Vietnam–Hanoi und Halong Bay

Nach einer unruhigen Nacht, finden wir in den Morgenstunden noch ein wenig Schlaf und verpassen so direkt mal unser Hotelfrühstück. Aber was will man auch machen, wenn man bis 4 Uhr morgens von einem Technoklub auf der anderen Straßenseite beschallt wird. Ohropax ist notwendig, jedoch leider nicht hinreichend und so wummert der Bass selbst morgens noch in unseren Köpfen. Leicht gerädert machen wir uns auf, Hanoi zu erkunden.

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Durch viele pittoreske Straßenzüge und vorbei an vielen improvisierten Läden, Restaurants und Bars, schlagen wir uns durch den fiesen vietnamesischen Verkehr. Dieser ist genau so übel, wie wir ihn aus Ho-Chi-Minh-City in Erinnerung haben. Überall Mopeds und Verkehrsregeln werden eher als optionale Empfehlungen gesehen. Ich bin leicht gestresst, auch weil ich seit Reisebeginn eine leichte Erkältung mit mir rumtrage.Conny gefällt es hier. Wir erreichen nach einer knappen halben Stunde Ho-Chi-Minhs Mausoleum und stellen nach anfänglicher Verwirrung fest, dass wir zu spät dran sind, da nur bis 10:15 Uhr morgens Einlass ist. Auf dem Bild ist übrigens nicht das Mausoleum zu sehen, sondern das zugehörige Museum.

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Dann müssen wir Onkel Ho wohl später besuchen. Ich möchte ihn ja echt gerne sehen, nach Mao in Beijing wäre das mein zweiter ausgestellter Kommunistenführer, dann fehlt mir nur noch Lenin Winking smile

Statt das einbalsamierte Staatsoberhaupt zu begutachten, gehen wir lieber erstsmal frühstücken. Es gibt Banh Mi, das sind Baguettebrötchen mit einer würzigen, gemüsigen, fleischigen Füllung. Fragt mich nicht genau was drin ist. Schmeckt aber klasse! Die Baguettes, so nehmen wir an, sind noch ein Überbleibsel aus französischen Kolonialzeiten.

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Wir arbeiten uns weiter durch Hanoi und gelangen schließlich zum Dong Xuan Market. Dort werden sehr touristisch-dekadente Fahrten mit elektrischen Golfwagen durch das Old Quarter angeboten, welche wir mitmachen. Hauptsächlich aufgrund meiner noch vor-sich-hin-wabernden Erkältung und auch weil das Old Quarter ein zu Fuß kaum zu erfassendes Straßengewirr ist.

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Nach kurzer Diskussion steigen wir in unser privates Wägelchen und fahren los. Ein sehr entspannter, wenn auch etwas teurer, Weg sich einen Überblick zu verschaffen. Im Hintergrund dudelt laute Musik zu der es auch in englisch ein paar Anmerkungen zu den einzelnen Straßen gibt. Ist aber eher schlecht zu verstehen und so schauen wir uns lieber verträumt und kontextfrei die Umgebung an.

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Hin und wieder sagt der Fahrer, in welchem Viertel wir gerade sind. Metallverarbeitung, Goldverarbeitung, Kaffee, Klamotten. Die Läden einer Branche treten hier stets in Rudeln auf. Wir fahren ca. 40 Minuten durch Hanoi und lassen die müden Beine ein wenig ruhen, bis uns unser Fahrer wieder dort aussteigen lässt, wo wir eingestiegen sind. Wir hätten auch am Hoan-Kiem-See aussteigen können, aber wir wollten noch ein Reisebüro suchen, welche eher im Old Quarter zu finden sind.

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Nach unserer Tour sitzen wir erstmal ein einem kleinen Restaurant und trinken einen Kaffee und eine Cola. Kleine Kaffees und Restaurants gibt es hier zur Genüge. Ein bisschen traurig finden wir den Fakt, dass die Läden, die sehr europäisch oder sehr nach Sportsbar aussehen, die meisten westlichen Touristen anziehen. Wir wählen mal bewusst einen Laden, der etwas vietnamesischer ausschaut und beobachten von dort das Treiben auf den Straßen. Anschließend machen wir uns auf, das Old Quarter auch zu Fuß ein wenig zu erkunden.

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Vietnam ist ja berühmt für seinen Kaffee und das sieht man hier auch an jeder Ecke. Neben den vielen Cafés gibt es hier auch diverseste Kaffee-Röstereien und –Geschäfte. Wir vermuten, dass die Kaffee-Affinität der Vietnamesen auch noch von Kolonialeinflüssen stammt, wir können aber auch irren. Typischer vietnamesischer Kaffee ist sehr stark und wird auf Eiswürfeln und mit Kondensmilch serviert. Conny schmeckt’s, ich trinke ja keinen Kaffee.

