Nachdem wir am ersten Tag direkt das Kolusseum und das Forum Romanum auf dem Programm hatten, waren wir Abends ganz schön kaputt und haben auch geschlafen wie Steine. Dementsprechend spät startet unser zweiter Tag in Rom. Unser Zimmer in einer kleinen Pension nahe des Campo di Fiori ist “inkl. Frühstück”, das heißt in diesem Fall aber nur, dass ein bisschen Brot im Schrank und ein paar passende Frühstücks-Dinge im Kühlschrank zu finden sind. Wir klappen einen kleinen Tisch von der Wand und genießen das kleine Frühstück, bevor wir uns ins Getümmel stürzen.
Von Getümmel kann in Rom morgens allerdings noch nicht die Rede sein. Wir waren für römer Verhältnisse wohl recht früh auf den Beinen, ich glaube es war ca. 10 Uhr. Die sonst so hektischen Straßen waren zu der Zeit also noch überschaubar voll. Unser erstes Ziel ist heute der Vatikan. Das ist vom Campo di Fiori zwar auch fußläufisch zu erreichen, wir entscheiden uns aber zu einer Busfahrt. Über einige Irrungen und Wirrungen erreichen wir so auch die andere Seite des Tiber, der die Stadt teilt. Der Vatikan liegt auf der einen, der Großteil der Altstadt, Kolosseum und Forum Romanum auf der anderen Seite.
Als wir aus dem Bus steigen sehen wir als erstes die Engelsburg (Castel Sant’ Angelo) und die zugehörige Engelsbrücke (Ponte Sant’ Angelo). Um die Engelsburg von innen zu bestaunen fehlte uns leider die Zeit, aber auch von außen ist sie schon sehr sehenswert und sehr markant. Eine runde Burg sieht man ja auch nicht alle Tage. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung zum Petersdom. Auf diesen laufen wir über eine breite Straße ohne Kfz-Verkehr zu. Je näher wir kommen, desto größer wird der Dom.
Wir haben uns zunächst einmal über die Internetseite des Vatikans (http://www.vatican.va/roman_curia/institutions_connected/uffscavi/documents/rc_ic_uffscavi_doc_gen-information_20090216_ge.html) einen Besuch des Petrusgrabes unter der vatikanischen Basilika angemeldet und begeben uns vor dem Besuch des eigentlichen Doms zu einem Seiteneingang. Dort werden wir mit 4 anderen Personen in Empfang genommen und dürfen – wenig Gepäck vorausgesetzt – mit einer Führerin eine schmale Treppe hinabsteigen in die “Nekropole” unterhalb des Petersdoms.
Eine Nekropole ist quasi ein Friedhof, nur dass nicht alle Toten dort unter der Erde begraben wurden, sondern es eher unterschiedlich Große und unterschiedlich gestaltete Räume gibt, die über zentrale Wege miteinander verbunden sind. Die katholische Kirche hat die Nekropole nicht komplett ausgraben lassen, sondern nur einen Teil, da die ausgegrabenen Teile schneller verwittern als jene, die noch vergraben sind. Und – so die Führerin – für einen Einblick in die Nekropole genügen die nun freigelegten Teile.
Wir befinden uns hier schon einige Meter unter dem Dom und mussten auch durch einige Schleusen. Ich vermute, dass diese nicht nur aus Sicherheitsgründen dort installiert sind, sondern auch um das Klima dort unten kontrollieren zu können. Es ist stickig und warm. Laut unserem Guide wird das Klima auf diesem Level gehalten und die Verwitterung der ausgegrabenen Artefakte zu verlangsamen.
Wir arbeiten uns immer tiefer nach unten bis wir irgendwann tatsächlich vor dem Petrusgrab stehen. Unsere Führerin erklärt uns, dass sich das Petrusgrab dort exakt unter einem sehr alten, ausgegrabenen Altar befindet, welcher wiederum exakt unter dem Hauptaltar des Petersdoms liegt. Man kann durch eine kleine Öffnung in das beleuchtete Grab hineinschauen und die in Plexiglas konservierten Gebeine des Apostels auch tatsächlich sehen. Auch wenn man die ganze Story kritisch sieht und auch kein hochgläubiger Katholik ist, kommt man nicht umhin ein wenig Gänsehaut zu bekommen. Uns ging es jedenfalls so.
