmal in Ruhe Bummeln? Gerne!
Das Ganze hat den Charme eines großen Kaufhauses, ist aber voller Antiquitäten und Kunsthandwerk. Wir bummeln in aller Ruhe durch und kaufen uns schließlich einen kleinen Spiegel. Mehr passt vermutlich nicht ins Gepäck.
Zuletzt suchen wir uns ein Taxi für den Weg zum Riad, denn Laufen wollen wir jetzt nicht mehr so viel. Der Taxifahrer spricht zwar kaum englisch, ruft aber einen fairen Preis auf und fährt angenehm vorsichtig. Er gibt uns am Ende der Fahrt seine Visitenkarte, die wir gerne annehmen, denn gleich wechseln wir ja die Unterkunft und dann heißt es für uns eher Urlaub als Städtereise!
Die Nächte im Januar sind auch in Marrakech noch recht kühl und so müssen wir uns morgens immer aus diversen Bettdecken graben. Die Zimmer im Riad haben keine echte Heizung und so freuen wir uns morgens immer schon auf die ersten Sonnenstrahlen, mit denen es direkt angenehm war wird. Ich bin ja seit jeher ein großer Fan von Sonnenauf- und untergängen und so schäle ich mich morgens um 7:15 Uhr aus dem Bett und erklimme das Dach unseres Riads noch bevor die Sonne zu sehen ist.
Der Sonnenaufgang über Marrakesch ist zwar um diese Jahreszeit recht kühl aber dafür umso sehenswerter. Die Sonne geht hinter dem Atlas-Gebirge auf und taucht dann die ganze Stadt in goldenes Sonnenlicht. Marrakech heißt ja aufgrund der Gebäudefarben hier auch “die rote Stadt”, inzwischen wissen wir auch, dass die Farbe gesetzlich vorgeschrieben ist und somit wirklich jeder Bau in dieser gestrichen sein muss. Marrakesch-rot in der Morgensonne ist jedenfalls sehr beeindruckend.
Nachdem wir gestern auch noch indoor gefrühstückt haben, machen wir das heute in der Sonne auf der Dachterrasse unseres Riads. Ein toller Start in den Tag!
In Marokko ist Frühstück anscheinend schon eine wichtige Mahlzeit, anders als beispielsweise in Spanien oder Italien. Üblicherweise ist das Frühstück süß und umfasst neben dem klassischen marokkanischen Brot mit dem Namen Khoobz allerlei Konfitüren (z.B. Orange oder Feige) und Honig. Frisch gepresster Orangensaft gehört ebenso dazu wie der berühmte marokkanische Minz-Tee.
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg zu einem Supermarkt. Wir finden Supermärkte im Ausland stets spannend. Einige Produkte findet man inzwischen weltweit, aber einen lokalen Touch haben die Supermärkte dennoch überall und so finden wir eine gute halbe Stunde von unserem Riad einen Supermarkt, durch den wir erstmal durchbummeln.
Neben besonders vielen Chips-Sorten, finden wir auch besonders viel Mehl in besonders großen Mengen. Vielleicht wird in Marokko viel gebacken. Was es mit der mit “Cordon Bleu” beschrifteten Verpackung auf sich hat, wissen wir noch nicht so genau, fanden sie aber spannend. Wir greifen uns im Supermarkt eine Flasche Fanta, ein paar Chips und zwei Eis und setzen uns im nahegelegenen Park auf eine Bank in die Sonne.
Auf dem Weg zurück zum Riad gehen wir an der Stadtmauer entlang. Das ist zwar der längere Weg, aber dafür der verkehrstechnisch einfachere. Außerhalb der Medina ist der Verkehr schon heftiger. Wir kaufen noch ein frisches marokkanisches Brot als Snack und chillen dann noch ein wenig im Riad.
