Unser letzter Tag in Hoi An ist nochmal voller Agendapunkte. Nachdem wir es am Vortag ja etwas ruhig haben angehen lassen, haben wir uns für heute die Besichtigung der Tempelruinen “My Son” und eine abendliche Food-Tour durch die Innenstadt von Hoi An eingeplant. Los geht es morgens um 8; wir hatten ein wenig gehofft, einsam und alleine die Ruinen erkunden zu können, wurden aber schon morgens ein wenig enttäuscht, vor der Tür hielt nämlich ein großer Reisebus.
Wir sind leider auch noch die ersten die abgeholt wurden und so dauert es über eine Stunde bis wir komplett sind und auch unser Reiseführer an Bord ist, von dem wir nicht wussten, dass wir ihn mitgebucht hatten. Er ist auf jeden fall recht kurzweilig und spricht für vietnamesische Verhältnisse ein gutes Englisch.
Nach über einer Stunde Fahrt sind wir dann bei My Son. Zu unserem Schrecken erweitert sich hier unsere Gruppe nochmal mit einem zweiten Bus, so dass wir hinterher über 50 Leute sind, die immer hinter unserem charismatischen Führer hinterherdackeln.
Nach einer kurzen Fahrt im “electrical car” durch den Urwald, müht sich unsere große Gruppe in Richtung der Ruinen. Diese liegen mitten in einer eigentlich schönen Dschungellandschaft. Die Ruinen waren auch Jahrhunderte lang verschollen, bis die französischen Kolonialherren sie Anfang des letzten Jahrhunderts wiederfanden. Kann man sich angesichts des dicken Dschungels rings herum auch gut vorstellen, dass man die mal verlegt.
Nach einem kleinen Hügel, haben wir freien Blick auf die erste Ruine und die ist trotz signifikanter Zerstörung durch amerikanische Bomben im Vietnamkrieg sehr beeindruckend.
Die Amerikaner hatten damals wohl Bomben auf die Tempelanlagen abgeworfen, da sich hier einige Vietcong versteckt hielten. Erst die Intervention eines Archäologen stoppte damals wohl den Angriff. So bleiben leider von den meisten Tempeln wirklich nur Ruinen übrig.
Es kommt hinzu, dass die Champa (das ist die Volksgruppe, die die Tempel damals gebaut haben) zudem ohne Mörtel gebaut haben, so dass eine Rekonstruktion mangels Wissen aktuell wohl zumeist fehlschlägt. Man hat das wohl mal versucht, ist aber stets an den Punkt gelangt, dass der neue Mörtel schneller verfällt als die 1000 Jahre alten Strukturen daneben.
Die Tempel sind von A bis L durchnummeriert und wir starten an der größten Anhäufung von Tempeln, nämlich den Sites B, C und D, welche direkt nebeneinander sind. Hier treffen zudem auch zwei Reisegruppen zusammen, so dass es schon eher voll ist in den wenigen verbleibenden Ruinen.
Auch ist hier ein erster Bombenkrater zu sehen, der bezeugt, dass hier damals tatsächlich Bombeneinschläge passiert sind. Wir setzen uns immer mal wieder von unserer Gruppe ab, dadurch verpassen wir zwar ein paar Infos unseres Guides, haben dafür aber auch ein paar intime Momente mit den faszinierenden Strukturen.
Auch als unsere Reisegruppe geschlossen in einem kleinen Tempel verschwindet, entschließen wir uns nicht mit rein zu gehen. 50 Personen auf engem Raum macht uns einfach keinen Spass. Conny kommt dann auch auf die Idee, die Jungs und Mädels dort einfach einzusperren ![]()
Machen wir dann natürlich nicht. Conny bleibt von hier an bei der Gruppe, weil sie die Infos klasse findet, die unser Guide parat hat, ich nabele mich komplett ab und erkunde Site A, während unsere Gruppe Site G erkundet. Hier bin ich ganz alleine, das ist schon mehr mein Ding. Site A war mal der Haupttempel, ist aber leider auch der, von dem am wenigsten übrig geblieben ist.
Ich umrunde die Ruinen bei Site A und stelle mir vor, wie das hier vor 1000 Jahren wohl so gelaufen ist. Das habe ich neulich erst in Rom gemacht und kann mir manche Dinge sehr plastisch denken. Anschließend schlendere ich rüber zu unserer Reisegruppe, die schon auf dem Weg zum Ausgang ist. Ich reihe mich wieder ein und tausche mit Conny die Erfahrungen.
Eine e-car-Fahrt später sind wir schon wieder am Bus und eine Busfahrt später stehen wir am Fluss. Statt mit dem Bus die Strecke zurückzufahren, hatte man die Wahl, die letzte halbe Stunde mit dem Boot in die Innenstadt von Hoi An zu fahren. Das haben wir dann gemacht.
An Bord gab es ein bisschen Reis mit Gemüse und viele graue Wolken und viel Wind. Wir sehen vom Oberdeck aus aber auch viele kleine Städchen und Felder und Wiesen und sind kurze Zeit später dann schon in Hoi An. Das trifft sich gut, denn dort startet eine Stunde später unsere Food-Tour. Wir starten schon mal ohne Guide und genehmigen uns einen fetten, vietnamesischen Donut.
