Heute ist unser letzter Tag in der Medina. Wir haben uns dazu entschlossen, drei Nächte in einem zentralen Riad zu bleiben und danach 4 Tage in einem großen Hotel etwas außerhalb. Damit die Entspannung auch ja nicht zu kurz kommt! Es zeigt sich jetzt, dass das eine gute Entscheidung war, denn wir haben stramme Tage hinter uns, weil wir einfach enorm neugierig auf Marrakesch waren. Bevor wir aber am Nachmittag die Unterkunft wechseln, stehen noch zwei Punkte auf unserer Liste: Der Bahia Palast und die Saadier Gräber. Beide befinden sich im Süden der Medina, unser Riad jedoch im Norden, also machen wir uns nach dem erneut netten Frühstück auf der Dachterrasse direkt auf die Socken.
Den Weg durch die Medina kennen wir ja bereits ganz gut, zumindest bis zum Djemaa el Fna. Wieder lassen wir uns durch die Souks treiben. Vorbei an vielen Läden, staubigen Straßen und Eselskarren.
Am Djema el Fna geht es weiter in Richtung Süden durch ein paar schlammige Straßen und einige weniger touristische Ecken. Aber in Marrakesch ist ja nichts wirklich weit und auch das Verlaufen fällt hier ob der allgegenwärtigen Touristen eher schwer.
Schließlich erreichen wir relativ flott den Bahia Palast. Wir zahlen einen geringen Eintrittspreis und dürfen den Palast auf eigene Faust erkunden. Eine Tour der man sich hätte anschließen können gibt es nicht, aber diverse Reiseveranstalter führen ihre Kunden durch den Palast, darunter zum Beispiel LIDL-Reisen mit einer unangenehm großen Gruppe.
Der Palast ist sehr weitläufig und was die Architektur und die vielen Mosaike angeht wunderschön und sehr sehenswert. Wir haben bestimmt eine Stunde hier verbracht, bis wir alle Räume gesehen haben. Die Räume sind dabei jedoch weitestgehend ohne Möbel, was es natürlich schwieriger macht, sich das Leben im Palast vorzustellen. Man findet dafür aber an vielen Stellen Tafeln mit Erklärungen der einzelnen Räume.
Mich hat der Palast nicht nachhaltig beeindruckt, Conny aber schon und so schlendere ich noch eine Weile hinter ihr her, bis ich mich in Richtung Ausgang begebe. Zum Einen missfallen mir große Menschenansammlungen und zum Anderen macht sich bei mir ein kleiner Hunger bemerkbar. Unweit des Palastes ist das jüdische Viertel mit Geschäften und Restaurants, wo wir uns erstmal niederlassen.
Ein jüdisches Viertel ist in einer muslimisch geprägten Region eher eine Seltenheit, aber wie uns bereits von verschiedenen Seiten erklärt wurde, praktizieren die meisten Muslime in Marokko eine sehr liberale Richtung des Islam. Nach dem Essen schlendern wir noch ein wenig an Gewürzen und Farben vorbei, bevor wir unser nächstes Ziel anpeilen: Die Saadier Gräber.
Die Saadier-Gräber sind eine Nekropole der muslimischen “Saadier”-Dynastie, welche im 16. und 17. Jahrhundert über Marokko herrschte. Das besondere ist eigentlich, dass die gesamte Anlage mit hohen Mauern eingemauert wurde, um das Andenken an die Saadier zu tilgen und anschließend über 100 Jahre in Vergessenheit geriet, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt wurde.
Heute fast unvorstellbar, dass eine solche Stätte mitten in der Stadt im Garten einer Moschee irgendwie vergessen wird. Man sieht das aber auch heute noch dort, denn der Zugang ist nicht groß und pompös, sondern lediglich ein schmaler Spalt zwischen zwei Häusern, der letztendlich in die Gärten der Nekropole führen.
Drinnen kriechen uns direkt ein paar Schildkröten entgegen, was es damit auf sich hat wissen wir auch nicht genau, es gab aber einige davon. Sehr niedlich. eine hat auch versucht zu entkommen und wurde vom Türsteher wieder zurückgebracht.
Innerhalb der Nekropole unterscheidet man die Gräber auf der Freifläche sowie das “große Mausoleum” und das “kleine Mausoleum”. Wir sind zuerst zum großen Mausoleum gegangen und waren direkt mal geflasht.
Das ganze Mausoleum ist voller Mosaike, viele helle Farben und natürlich auch entsprechend angeleuchtet. Reingehen kann man nicht, sondern man schaut nur durch einen Türbogen rein und kann den Kopf ein wenig nach links und nach rechts drehen. Vielleicht auch besser so, die Mosaike und Gräber wären nicht in so gutem Zustand, wenn ständig Leute darauf herumlaufen würden.
Aber auch die Gräber zwischen den Mausoleen und das kleine Mausoleum sind sehr kunstvoll mit Mosaiken bestückt. Wenige Meter neben dem großen steht dann auch das kleine Mausoleum. Dieses ist ebenfalls sehr hübsch, jedoch weniger weiß als das große und alleine dadurch waren wir nicht so beeindruckt. Vielleicht hätten wir mit dem kleinen anfangen sollen. ![]()
Wir schlendern noch ein letztes Mal durch die Anlage und begeben uns dann zurück auf die wuseligen Straßen Marrakeschs. Wir stellen fest, dass wir nicht weit weg sind vom “Complex D’Artisant”. Einer von zwei Orten in Marrakesch, wo man ohne zu feilschen die Dinge einkaufen kann, um die in den Souks heiß gefeilscht wird. Einmal in Ruhe Bummeln? Gerne!
Das Ganze hat den Charme eines großen Kaufhauses, ist aber voller Antiquitäten und Kunsthandwerk. Wir bummeln in aller Ruhe durch und kaufen uns schließlich einen kleinen Spiegel. Mehr passt vermutlich nicht ins Gepäck.
Zuletzt suchen wir uns ein Taxi für den Weg zum Riad, denn Laufen wollen wir jetzt nicht mehr so viel. Der Taxifahrer spricht zwar kaum englisch, ruft aber einen fairen Preis auf und fährt angenehm vorsichtig. Er gibt uns am Ende der Fahrt seine Visitenkarte, die wir gerne annehmen, denn gleich wechseln wir ja die Unterkunft und dann heißt es für uns eher Urlaub als Städtereise!