Pünktlich um zwei Uhr werden wir an unserem Riad abgeholt. Über Getyourguide.com haben wir uns eine “Transfer und Garten” Tour gebucht. Glücklicherweise sind wir die einzigen Teilnehmer, so dass unser junger Guide uns sehr viel erzählen und unsere Fragen beantworten kann. Der erste Stopp ist der Majorelle Garten. Den Künstler Jaques Majorelle zog es aufgrund seines Asthmas nach Marrakesch, wo er sich ein Grundstück kaufte, ein Atelier anlegte, und drumherum einen Garten mit zahlreichen Pflanzen, welche er größtenteils von seinen Reisen mitbrachte. Das besondere ist sicherlich einerseits das Farbspiel im Garten, –grün durch die Pflanzen und das durchdringende “Majorelle” Blau der Gebäude, mit nur wenigen Akzenten in knallgelb und dem typischen Marrakesch-rot.
Andererseits ist man auf der Suche nach Blumen hier falsch. Es handelt sich zu mindenstens 90% um Kakteenarten und Palmen, Gräser und Bambus. Nach Majorelles Tod verfiel der Garten, bis Yves Saint Laurent und sein Partner ihn kauften und wiederherstellten, sowie ihn der Öffentlichkeit zugänglich machten.
Heute ist er eine der größten Attraktionen Marrakeschs und so müssen wir auch bestimmt 15 Minuten anstehen, um ein Ticket erwerben zu können. Der Preis ist zwar in unserer Tour bereits enthalten, anstehen müssen wir mit unserem Guide aber trotzdem. Die Zeit nutzen wir für ein wenig Austausch zum Thema Arbeitsleben in Marokko und Deutschland. Man hat in Marokko übrigens ungefähr so viele Urlaubstage wie in Deutschland.
Wir wandeln gute 40 Minuten im Garten umher und versuchen die anwesenden Menschenmassen weitestgehend zu ignorieren. Es ist trotzdem sehr schön. Der Garten ist auch überschaubar und so schreiten wir jeden Weg einmal ab, bevor wir uns zum Ausgang begeben. Schnell wieder in unseren Bulli und ab zum nächsten Garten. Eigentlich wären es 5 Gärten auf unserer Tour gewesen, da aber einer geschlossen hatte und einer renoviert wird, waren es dann nur drei. Reicht aber auch locker. Der zweite auf unserer Strecke war der Koutoubia-Garten. Dieser liegt direkt neben der großen, gleichnamigen Koutoubia-Moschee nicht weit vom Djemaa El Fna entfernt.
Die Moschee kann man eigentlich von überall in Marrakesch gut sehen und als Orientierungspunkt nutzen. Erst wenn man daneben steht, erkennt man die Ruinen der ursprünglichen Moschee, die daneben stand. Sie wurde von einem Herrscher gebaut und von dessen Nachfolger wieder abgerissen, angeblich weil sie nicht korrekt nach Mekka ausgerichtet war. Einmal auf die andere Straßenseite gewechselt und man steht im Koutoubia-Garten.
Der Garten ist an sich recht unspektakulär, zumindest unspektakulärer als der Majorelle-Garten. Auffällig sind hauptsächlich die vielen Orangen-Bäume. Es gibt eigentlich kaum eine andere Vegetation und alle Orangenbäume hängen voll mit Früchten. Wir schlendern einmal durch den doch recht großen Park und zurück zu unserem Bulli. Wir erfahren auf Nachfrage, dass die Orangen geerntet werden dürfen, aber dass das keiner machen möchte, weil es sich nicht um süße Orangen handelt, sondern eher bittere, die nur für einige wenige Gerichte zum Kochen genommen werden. Nur wenige Meter weiter erreichen wir schon die letzte Station unseres kleinen Ausflugs, die Menara Gärten.