Die eigentliche Tour startet am Büro der durchführenden Organisation “Hoi An Food Tour”. Wir erfahren, dass wir nicht zur bereits gestarteten 18-köpfigen Gruppe gepackt werden, sondern eine Einzeltour bekommen. Wir freuen uns und ziehen mit unserem Guide Lucy los.
Erster Stopp ist ein Restaurant, dass die in Hoi An berühmten “White Rose” herstellt. Das sind an Ravioli erinnernde Teigtaschen, die entweder mit Shrimp und Schwein oder mit einer vegetarischen Füllung gefüllt sind und mit gerösteten Zwiebeln serviert werden und in eine Mischung aus Zitronensaft und Fischsauce getunkt werden. Sehr lecker! Dann geht es auch schon weiter, während wir uns mit Lucy, die sehr gut englisch spricht, über Vietnam und speziell Hoi An unterhalten. Bald machen wir halt bei einem Straßenstand, der das verkauft, was Vietnamesen als Snack zwischendurch mal essen: gewürzter Reis mit Erdnuss und Kokosraspeln und Tapioka. Auch lecker! Weiter geht es zu einer Laden, der Ban Mih verkauft, –in die haben wir uns ja schon verliebt-, und der so gut ist, dass sogar ein amerikanischer Starkoch ihn schon mal besucht hat. Die Schlange ist veritabel lang, und statt mit Huhn, probieren wir dieses leckere Baguette klassisch mit allerlei Fleischbeilage, Koriander und Gemüse.Wir schaffen allerdings beide nur ein halbes.
Denn schon im Anschluss geht es in die Markthalle von Hoi An, wo wir eine weitere lokale Spezialität probieren: Cao Lau. Dieses Gericht wird nur in Hoi An zubereitet und besteht aus recht dicken Reisnudeln, einer würzigen Soße, Gemüse (Salat, Kräuter und Sprossen), Schweinefleisch und knusprigen Teigchips. Darüber wird eine Limette gepresst und fertig. Selten haben wir etwas so leckeres gegessen. Die vietnamesische Küche gilt als die beste Asiens, da hier besonders viel wert auf die Frische der Zutaten, deren Abwechslung und Komposition gelegt wird. Zum Beispiel sollte jedes Gericht die richtige Balance aus süß und sauer, salzig und bitter haben. Bei diesem Gericht kann man das wirklich schmecken.
Nach soviel essen gibt es erstmal eine Pause, und zwar bei einem vietnamesichen Kaffee. Der wird klassischerweise kalt getrunken und stark und auf einer Schicht Kondensmilch. Einmal umrühren und genießen. Das kannte ich immerhin schon, denn diese Art “Ca Phe” bestelle ich in Vietnam auch immer.
Dann geht es zu einer lokalen Familie, um noch weitere Leckereien zu probieren. Die wunderbare Frau, die für uns kocht, dürfen wir “Mami” nennen, denn so gut kocht sie
. Zunächst gibt es winzige Reispfannekuchen, in denen ein Wachtelei gestockt ist. Darauf kommt Salat und Gemüse, dann muss man das ganze auf seinen Stäbchen balancieren und in eine milde Fischsauce dippen. Gar nicht so einfach!
Danach gibt es Frühlingrollen, frittiert, die ebenfalls in eine nun etwas stärkere Fischsauce getunkt werden, und unter anderem mit Schwein und Süßkartoffel gefüllt waren. Mit frittierten Frühlingrollen bekommt man uns ja immer. Dann müssen wir selber ein bisschen arbeiten, denn Mami zeigt uns, wie man die “fresh spring rolls” macht, die man in Deutschland auch als Sommerrolle kennt und die nicht frittiert wird. Hierzu füllt man ein Reispapier mit Salat, Gemüse und Fleisch, rollt es geschickt zusammen und tunkt es in noch stärkere Fischsauce (die wirklich Überwindung kostet). Ich mags, Marcus nicht ganz so
. Zum Nachtisch gibt es dann noch eine Suppe aus grünen Sojabohnen mit Kokosmilch. Gewöhnungsbedürftig, aber lecker.
Wir sind jedenfalls proppesatt und laufen mit Lucy noch ein wenig durch die Old City, wo wir dann bei einer Bekannten von ihr doch noch eine Bootsfahrt machen und dann auch unsere “floating lights” loslassen. Was wir uns gewünscht haben bleibt natürlich ein Geheimnis! Fazit: völlig zurecht ist Hoi An berühmt für sein Essen und die Food Tour war ein richtiges Highlight, was nicht zuletzt an Lucy lag, die uns unheimlich viel über Vietnam erzählt hat und mit der man sich einfach super unterhalten konnte. Nach so einem aufregenden und tollen Tag wanken wir in unser Homestay und fallen ins Bett.
Abschließend zu Hoi An können wir aber sagen, dass sich der Besuch dermaßen lohnt! Auch unsere Unterkunft, das Golden Bell Homestay, und die Hoi An Food Tour können wir nur allerwärmstens empfehlen!


