Um dem alljährlichen Winterblues ein wenig zu entkommen, zieht es uns Ende Januar nach Marokko, genauer gesagt nach Marrakesch. Das hatten wir schon länger vor, aber hatten bisher noch keine gute Gelegenheit. Jetzt war es soweit. Urlaubstage waren da, Reiselust war da, günstige Flüge von Weeze waren verfügbar: Also auf nach Nordafrika!
Unser Ryanair-Flug bringt uns in ca. 3,5 Stunden von Düsseldorf nach Marrakesch. Das ist dann aber auch die maximale Reisedauer, die man mit Ryanair bequem übersteht, denn nach 3 Stunden macht sich bereits das Gefühl breit, welches Sardinen in der Dose üblicherweise haben. In Marrakesch verlassen wir das Flugzeug gegen Abend bei angenehm milden Temperaturen. Im Januar ist es bisweilen noch etwas frisch morgens und abends, wird tagsüber aber durchaus über 20 Grad warm. Sehr angenehm.
Ein Fahrer von unserem Riad bringt uns in ca. 15 Minuten vom Flughafen in unser Riad in die Medina. Riads sind marokkanische “Herrenhäuser”. Die Medina ist die Altstadt von Marrakesch. Seit den 90er Jahren hat sich die Zahl der Riads vervielfacht. Viele Altbauten wurden in den letzten 25 Jahren nämlich von Europäern käuflich erworben, renoviert und zu Gästehäusern umgestaltet. Einerseits finden die Marokkaner das wohl ganz gut, dass so die Bausubstanz erhalten wird, andererseits setzt so auch eine Gentrifizierung der Altstadt ein, die allgemein recht problematisch ist. Wir bleiben im Riad Charai, welches wohl von einem Franzosen gegründet wurde.
Wir werden super-freundlich vom gesamten Personal begrüßt und ausgefragt. Ausführliches Kennenlernen und Begrüßen gehört zur marokkanischen Kultur. Anschließend schauen wir uns in unserem Zimmer und dem Riad ein wenig um und stellen fest: Wir sind in 1001 Nacht angekommen! Alles ist hochromantisch und gemütlich. Der kleine Pool im Innenhof des Riads ist mit Kerzen umringt, in der Lounge prasselt ein Kaminfeuer. Toll.
Wir hatten im Vorhinein die Wahl, ob wir am ersten Abend im Riad etwas essen möchten und entscheiden uns der Einfachheit halber am ersten Abend dafür. Es gibt direkt ein Drei-Gänge-Menü: Gemüse mit Brot als Vorspeise, eine Tajine als Hauptgang und Crepes als Nachspeise. Wir sind ja ehrlich: An den Geschmack der Lamm-Tajine müssen wir uns erst noch gewöhnen. Eine Tajine ist übrigens ein Gericht, welches im Tongefäß langsam gegart wird. Wir hatten eine mit Lamm und Erbsen und das Lamm war schon sehr zart!
Nach dem Essen fallen wir pappsatt in unser gemütliches Bett. Eine erholsame Nacht und ein reichhaltiges marokkanisches Frühstück später sind wir endlich bereit, die Stadt zu erkunden. Nicolas, unser Riad-Ansprechpartner, hat noch ein paar letzte Infos für uns, dann geht es ab ins Chaos.
Unser Riad ist im Norden der Medina, die Souks und der Hauptplatz, der Djeema El Fna, sind im Süden. Also machen wir uns direkt mal auf die Socken. Nach etwa 10 Minuten werden die eh schon engen Gassen noch enger und überdacht, es werden mehr Läden an den Straßen und mehr Leute auf den Straßen: Die Souks.
Wir packen die Stadtkarte in den Rucksack, denn navigieren bringt hier nicht so richtig viel. Stattdessen lassen wir uns durch die verwinkelten Ecken treiben. An einem Stand für Süßigkeiten kaufen wir ohne groß zu verhandeln Baklava-Ähnliche Leckereien und essen diese unterwegs. Als Dank für unseren Kauf, dürfen wir vom Verkäufer auch ein Foto machen, das wird sonst eher ungerne gesehen.
Um gefühlt 16 weitere Ecken und durch 17 weitere Markthallen, dann stehen wir auf einem kleinen Platz. Die Sonne blendet uns direkt, in den Souks ist es größtenteils ganz schön dunkel. Wir entdecken an dem Platz das bei Travel- und Lifestyle-Leuten berühmte Nomad-Café, welches völlig überlaufen ist, und entscheiden uns kurzfristig für eines der weiteren Cafés am Platz. Minztee, Fanta, einen netten Ausblick und netten Service haben eh fast alle im Angebot und so braucht man nicht lange suchen. Auch sind die meisten eher touristisch. Die Einheimischen haben anscheinend eigene Ecken zum Chillen. Wir blinzeln vom Café aus in die Sonne und beobachten eine Weile das Treiben auf dem Platz.
Nach einer Weile machen wir uns wieder auf in die Souks, welche wir durchschlendern bis wir schlussendlich erneut die Sonne sehen und plötzlich am Rande des Djeema El Fna stehen, dem größten und bekanntesten Platz Marrakeschs. Der Djeema El Fna wird auch einfach “la place” genannt und Leute geben bereits auf dem Wege durch die Souks hin und wieder die grobe Richtung an. In unserem Fall stimmte das auch immer, aber das ist natürlich keine generelle Regel. Im Zweifelsfall weisen sie eher den Weg zum Laden Ihres Schwagers als zu dem Ziel, zu dem man eigentlich möchte.