Als Menara wird hier wohl jedes Gebäude bezeichnet, welches ein wenig höher gelegen ist, die wörtliche Übersetzung wäre eigentlich Leuchtturm. In diesem Fall bekommt der Garten seinen Namen vom grünen Dach des Pavillions der im Menara-Garten steht. Er steht direkt an einem großen künstlichen See und ist umgeben von unzähligen Olivenbäumen, welche aus dem See bewässert werden. Während im Jardin Majorelle viele Touristen und im Koutoubia-Garten fast niemand unterwegs waren, sieht man hier fast ausschließlich Marokkaner, die im Schatten der Olivenbäume Picknicken oder auf dem breiten Weg Fußball spielen. Wir schlendern einmal über das Gelände und beschließen dann, dass wir genug Gärten für einen Tag gesehen haben. Zurück bei unserem Bulli, bitten wir die beiden Jungs, uns am Djemaa El Fna abzusetzen. Da es nicht mehr lange bis zum Sonnenuntergang dauert, wollen wir den Platz nochmal bei Dunkelheit von oben betrachten.
Das kann man natürlich nirgends besser als auf der Dachterrasse, auf der wir schon am Vortag sehr gut gesessen haben. Direkt beim ersten Blick fällt auf: Die vormals leere Fläche auf dem Platz hat sich mit vielen Streetfood-Ständen bevölkert. Wir wurden auch bereits vorgewarnt, dass dort regelrecht um Gäste gekämpft wird und man von allen Seiten zu Stand A oder Stand B gedrängt wird. Bevor wir uns in das Getümmel werfen, warten wir noch darauf, dass die Sonne untergeht.
Auf den Sonnenuntergang müssen wir nicht lange warten und starren währenddessen wie gebannt auf das Treiben auf dem Platz. Einige der Stände haben mit dem Grillen oder Kochen bereits begonnen und so steigen schon die ersten Rauchfahnen nach oben und hüllen den Platz in exotische Düfte und leichten Nebel. Begleitet wird das ganze durch das Tröten der Schlangenbeschwörer und ein stetiges Trommeln einer Gruppe von grün-bekleideten Marokkanern. Erst das Abendgebet sorgt für ein kurzes Innehalten auf dem Platz, bevor es direkt danach mit der gleichen Intensität weiter geht.
Wir warten noch das Abendgebet ab und machen noch ein letztes Foto von unserem tollen Platz aus, bevor wir nach unten gehen und uns auf die Streetfood-Stände stürzen.
Auf dem Platz angekommen, schlendern wir zwischen den Ständen her. Man wird tatsächlich fast bei jedem Stand dazu gedrängt, sich doch ja hier für sein Abendmahl niederzulassen. Einige versuchen es hartnäckiger, andere präsentieren nur ihre Speisekarte und grüßen dich in Französisch, Englisch und Deutsch. Wir schaffen die erste Reihe an Ständen ohne schwach zu werden und bleiben in der zweiten Reihe bei einem Stand hängen, der bereits einige Tajines zubereitet hat. Der nette Marokkaner mit der Speisekarte muss gar nicht viel um uns werben und bietet uns direkt einen netten Platz an seinem Stand an. Brot und Getränke warten schon auf uns und wir entscheiden uns recht flott für unser Abendessen: Bei Conny gibt es vegetarisches Couscous mit Gemüse und bei mir eine Pflaumen-Tajine mit Rindfleisch.
Es wurde vorher überall davor gewarnt, dass man auch bezahlt, was man isst und dass einem viel mehr serviert wird, als man bestellt hat und so war es auch bei uns. Noch einen Salat und ein paar Auberginen und noch ein paar Gemüsespieße und ZACK war der Tisch voll mit irgendwelchen Dingen, bevor unsere bestellten Speisen überhaupt da waren. Wie die meisten Gäste vermutlich auch, hatten wir keine Lust auf große Diskussionen und haben knallhart 80% der servierten Teller auch angeknabbert. Angesichts der Preise hier kann uns das nicht in den Ruin stürzen.
Die Jungs waren prinzipiell auch freundlich und gut drauf und auch unsere ständigen Rückfragen was wir denn da nun genau vor uns haben, haben sie nicht aus der Ruhe gebracht. Auch Fotos waren kein Problem. Die längste Zeit während unserer Anwesenheit waren wir übrigens die einzigen Nicht-Marokkaner an dem Stand. Erst gegen Ende gesellte sich ein französisches Paar zu uns.