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Ein paar weitere Kuriositäten sehen wir links und rechts auf der Suche nach unserem Reisebüro, so zum Beispiel Obamas Restaurant, welches wenn überhaupt dann natürlich nur zufällig so heißt wie der ehemalige Präsident der USA. Auch einen Burger King sehen wir, das ist aber auch tatsächlich der erste und einzige. Vor 4 Jahren waren wir ja bereits in Vietnam und damals wurde uns erzählt, es gäbe keine McDonalds und keinen Burger King in Vietnam. Zeiten ändern sich wohl.

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Auch viele Geschäfte mit Gewürzen, Bambusleitern oder Spielzeug sehen wir. Die Ruhe, hier entspannt zu bummeln haben wir jedoch nicht. Ständig muss man auf Motorroller oder Autos acht geben. Bürgersteige werden von den angrenzenden Läden vollständig vereinnahmt und können somit nicht zum Laufen genutzt werden. Selbst wenn Autos verboten sind, fahren in der Regel Autos… Abends sind angeblich einige wenige Straßen für den Verkehr gesperrt, den Tag über ist es aber nicht mehr witzig.

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Wir finden schließlich ein vertrauensvolles Reisebüro, buchen uns für den Folgetag noch eine Tour zur Ha Long Bucht und lassen uns danach weiter durch die Gassen treiben. Irgendwann kann man kein Roller-Hupen mehr hören und der Feinstaub in der Luft macht besonders mir mit meiner Erkältung noch ordentlich zu schaffen und so machen wir uns am Nachmittag dann auf den Weg in unser Hotel. Auf dem Weg dahin legen wir jedoch nochmal einen kleinen Stopp ein.

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An einer belebten Kreuzung setzen wir uns vor ein Café und beobachten den Feierabendverkehr. Ich habe mich selten so wenig gelangweilt. Es ist echt immer was los auf einer vietnamesischen Kreuzung.

Wir versuchen, es an unserem ersten Tag nicht zu übertreiben mit dem Erkunden und entscheiden uns dazu, nur noch eine Kleinigkeit Essen zu gehen, bevor wir mal etwas früher schlafen gehen. Wir schauen kurz im Internet, welche Läden in der Nähe unseres Hotels so zu erreichen sind und ziehen los.

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Die Wahl war gut. Für vietnamesische Verhältnisse geben wir ein Vermögen aus für sensationell gutes Essen und sensationell guten Service. Etwa 20€. Für beide. Gut gesättigt fallen wir ins Bett und lauschen dem dumpfen Dröhnen unseres geliebten Technoklubs. Gute Nacht, Hanoi!

 

Der nächste Tag beginnt mit einem Kickstart. Nach erneut schlechtem Schlaf, sind wir bereits früh wach, nehmen fix unser Frühstück im Hotel ein und warten dann darauf, für unsere Ha Long-Tour abgeholt zu werden. Spätestens 8:30 Uhr wurde uns gesagt. Die HaLong.Bucht ist eines der “new World Wonders of nature” und darüber hinaus natürlich auch UNESCO Weltnaturerbe. Wir sind aufgeregt und freuen uns darauf, die Insellandschaft vor der Küste Vietnams mit eigenen Augen zu sehen. Die vielen Inselchen und kegelförmigen Steinformationen müssen unglaublich beeindruckend sein. Etwa gegen 9 Uhr legt sich unsere Begeisterung ein wenig, denn wir erfahren, dass wir vergessen wurden abzuholen. Hoppla. Und nun? Wenn Vietnamesen eins können, dann ist es improvisieren und so sitzen wir nur 5 Minuten nach unserem Anruf beim Tourbetreiber in einem Taxi, welches unserem Tourbus hinterherjagt! Und das auch erfolgreich. Nach etwa 1,5 Stunden haben wir den Bus eingeholt und dürfen umsteigen!

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Die Fahrt zieht sich trotz abenteuerlicher Aufholjagd, denn es sind mal locker 4 Stunden von Hanoi nach Ha Long. Nicht weil die Strecke so weit wäre, sondern der Verkehr völlig chaotisch ist. Doch irgendwann sind wir da und es geht fix auf ein kleines Boot. Es würden vermutlich etwa 40 Personen drauf passen, ich würde tippen, dass wir so ca. 20 sind. Eine sehr angenehme Gruppengröße.

