Nachdem wir beim Kepler Track so viel Pech hatten, hat mich der Gedanke nicht in Ruhe gelassen, den Weg nochmal bei besserem Wetter zu probieren. Ich bin ja ein großer Fan von Bergpanoramen und tollen Aussichten und so haben wir uns von Dunedin aus nochmal zurück nach Te Anau begeben, damit ich hier den Kepler nochmal probieren kann. Letztes mal haben wir es in 3 statt 4 Tagen geschafft, dieses mal versuche ich es mal in 2 statt 3. Wettervorhersage sieht gut aus, also los gehts!
Ich bin dieses mal aber ein wenig faul und starte nicht ganz am Anfang des Tracks. Man kann sich die ersten 1,5 Stunden sparen und ein Bötchen nehmen, erst dann geht es bergan bis zur Berggrenze.
4,5 Stunden bis zur ersten Hütte und 10 Stunden bis zur zweiten Hütte werden auf dem Schild angegeben. Wenn ich 10 Stunden brauche, bin ich so ungefähr bei Sonnenuntergang an der Hütte, ich hoffe insgeheim, dass ich ein wenig schneller bin.
Den ersten Meilenstein, die Baumgrenze, erreiche ich auch nach etwa 1,5 Stunden statt 3,5 wie letztes mal. Somit bin ich auch an der ersten Hütte, der Luxmore Hut, bevor ich zwei Stunden voll habe. Das sieht schonmal sehr gut aus.
An der Luxmore Hut mache ich eine kurze Pause und lerne Erica aus Kanada kennen, wir laufen ein Stück des Weges gemeinsam. Wenn man alleine wandert, lernt man deutlich mehr und deutlich einfacher Leute kennen unterwegs, fragt mich nicht warum.
Erica dreht am Mount Luxmore um und klettert wieder ins Tal, während ich ja weiter muss. Mount Luxmore habe ich ja schon letztes mal gemacht, es ist die Landschaft ab hier, die mich interessiert. Und tatsächlich! Ich habe Glück und trotz einiger Wolken am Himmel sehe ich deutlich mehr von der Landschaft als letztes mal! Das erste was mir hier auffällt, ist das stets ein Fjord im Tal zu sehen ist. (Ist zwar kein echter Fjord, aber wir lassen das mal so stehen)
Ich bin happy, denn rings um mich herum sind Berge und Täler und tolle Fotomotive. Dafür hat sich die Anstrengung bis hier hin doch gelohnt!
Das fiese an so Bergpanoramen ist ja, dass man sie nie und nimmer in Fotos festhalten kann. Alles ist 360 Grad um einen herum total groß und beeindruckend. Ich weiß nicht, wo ich zuerst hingucken oder knipsen soll. Letztes mal war hier ja nur Nebel.
Ich liege gut in der Zeit und kann mir somit viel Zeit lassen. Ich mache viele pausen an den Punkten mit den besonders schönen Aussichten und habe glaube ich auch einen neuen Rekord an Selfies aufgestellt. Sonst glaubt mir ja keiner, dass ich schon wieder hier bin!
Wie letztes mal laufe ich auf Bergsatteln entlang, nur diesmal ist links und rechts neben mir kein Nebel, sondern es geht steil nach links und rechts in Gletschertäler hinab. Eine faszinierende Aussicht bietet sich und ein klein wenig mulmiges Gefühl schleicht sich ein, weil man selber so klein ist.
Das Wetter ist zwar alles andere als Ideal heute, aber man kann stets gut erkennen, wo der Weg weiter führt und auch die nächstgelegenen Berge kann man gut erkennen. Ich habe bereits vor Beginn beschlossen, dass ich den Kepler nicht wie letztes mal von A bis Z laufen werde, sondern ich werde am zweiten Tag einfach den ganzen Weg zurück gehen, den ich gekommen bin, so habe ich den alpinen Part zwei mal und morgen nochmal die Chance auf noch besseres Wetter!
Ich hoffe, die Panoramafotos fangen halbwegs ein, was hier so um mich herum ist. Hin und wieder bricht an einigen Stellen auch mal die Sonne durch, was natürlich nochmal deutlich spektakulärer ist. Zuerst schien sie nur auf den Fjord, der ja keiner ist.
Die letzten alpinen Meter vor dem Abstieg waren dann aber auch komplett in der Sonne. Dort baut sich schon das nächste Gebirge auf, die Berggipfel dort gehören also schon nicht mehr zu den Kepler Mountains, in denen ich herumkraxele.
Kurz bevor es dann bergab geht, gibt es noch einen Aussichtspunkt, den haben wir letztes mal locker ignoriert, weil wir ja eh nichts gesehen haben, dieses mal klettere ich natürlich hoch und stehe auf dem Gipfel der Welt. Zumindest fühle ich mich so.
Anschließend geht es etwa 1000 Höhenmeter bergab zur Hütte. Meine Knie bedanken sich und auch die Tracking-Software auf meinem Handy scheint sich irgendwo verdaddelt zu haben, denn sie meint ich sei 40km gelaufen. 25 wäre realistischer, die Zeit sollte aber stimmen 6:50h für eine 10-Stunden-Strecke? Nicht schlecht für mein Alter!
Abends schmerzen mir ein wenig die Beine und ich treffe in der Hütte viele nette Leute aus Frankreich und Australien. Denen schmerzen auch die Knie. Oha, was soll das morgen bloß geben.