Das Essen war übrigens sensationell! Sowohl Connys Couscous als auch meine Tajine waren frisch zubereitet und sehr lecker! Das Ganze hat uns dann in Summe 28€ gekostet und war somit etwas teurer als gedacht, aber hungrig verlässt hier auch keiner den Stand. Vielleicht hätten wir auch einfach verhandeln müssen?! Wir machen uns jedenfalls gut gesättigt auf den Heimweg durch die Souks. Auf dem Weg packt es Conny und sie steigt in die Verhandlungen für ein Tuch bei einem Händler in den Souks ein. Sie erzielt auch ein respektables Verhandlungsergebnis, leider habe ich den Prozess nicht auf Video festgehalten.
Zurück in unserem Teil der Medina kaufen wir noch eine Patisserie leer und verziehen uns mit leckeren Kuchen und Törtchen in unser Riad. Nachtisch muss schließlich sein und marokkanische Backwaren sind unschlagbar lecker! Wir sortieren noch die Fotos des Tages, schreiben noch ein paar Gedanken auf und fallen dann vor 22 Uhr ins Bett. Puh.
Um dem alljährlichen Winterblues ein wenig zu entkommen, zieht es uns Ende Januar nach Marokko, genauer gesagt nach Marrakesch. Das hatten wir schon länger vor, aber hatten bisher noch keine gute Gelegenheit. Jetzt war es soweit. Urlaubstage waren da, Reiselust war da, günstige Flüge von Weeze waren verfügbar: Also auf nach Nordafrika!
Unser Ryanair-Flug bringt uns in ca. 3,5 Stunden von Düsseldorf nach Marrakesch. Das ist dann aber auch die maximale Reisedauer, die man mit Ryanair bequem übersteht, denn nach 3 Stunden macht sich bereits das Gefühl breit, welches Sardinen in der Dose üblicherweise haben. In Marrakesch verlassen wir das Flugzeug gegen Abend bei angenehm milden Temperaturen. Im Januar ist es bisweilen noch etwas frisch morgens und abends, wird tagsüber aber durchaus über 20 Grad warm. Sehr angenehm.
Ein Fahrer von unserem Riad bringt uns in ca. 15 Minuten vom Flughafen in unser Riad in die Medina. Riads sind marokkanische “Herrenhäuser”. Die Medina ist die Altstadt von Marrakesch. Seit den 90er Jahren hat sich die Zahl der Riads vervielfacht. Viele Altbauten wurden in den letzten 25 Jahren nämlich von Europäern käuflich erworben, renoviert und zu Gästehäusern umgestaltet. Einerseits finden die Marokkaner das wohl ganz gut, dass so die Bausubstanz erhalten wird, andererseits setzt so auch eine Gentrifizierung der Altstadt ein, die allgemein recht problematisch ist. Wir bleiben im Riad Charai, welches wohl von einem Franzosen gegründet wurde.
Wir werden super-freundlich vom gesamten Personal begrüßt und ausgefragt. Ausführliches Kennenlernen und Begrüßen gehört zur marokkanischen Kultur. Anschließend schauen wir uns in unserem Zimmer und dem Riad ein wenig um und stellen fest: Wir sind in 1001 Nacht angekommen! Alles ist hochromantisch und gemütlich. Der kleine Pool im Innenhof des Riads ist mit Kerzen umringt, in der Lounge prasselt ein Kaminfeuer. Toll.
Wir hatten im Vorhinein die Wahl, ob wir am ersten Abend im Riad etwas essen möchten und entscheiden uns der Einfachheit halber am ersten Abend dafür. Es gibt direkt ein Drei-Gänge-Menü: Gemüse mit Brot als Vorspeise, eine Tajine als Hauptgang und Crepes als Nachspeise. Wir sind ja ehrlich: An den Geschmack der Lamm-Tajine müssen wir uns erst noch gewöhnen. Eine Tajine ist übrigens ein Gericht, welches im Tongefäß langsam gegart wird. Wir hatten eine mit Lamm und Erbsen und das Lamm war schon sehr zart!