Von der Nekropole und dem Petrusgrab kommt man dann relativ schnell in die Krypta mit vielen weiteren Papstsärgen und von dort dann auch relativ fix hoch in den eigentlichen Petersdom.
Unabhängig von der religiösen Bedeutung des Petersdoms ist er rein von seiner Architektur her schon beeindruckend! Allein seine Ausmaße kann man auf Bildern kaum einfangen und auch die künstlerisch wertvolle Gestaltung mit unzähligen Reliefen, Statuen, Gemälden und anderen künstlerischen Besonderheiten. Geflasht hat uns beispielsweise auch eine unscheinbare, rote, runde Platte im Boden des Doms. Wenn sie nicht explizit im Lonely Planet genannt worden wäre, hätten wir sie vermutlich übersehen. Das soll auf jeden Fall die Platte sein, auf der Karl der Große im Jahr 800 zum Kaiser gekrönt wurde. Der Wahnsinn, wenn man mal so drüber nachdenkt.
Auch der Baldachin über dem Hauptaltar ist zwar hässlich aber sehenswert. Weiterhin erwähnenswert ist vielleicht noch eine Bronzestatue von Petrus, welche einen ziemlich abgenutzten rechten Fuß als besonderes Merkmal aufweist. Es ist wohl so, dass es Glück bringen soll, diesen zu berühren. Haben wir natürlich gemacht. Glück kann man immer gebrauchen.
Je weiter man sich nach vorne durcharbeitet, desto weiter kann man in die Kuppel über dem Altar blicken. Sie ist an die Kuppel des Doms von Florenz angelehnt und in ihren Ausmaßen auch einfach überwältigend. Ich habe ja echt normal kein Problem mit Höhen, aber als ich da hoch geschaut habe, bekam ich schon ein wenig weiche Knie. Leider gehört auch das zu den Dingen, die sich auf Fotos nur bedingt gut festhalten lassen.
Nachdem wir aus dem Dom wieder heraustreten, erwartet uns blauer Himmel. Wir sind ein bisschen ermattet nachdem wir nun Katakomben, Krypta und Dom direkt hintereinander gesehen haben. Wir waren in Summe bestimmt auch 4 Stunden unterwegs. Wir entschließen uns, das vatikanische Museum nicht mehr anzuschauen. Ich hatte es bereits Anfang des Jahres gesehen und würde behaupten, dass es nur Spaß macht, wenn man genügend Zeit, Ruhe und ausgeruhte Beine mitbringt. Stattdessen schlendern wir durch das Viertel “Prati” und suchen uns noch einen netten Eiscremeverkäufer. Denn Eis gibt es hier nicht nur erstaunlich häufig sondern auch jedes mal sensationell gut! Immer super-cremig und immer geschmacklich etwas besonderes! Bei uns geht Liebe ja auch immer durch den Magen. Rom haben wir dank Pizza und Eis schon direkt in unser Herz geschlossen.
Wir schlendern nun weiter durchs winterliche Rom und lassen uns ein wenig durch die Straßen treiben. Es ist ja Dezember, die Temperaturen sind aber mild genug, um mit einer dünnen Jacke durch den Tag zu kommen. Das genießen wir sehr, denn zuhause in Köln war es bitter kalt! Wir kämpfen uns durch halb Rom, zurück über den Tiber und in das Kleinstraßengewirr der römer Altstadt.
Wir kommen natürlich auch an der berühmten spanischen Treppe vorbei, auf der wir ein paar Minuten verweilen. Es ist inzwischen allerdings verboten, auf der Treppe mitgebrachtes Essen zu konsumieren und so müssen wir immer einen Blick auf die Polizeibeamten haben, die die Treppe stets hoch und runterlaufen, während wir unsere zuvor gekauften Backwaren essen. ![]()
Wir gehen noch ein wenig Shoppen, denn auf und um die Via del Corso herum kann man das super tun. Es fällt auf, dass es unglaublich viele Herrenausstatter gibt und insgesamt mehr Mode für Männer zu haben ist als daheim. Finde ich natürlich super. Von der Via del Corso ist es erneut nicht weit zurück zum Campo de Fiori, in dessen Nähe sich viele schöne Restaurants befinden. Wir suchen uns eines aus mit Blick auf das Treiben auf dem Platz und genießen nochmal leckeres italienisches Essen!
Von dort aus sind es nur wenige Meter zu unserer Bleibe, die wir auch erstaunlich früh erreichen und erneut selig einschlummern. Städtetrips schlauchen.


