Von Motorgebrumm werden wir um 6:30 Uhr wach. Auch mal was neues. Wir steigen aus den Betten und gehen nach oben in den “Salon”. Beim morgendlichen gähnen schauen wir nach draußen und reißen die Augen auf: Die Sonne geht auf.
Schnell wieder runterflitzen und Kameras greifen, damit wir das noch kurz einfangen können. So schön wie der Sonnenuntergang war es aber nicht, wir sind hier halt an der Westküste.
Wir genießen ein leckeres Frühstück an Bord, nachdem wir draußen nun schon einmal ordentlich gefroren haben. Denn Wind ist immernoch ordentlich draußen. Den haben wir auch die ganze Nacht gehört, Conny hat sich sogar darüber beklagt, dass er ins Schiffshorn gepfiffen ist.
In der Morgensonne betrachten wir die hübsche Szenerie um uns herum, wir befinden uns immernoch in einem Seitenarm der Doubtful Sound. Die Milford Sound hatte ja keine Seitenarme, also auch eine neue Erfahrung für uns.
Wir sehen viele Gletschertäler links und rechts von uns. Man kann im Licht der morgendlichen Sonne förmlich erahnen, wie sich der Gletscher hier vor langer langer Zeit durch den Berg geschält hat. Sehr beeindruckend.
Unsere Fahrt geht weiter zurück auf die Doubtful Sound und weiter in den nächsten abzeigenden Arm. Angeblich einer der schönsten in der Doubtful Sound.
Die Felsen um uns herum waren hier noch ein Stückchen steiler und zerklüfteter als in der restlichen Sound und es war tatsächlich ein bisschen weniger Wind unterwegs.
Inmitten dieses Seitenarms kommt das Boot zum Stillstand und zur gleichen Zeit auch der Wind, so dass es um uns herum sehr ruhig wird. Die Bootsbesatzung nennt diesen Moment “Sound of Silence” und schaltet zu diesem Zeitpunkt auch Schiffsmotor und Generatoren aus. Gleichzeitig werden alle Passagiere gebeten, keinen Laut von sich zu geben, keine Fotos zu machen und nicht auf dem Schiff umherzulaufen.
Was wir erleben, ist ein erhabener Moment in ungestörter Natur. Das einzige was wir hören, ist das zwitschern der Vögel an den Hängen um uns herum und einige Wasserfälle die enthusiastisch vor sich hin plätschern. Wir sind ein bisschen begeistert und ein bisschen traurig, denn vor einigen hundert Jahren müssen es tausende Vögel mehr gewesen sein, die hier krach gemacht haben.
Inzwischen ist es auch schon 9 Uhr und unser Boot tuckert langsam aber sicher seinem Endhaltepunkt entgegen. Wir stehen die letzte Stunde noch ein wenig an Deck und lassen die Landschaft um uns herum auf uns wirken. Nach fast 20 Stunden an Bord ging man fast schon dazu über, die einen umgebende Landschaft als selbstverständlich hinzunehmen, ein fataler Fehler. Die Doubtful Sound ist ein ganz besonderer Ort auf dieser Welt.
Ein letzter Blick zurück und wir legen am Anleger an, an dem wir am Vortag das Schiff betreten haben. Wir sind satt. Nicht nur weil wir wirklich gut gegessen haben, sondern auch satt an Eindrücken und Bildern in unseren Köpfen.
Die Crew winkt noch einmal freundlich und wir werden (wieder über Bus, Schiff und Bus) zurück nach Te Anau gebracht. Wir halten für uns fest: Die Doubtful Sound hat uns deutlich besser gefallen als die Milford Sound, auch aufgrund der deutlich geringeren Touristenmassen. In Te Anau checken wir kurz das Wetter für die nächsten Tage und werfen dann unsere Planung über den Haufen: Wir fahren über Ostern erstmal nach Dunedin.