Nach dem Essen fallen wir pappsatt in unser gemütliches Bett. Eine erholsame Nacht und ein reichhaltiges marokkanisches Frühstück später sind wir endlich bereit, die Stadt zu erkunden. Nicolas, unser Riad-Ansprechpartner, hat noch ein paar letzte Infos für uns, dann geht es ab ins Chaos.
Unser Riad ist im Norden der Medina, die Souks und der Hauptplatz, der Djeema El Fna, sind im Süden. Also machen wir uns direkt mal auf die Socken. Nach etwa 10 Minuten werden die eh schon engen Gassen noch enger und überdacht, es werden mehr Läden an den Straßen und mehr Leute auf den Straßen: Die Souks.
Wir packen die Stadtkarte in den Rucksack, denn navigieren bringt hier nicht so richtig viel. Stattdessen lassen wir uns durch die verwinkelten Ecken treiben. An einem Stand für Süßigkeiten kaufen wir ohne groß zu verhandeln Baklava-Ähnliche Leckereien und essen diese unterwegs. Als Dank für unseren Kauf, dürfen wir vom Verkäufer auch ein Foto machen, das wird sonst eher ungerne gesehen.
Um gefühlt 16 weitere Ecken und durch 17 weitere Markthallen, dann stehen wir auf einem kleinen Platz. Die Sonne blendet uns direkt, in den Souks ist es größtenteils ganz schön dunkel. Wir entdecken an dem Platz das bei Travel- und Lifestyle-Leuten berühmte Nomad-Café, welches völlig überlaufen ist, und entscheiden uns kurzfristig für eines der weiteren Cafés am Platz. Minztee, Fanta, einen netten Ausblick und netten Service haben eh fast alle im Angebot und so braucht man nicht lange suchen. Auch sind die meisten eher touristisch. Die Einheimischen haben anscheinend eigene Ecken zum Chillen. Wir blinzeln vom Café aus in die Sonne und beobachten eine Weile das Treiben auf dem Platz.
Nach einer Weile machen wir uns wieder auf in die Souks, welche wir durchschlendern bis wir schlussendlich erneut die Sonne sehen und plötzlich am Rande des Djeema El Fna stehen, dem größten und bekanntesten Platz Marrakeschs. Der Djeema El Fna wird auch einfach “la place” genannt und Leute geben bereits auf dem Wege durch die Souks hin und wieder die grobe Richtung an. In unserem Fall stimmte das auch immer, aber das ist natürlich keine generelle Regel. Im Zweifelsfall weisen sie eher den Weg zum Laden Ihres Schwagers als zu dem Ziel, zu dem man eigentlich möchte.
Irgendwo habe ich gelesen, der Djeema el Fna ist Marrakesch auf einen Blick. Das haben wir ein bisschen anders erlebt. Nirgendwo in Marrakesch waren die Leute so sehr hinter unserem Geld her wie hier. Spannend ist der Platz natürlich trotzdem. Wir kaufen fix eine SIM-Karte von Maroc Telecom für ein bisschen Datenvolumen und WLAN-Unabhängigkeit und setzen uns dann auf die “Grand Terasse Du Cafe Glacier”.
Das Internet sagt zwar, der Service wäre nicht so freundlich, aber wir probieren es dennoch. Der Service ist tatsächlich ein bisschen grummelig, aber da eh Selfservice herrscht, beschränkt sich die Interaktion eh auf ein Minimum. Wir schnappen uns zwei Softdrinks und setzen uns in die Sonne mit Blick auf das hektische Treiben auf dem Platz. Aus sicherer Entfernung schauen wir den Schlangenbeschwörern und Affendompteuren zu.
Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen frischgepressten Orangensaft zum Mitnehmen, wobei wir bei der Auswahl aus einem der ca. 10 bau- und angebotsgleichen Ständen niedergeschrien werden. Lecker war der Saft aber allemal.