Irgendwo habe ich gelesen, der Djeema el Fna ist Marrakesch auf einen Blick. Das haben wir ein bisschen anders erlebt. Nirgendwo in Marrakesch waren die Leute so sehr hinter unserem Geld her wie hier. Spannend ist der Platz natürlich trotzdem. Wir kaufen fix eine SIM-Karte von Maroc Telecom für ein bisschen Datenvolumen und WLAN-Unabhängigkeit und setzen uns dann auf die “Grand Terasse Du Cafe Glacier”.
Das Internet sagt zwar, der Service wäre nicht so freundlich, aber wir probieren es dennoch. Der Service ist tatsächlich ein bisschen grummelig, aber da eh Selfservice herrscht, beschränkt sich die Interaktion eh auf ein Minimum. Wir schnappen uns zwei Softdrinks und setzen uns in die Sonne mit Blick auf das hektische Treiben auf dem Platz. Aus sicherer Entfernung schauen wir den Schlangenbeschwörern und Affendompteuren zu.
Zum Abschluss gönnen wir uns noch einen frischgepressten Orangensaft zum Mitnehmen, wobei wir bei der Auswahl aus einem der ca. 10 bau- und angebotsgleichen Ständen niedergeschrien werden. Lecker war der Saft aber allemal.
Weiter geht es dann zu einem Kunsthandwerkszentrum, welches uns von unserem Gastgeber empfohlen wurde. Hier werden größtenteils die selben Sachen angeboten wie in den Souks, aber man kann den Herstellern beim Arbeiten teils zusehen und es gibt feste Preise. Zur Orientierung, wieviel was Wert ist, sehr hilfreich, oder wenn man wie wir einfach nicht handeln kann. Untergebracht ist das ganze in einem sehr pittoresken Gebäudekomplex mit wunderschönen Fliesenmosaiken.
Ein Blick auf die Uhr sagt uns, dass es Zeit für den Rückweg ist, denn nachmittags haben wir einen Termin zum Hammam. Also zurück durch die Souks, und da sich ein kleiner Hunger meldet, gibt es ein Sandwich von einem winzigen Laden mit kleiner Grillstation. Eigentlich ist es eine Art Pitabrot, das gefüllt wird mit einer Mischung aus Truthahn, Gemüse, Gewürz und Ei, welche auf dem Grill ordentlich geröstet wurde, und mit scharfer Sosse serviert wird. Die Zubereitung braucht ein bisschen, sodass wir eingeladen werden uns auf die zwei Barhocker neben den Grill zu setzen. Von dort lässt sich das Treiben in den engen Gassen der Souks wunderbar beobachten. Schließlich ist das Sandwich fertig und schmeckt sensationel. Die eigentliche Frage ist, ob wir den Laden jemals wiederfinden würden
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Wieder in unserem Riad angekommen geht es nach kurzer Verschnaufpause ins hauseigene Spa, wo wir bereits für unser Hammamritual erwartet werden. Im Grunde sitzen wir in einem angenehm temperierten Dampfbad und werden zunächst mit Arganöl eingerieben. Nach kurzer Einwirkzeit wird dieses abgewaschen und wir werden mit Massagehandschuhen ordentlich gepeelt. Nur wenn einiges an Haut runterkommt, ist es ein ordentliches Hamman, laut unserer Hammamdame. Auf die so von alten Hautschuppen befreite Haut kommt dann eine Lehmpackung, die ebenfalls einwirkt. Schließlich mit Shampoo und Duschgel saubermachen und ein noch etwas entspannen. Conny fühlt sich in der neuen Haut pudelwohl, Marcus beharrt darauf, keinen Unterschied zu merken. Entspannend war es allemal. Schnell noch aufs Dach unseres Riad, um die letzten Strahlen des Sonnenuntergangs zu beobachten. Ein toller Anblick!
Nach ein wenig Erholung machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Wir wollen mal etwas Auswahl, aber an die Streetfood- Geschichten trauen wir uns heute noch nicht ran. Daher geht es für uns ins L’attitude 31, ca. 10 Minuten zu Fuß von uns und mit angenehmer Karte. Natürlich ein Touriladen, aber mit marrokanischem Essen, netter Innenhofatmosphere und durchaus nicht ganz günstig. Nach der eher enttäuschenden ersten Tajineerfahrung probieren wir heute Hühnchen, –einmal klassisch mit Oliven und Zitrone und einmal mit Mandeln und karamellisierten Tomaten.
Beides schmeckte exquisit und versöhnt uns mit dem Nationalgericht. Nach einem kleinen Nachtisch machen wir uns auf den Heimweg. Zugegebenermaßen schlaucht so ein Tag ganz schön.



Sehr schöner Bericht über meine Lieblingsstadt ❤ Ihr seit im Café des épices gelandet. Dort sitze ich auch gerne, allerdings oben auf der Dachterrasse.
Schöne Grüße vom Bodensee
Julia
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Danke! Marrakesch gefällt uns super bislang! Nur das Feilschen müssen wir noch lernen 🙂
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