Wir kommen recht spät am Freitag in Dunedin an und hatten Glück, dass wir überhaupt noch einen Platz zum schlafen gefunden haben. Die Kiwis haben über Ostern wohl alle Urlaub und so fahren viele über die Ostertage durch Neuseeland und viele wohl auch nach Dunedin. Wir gönnen uns über Ostern sogar eine kleine Cabin mit Badezimmer und Küchenzeile. Das ist unser erstes eigenes Badezimmer seit knapp 2 Monaten. Luxus für uns.
Am nächsten Morgen schlafen wir erst mal ein bisschen länger als sonst und auch ein bisschen besser als sonst. Im Camper wird es momentan nämlich nachts ganz schön kalt. Connys Schlafsack ist dafür wohl ganz gut gerüstet, meiner ist wohl etwas zu dünn. Naja. Wir starten auf jeden Fall am späten Vormittag, um Dunedin zu erkunden und starten in der Innenstadt.
Nahe der pittoresken Railwaystation finden wir den farmers market, der uns dazu einlädt, ein wenig zu bummeln. Neuseeländer legen sehr viel Wert auf regionale Erzeugnisse. Vieles ist organic und das meiste auch richtig lecker, so zum Beispiel die “woodfired pizza”, die wir probieren.
Wir schlendern noch ein wenig am Bahnhof entlang und durch die Einkaufsstraße und fahren nach kurzer Beratung in der Touristinformation los zur “world’s steepest street”, der steilsten Straße der Welt, die Baldwin Street. Auf dem Weg hatten wir doch tatsächlich ein wenig Stau, das war mal wieder ein ganz ungewohntes Gefühl, denn die meisten Straßen in Neuseeland sind ja eher leer, Dunedin scheint aber prinzipiell auch recht groß zu sein.
Nach kurzer Fahrt erreichen wir jedoch unser Ziel, nicht ohne das ein oder andere originelle und personifizierte Nummernschild zu bewundern.
Die Straße ist ziemlich steil und wir sind uns sicher: mit unserem treuen Camper kämen wir hier nicht hoch. Überall wird gewarnt, dass die Straße eine Sackgasse ist und keine Wendemöglichkeit besteht. Ich frage mich ja, wer da wohnen will. Hoch gehen wir die Straße nicht, denn wir wollen unsere Kraft für eine kleine Wanderung am Nachmittag sparen.
Denn nach dem kleinen Ausflug nach Dunedin fahren wir zur eigentlichen Attraktion der Gegend, der Otago Peninsula. Diese soll neben ihrer landschaftlichen Schönheit auch noch jede Menge Tierwelt zu bieten haben.
Da kurz zuvor ein Zyklon über die Ostküste gezogen ist, haben wir noch relativ viele Wolken durch die wir aufgrund der Höhe fahren und so bekommen wir nur ab und zu einen Eindruck von der Landschaft, die hier schon stark an Irland erinnert, inklusive Unmengen von Schafen.
Schließlich kommen wir zum Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung. Der erste Ausblick auf den Strand, an dem sich zuweilen Seelöwen, Pelzrobben und sogar sehr seltene Pinguine sehen lassen, ist schon mal grandios.
Da Conny sich etwas kränklich fühlt, muss ich den Tierbestand alleine erkunden. Macht nix, los gehts durch die Sanddühnen!
Die Bucht nennt sich Sandfly Bay und ist so ziemlich der Ort auf der Peninsula, zu dem alle Touristen hinfahren. Ist ja auch nicht weit vom Parkplatz und allerhand Tierarten lassen sich wohl von den vielen Besuchern nicht abschrecken. Landschaftlich schön ist es trotz Touristen natürlich allemal.
Direkt als ich den Strand betrete, muss ich aufpassen, dass ich nicht über einen schlafenden Seelöwen falle. Der döst und schnarcht da einfach vor sich hin. Vor dem Betreten des Strandes warnte ein Schild davor, schlafenden Seelöwen nicht näher als 10m und wachen Seelöwen nicht näher als 20m zu kommen. Da halte ich mich dann mal dran und nutze lieber die zoom-Funktion unserer Kamera.
Den hinteren Teil des Strandes erreiche ich nur mit nassen Füßen und nassen Turnschuhen. Verdammt. Es ist die Strapazen jedoch wert, denn dort lebt eine Familie an Pelzrobben, die wohl gerade einen kleinen Familienstreit ausfechten. Ich bleibe mal lieber 20m entfernt wie vorgeschrieben.
Die älteren Tiere blöken auf jeden Fall die jüngeren Tiere an, vielleicht wurde auch Futter ausgetauscht, das konnte ich nicht so genau sehen. Ich setze mich auf eine der Sanddühnen hier und beobachte das Geschehen erstmal ein paar Minuten. Das ist schon spannend, wie die sich untereinander so verhalten.
Am Ende des Strandes gibt es noch ein Versteck von dem aus man gerne mal sehen kann, wie Pinguine hier an Land kommen. Dafür muss der davor liegende Strand aber menschenleer sein, sonst trauen die sich nicht aus dem Wasser. Zu meiner Enttäuschung waren zwei unbelehrbare Touristen auf dem Strand unterwegs und das obwohl tausende Warnschilder darauf hinweisen, dass man doch bitte dort nicht hingehen soll. Naja.
Ich mache mich auf den Rückweg, wieder an den Pelzrobben vorbei, die inzwischen ihre Fehde beigelegt haben und seelig schlafen.
Nochmal nasse Füße und dann die Klippen wieder hoch und ich stehe wieder in der irisch angehauchten Landschaft, wo Conny auf mich wartet. So nah war ich dem “Wildlife” selten, ohne in den Zoo zu gehen. Auch eine faszinierende Seite Neuseelands wie ich finde.
Wir fahren mit dem Auto noch ein wenig an der Küste der Otago Peninsula entlang und genießen die schöne Landschaft, bevor wir dann noch kurz einkaufen gehen und uns in unsere Cabin zurückziehen. Ein Sofa, ein eigener Esstisch, eine kleine Küche und ein eigenes Bad hatten wir wahrlich lange nicht und so wollen wir diesen Luxus doch noch ein wenig genießen. Es ist ja immerhin Ostern.
Unser Ostermahl bestand übrigens aus Fishfingers (=Fischstäbchen) mit Reis und Remoulade. Luxus pur.