Weiter geht es dann zu einem Kunsthandwerkszentrum, welches uns von unserem Gastgeber empfohlen wurde. Hier werden größtenteils die selben Sachen angeboten wie in den Souks, aber man kann den Herstellern beim Arbeiten teils zusehen und es gibt feste Preise. Zur Orientierung, wieviel was Wert ist, sehr hilfreich, oder wenn man wie wir einfach nicht handeln kann. Untergebracht ist das ganze in einem sehr pittoresken Gebäudekomplex mit wunderschönen Fliesenmosaiken.
Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass es Zeit für den Rückweg ist, denn nachmittags haben wir einen Termin zum Hammam. Also zurück durch die Souks, und da sich ein kleiner Hunger meldet, gibt es ein Sandwich von einem winzigen Laden mit kleiner Grillstation. Eigentlich ist es eine Art Pitabrot, das gefüllt wird mit einer Mischung aus Truthahn, Gemüse, Gewürz und Ei, welche auf dem Grill ordentlich geröstet wurde, und mit scharfer Sosse serviert wird. Die Zubereitung braucht ein bisschen, sodass wir eingeladen werden uns auf die zwei Barhocker neben den Grill zu setzen. Von dort lässt sich das Treiben in den engen Gassen der Souks wunderbar beobachten. Schließlich ist das Sandwich fertig und schmeckt sensationel. Die eigentliche Frage ist, ob wir den Laden jemals wiederfinden würden .
Wieder in unserem Riad angekommen geht es nach kurzer Verschnaufpause ins hauseigene Spa, wo wir bereits für unser Hammamritual erwartet werden. Im Grunde sitzen wir in einem angenehm temperierten Dampfbad und werden zunächst mit Arganöl eingerieben. Nach kurzer Einwirkzeit wird dieses abgewaschen und wir werden mit Massagehandschuhen ordentlich gepeelt. Nur wenn einiges an Haut runterkommt, ist es ein ordentliches Hamman, laut unserer Hammamdame. Auf die so von alten Hautschuppen befreite Haut kommt dann eine Lehmpackung, die ebenfalls einwirkt. Schließlich mit Shampoo und Duschgel saubermachen und ein noch etwas entspannen. Conny fühlt sich in der neuen Haut pudelwohl, Marcus beharrt darauf, keinen Unterschied zu merken. Entspannend war es allemal. Schnell noch aufs Dach unseres Riad, um die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs zu beobachten. Ein toller Anblick!
Nach ein wenig Erholung machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir wollen mal etwas Auswahl, aber an die Streetfood- Geschichten trauen wir uns heute noch nicht ran. Daher geht es für uns ins L’attitude 31, ca. 10 Minuten zu Fuß von uns und mit angenehmer Karte. Natürlich ein Touriladen, aber mit marrokanischem Essen, netter Innenhofatmosphere und durchaus nicht ganz günstig. Nach der eher enttäuschenden ersten Tajineerfahrung probieren wir heute Hühnchen, –einmal klassisch mit Oliven und Zitrone und einmal mit Mandeln und karamellisierten Tomaten.
Beides schmeckte exquisit und versöhnt uns mit dem Nationalgericht. Nach einem kleinen Nachtisch machen wir uns auf den Heimweg. Zugegebenermaßen schlaucht so ein Tag ganz schön.
Der zweite und direkt letzte volle Tag in Athen beginnt erneut mit Sonnenstrahlen im Gesicht. So wird man gerne geweckt. Bei blauem Himmel frühstücken wir eine Kleinigkeit und machen uns direkt auf den Weg. Nachdem wir gestern viel gelaufen sind, wollen wir den heutigen Tag fußtechnisch ein wenig lockerer angehen lassen. Unser erstes Ziel ist der Wachwechsel am Denkmal des unbekannten Soldaten am Syntagma Square. Am Syntagma Square sind wir am ersten Tag mit dem Bus vom Flughafen angekommen und auch schon ein paar mal mit der Ubahn umgestiegen.