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Nach wenigen Minuten sehen wir schon die ersten Inseln im Wasser und sind direkt baff. Wir wussten ja grob was auf uns zukommt, sind aber hin und weg von er landschaftlichen Schönheit der Bucht.

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Leider wird das ganze hart touristisch vermarktet. Uns hätte auch ein langsames Umhertukkern durch die Bucht gereicht, unsere Tour enthält aber zu unserer Überraschung zwei Programmpunkte: Einen Besuch einer Tropfsteinhöhle und der Besuch eines Floating Village.

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Die Tropfsteinhöhle war der erste Stopp und durchaus nett anzuschauen, es bleibt aber eher die Beilage. Nichts schlägt die hügeligen Inseln in der Halong Bucht und so sind wir froh, als wir wieder auf dem Boot sind und weiterfahren.

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Inseln in allen Formen ziehen an uns vorbei. Immer mal wieder auch einige Touristenboote, aber stets nur in der Größe unseres eigenen Bootes, so dass das nicht wirklich störend ist. Der “Massentourismus” fühlt sich hier also noch akzeptabel an.

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Die “Hauptattraktion” war wohl ein kleiner Stein in der Mitte der Bucht, welcher angeblich zwei Hennen darstellt, die sich küssen oder streiten, je nach Perspektive. Ringsherum fuhren etwa 15 Boote während wir vorbeifuhren, ich war froh, dass wir nicht näher rangefahren sind. Ich persönlich brauche in so einem Setting auch keinen “Besonderen” Stein, keine “Ancient” Cave und kein “Floating” Village, aber was will man machen.

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Das Floating Village war dann auch unser nächster und somit letzter Stopp. Es war schon toll gelegen, umring von den beeindruckendsten Steinformationen, die wir bislang gesehen haben. Als Floating Village versteht man hier einige schwimmende Anleger, von denen aus man als Tourist Kayak fahren oder sich auf einem Bamboo-Floss rudern lassen konnte.

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Ich entschied mich, auf beides zu verzichten und mir die Landschaft ein wenig reinzuziehen, Conny ist jedoch mit zwei netten Spaniern auf ein Bambus-Fluss gestiegen, um sich von einer älteren Vietnamesin durch die Bucht schippern zu lassen.

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Dabei hat die Bootsführerin allerlei Scherze gemacht und mit ihrem Singsang zu unterhalten gewusst, während man durch die Hausboote und an einigen Höhlen und sogar einem kleinen Tempel in einer Felsennische  vorbeigeschippert wurde. Nach 20 Minuten war der Spaß auch schon wieder vorbei.

So langsam wurde es auch dunkel, also haben wir dann auch bereits den Rückweg angetreten. Wir haben insgesamt vermutlich nicht länger als 2 Stunden auf dem Wasser verbracht. Schade. Das nächste Mal würden wir glaube ich auch eine Overnight-Tour buchen, da bleibt man dann auch für die Nacht an Bord..

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Zurück im Hafen bemerkten wir, dass es nicht nur der Sonnenuntergang ist, der uns das Licht raubte, sondern auch eine Schlechtwetterfront. Ein Glück kam die erst nach uns in der Bucht an und so machten wir uns mit den ersten Regentropfen auf den Heimweg.

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Auch die Rückfahrt dauerte wieder 4 Stunden, nur unterbrochen von einem Shopping-Stopp für touristische Souvenirs. Ca um 21 Uhr waren wir wieder in Hanoi und absolut bettreif.

Einen letzten Morgen haben wir noch in Hanoi, bevor es dann weiter nach Hoi An geht, den haben wir noch genutzt um uns endlich das Mausoleum von Ho-Chi-Minh anzuschauen.Dieses Mal waren wir auch rechtzeitig da, bevor bereits um 10:15 Uhr der letzte Einlass ist.

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Ich habe damit nach dem Mausoleum von Mao bereits zum zweiten Mal einen ausgestellten Präsidenten bewundern können, für Conny war es das erste Mal. Während bei Mao die Leute aber auch Jahrzehnte nach dessen Tod noch geweint haben und Blumen an seinen Sarg gelegt haben, war die Stimmung bei Ho-Chi-Minh deutlich nüchterner. Alle sind schweigend und bedächtig an seinem Sarg vorbeigegangen, geweint hat keiner. Jetzt schnell auschecken und mit der Linie 86 wieder zum Flughafen, dann geht unser Abenteuer weiter in Hoi An in Zentral-Vietnam.

Kategorien: Asien, Vietnam | Hinterlasse einen Kommentar

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