das Denkmal des unbekannten Soldaten liegt direkt auf der anderen Straßenseite vor dem griechischen Parlament und war uns noch nicht aufgefallen. Das verwundert aber nicht, denn der Blick fällt dort natürlich zuerst auf das große Parlamentsgebäude, bevor man das kleine Denkmal davor wahrnimmt. Das Denkmal wird bewacht von zwei Soldaten in traditioneller Kleidung. Diese werden alle paar Stunden gewechselt und der Wechsel findet im Rahmen eines traditionellen Zeremoniells statt. Mit besonders ausladenden (und vermutlich besonders anstrengenden) Schritten laufen die Soldaten bestimmte Wege ab (welche durch Spuren auf dem Boden auch bereits sichtbar sind) und werden von ihren eintreffenden Vertretern offiziell abgelöst. Bei diesen wird dann auch der Sitz der Kleidung nochmal kontrolliert, bevor sie für ihre Schicht dort zurückgelassen werden. Der Wachwechsel war schon spannend zu beobachten, ist aber bei Weitem nicht so pompös und auch nicht so populär wie der in England am Buckingham-Palast zum Beispiel.
Einige Meter neben dem griechischen Parlament fahren die Hop-on-Hop-off-Touri-Busse ab. Da wir ja unsere Beine ein wenig schonen wollen heute, erstehen wir nach kurzer Verhandlung ein Ticket für 24 Stunden und mehrere mögliche Linien und schwingen uns in den Bus. Wir fahren durch die belebten Straßen Athens und sehen alles zwischen moderner Stadt und antiken Ruinen. Immer mal wieder sieht man auch die Akropolis am Ende einer Straße. Während wir so fahren, bemerken wir, dass Athen deutlich weniger hektisch und chaotisch ist als Rom oder Paris zum Beispiel. Ist aber natürlich auch viel kleiner, nämlich nur etwa um die 700.000 Einwohner.
Unser erstes Ziel ist die griechische Agora. Agora ist ja sowas wie ein Marktplatz und davon gibt es zwei in Athen. Einmal die griechische oder auch antike Agora und einmal die römische Agora. An der römischen waren wir bereits am Vortag vorbeigekommen, also steht heute die griechische auf dem Plan. Die griechische erstreckt sich auch über ein relativ großes Gelände mitten in der Stadt, dass man nach der Zahlung von einem kleinen Eintrittsgeld selber erkunden darf. Als erstes fällt einem hier die Stoa des Attalos auf. Eine Stoa ist eine Säulen- oder Wandelhalle.
Die Stoa des Attalos hat man jedenfalls in den 50er Jahren originalgetreu wieder aufgebaut und so ist sie das einzige antike Gebäude der Agora, welches keine Ruine ist. Zudem ist das Gebäude alleine schon durch seine Ausmaße beeindruckend.
Hier haben übrigens in den 00er-Jahren irgendwann die Länder der EU-Osterweiterung den Beitrittsvertrag zur EU unterschrieben. Von der Stoa aus kann man entspannt über das Gelände und durch die teils wenig erhaltenen Ruinen schlendern. Auch wenn sie teils sehr verwittert sind, kann man zu jeder Ruine im Plan nachschauen, was es für ein Gebäude gewesen ist und welchem Zweck es gedient hat.
Das berühmteste Gebäude der Agora ist der Tempel des Hephaistos. Er thront auf einer kleinen Anhöhe über den Ruinen der restlichen Agora. Er ist im Vergleich zum Rest auch noch erstaunlich gut erhalten.
Der Tempel ist etwa 500 Jahre vor Christus erbaut und aus Marmor. Soweit man das sehen kann ist er nicht nur gut erhalten sondern auch recht vollständig, sogar das Dach ist noch da. Betreten darf man ihn nicht, das ist vielleicht auch besser so.
Wir drehen eine Runde um den Tempel und schauen uns die Säulen und die Teile des Innenraumes an, die man von außen her sehen kann.
Anschließend setzen wir uns auf eine Bank neben dem Tempel und genießen die Aussicht. Von hier aus kann man nämlich die Stoa, die komplette Agora und im Hintergrund auch die Akropolis sehr gut bewundern.
Ein paar Meter weiter schwingen wir uns wieder in unseren Bus und fahren ein paar Stationen weiter. Nächster Halt: Olympieion.
Das Olympieion war einst einer der größten Tempel im antiken Griechenland. Es dauerte jedoch mehrere hundert Jahre, bis er fertiggestellt wurde. Bereits 600 Jahre v. Chr. wurden hier Bauarbeiten begonnen, jedoch erst 130 Jahre n. Chr. wurde der Tempel geweiht. Irgendwann zwischendrin wurde er durch ein Erdbeben zerstört und die Überreste stehen dort noch heute im Schatten der Akropolis.
Das waren dann genug Tempel für uns an diesem Tag und wir beschlossen, einen Bus in Richtung Küste zu besteigen und den Rest des Tages an einem der Stadtstrände Athens zu verbringen, bevor wir am nächsten Tag ja schon wieder zurück in die Heimat müssen. Athen schmiegt sich ja direkt an die Küste und so gibt es eine ganze Menge an Stränden im Süden und Süd-Westen der Stadt. Wir orientieren uns mit unserem Bus in Richtung Süden
Wir entschließen uns spontan, erst an der Endhaltestelle auszusteigen und befinden uns im Stadtteil “Vouliagmeni”. Das ist ein kleiner Zipfel recht weit im Süden. Hier ist es echt beschaulich: Das Wasser ist super klar, in der kleinen Bucht fahren Bötchen und an der Strandpromenade sind ein paar Restaurants.
Ich krempele spontan die Hosenbeine hoch und gehe ein paar Meter ins Wasser. Es ist zwar noch etwas kühl, aber sorgt dafür, dass ich sofort im Urlaubsmodus bin. Herrlich! Es ist auch schon Mittag und so suchen wir uns ein nettes Restaurant. Wir sind völlig ahnungslos bezüglich der Griechischen Küche, auch nach zwei Tagen die wir bereits hier sind. Der Kellner berät uns freundlich in sensationellem Englisch und wir bestellen irgend eine besondere Form von Souflaki (was sonst?!). Es war göttlich.
Wir schleppen uns vollgefressen noch ein wenig die Promenade hoch und runter und blicken aufs Meer. So langsam wird es aber schon dunkel und wir müssen aufpassen, dass wir den letzten Bus in Richtung City nicht verpassen. Also auf zur Bushaltestelle und ab zurück nach Athen.
Es hat uns hier am Wasser aber so gut gefallen, dass wir nächstes Mal gerne ein wenig mehr in diese Richtung machen würden. Vor der Küste Athens liegen viele kleine Inselchen, die man mit Booten bereisen kann. Man könnte hier also tagelang Inselhopping betreiben. Keine so schlechte Vorstellung!
Kurz vor Sonnenuntergang sind wir wieder in der Stadt. Während sich die Hälfte von uns bereits zurück in die Wohnung verzieht, erklettert die andere Hälfte noch den Berg gegenüber der Akropolis. Das ist nicht wirklich anstrengend und klappt auch noch vor dem Sonnenuntergang. Und was sich einem bietet, ist eine sensationelle Sicht auf die Akropolis.
Auch über die Stadt Athen kann man hier bei Sonnenuntergang schauen. Eine tolle Aussicht, die wir nur mit einer Hand voll Menschen teilen. Dabei ist das doch gar kein Geheimtipp?! Wir klettern wieder hinunter, nachdem die Sonne verschwunden ist und kehren noch zu einem letzten Ouzo ein, den hatten wir bis jetzt garnicht getrunken. Wir sind jetzt auch wieder zu viert und stoßen noch einmal auf einen tollen Wochenendtrip an.
Am nächsten Morgen geht unser Flieger zurück in die Heimat! Auf Wiedersehen, Griechenland! Das war nicht unser letzter Besuch!
Wer sind wir eigentlich!? Wir sind beide noch jünger als 30 und kommen gebürtig aus Paderborn. Gewohnt haben wir die letzten Jahre in Darmstadt. Und jetzt heißt es: Schluß mit Alltag. Conny ist gerade fertig mit ihrem Studium, Köthi hat bereits ein paar Jahre im Job hinter sich. Ab Oktober 2013 geht es für 9 Monate um die Welt!