Nach zwei Nächten in einer Cabin in Te Anau fühlen wir uns regeneriert genug, um uns auf zu machen, die weltberühmte Milford Sound zu erkunden. Uns wurde der Ratschlag gegeben (mehrfach), dass wir am besten morgens direkt die ersten an Ort und Stelle sein sollten, um den Touristenmassen zuvor zu kommen. Gesagt getan, fahren wir also einen Tag vorher schon in die grobe Richtung mit dem Plan irgendwo möglichst in der nähe zu campen. An der Straße in Richtung Milford Sound gibt es insgesamt etwa 10 Campgrounds, von denen wir uns einen aussuchen können.
Auf dem Weg gibt es neben viel toller Landschaft auch ein paar Stopps, die man einlegen kann, zum Beispiel die “Mirror Lakes”. Mirror Lakes gibt es an mehreren Stellen in Neuseeland, prinzipiell werden alle Seen so bezeichnet, in denen sich die Umgebung reflektiert. Das sollte auch hier der Fall sein, doch durch Regen und eine aufmerksamkeitssüchtige Ente sowie viele viele Wolken um uns herum hielten sich die Reflektions-Effekte in Grenzen.
Wir fahren also weiter durch tolle Landschaft, die hält im Gegensatz zu den Mirror Lakes jedenfalls was sie verspricht. Fragt mich aber nicht, warum hier das Gras ringsherum immer noch so braun ist, es regnet hier schon seit einem Tag durch.
Wir biegen gen Mittag auf den Campingplatz, der am nächsten an der Milford Sound liegt und stellen uns mit dem Camper direkt ans Wasser. Herrlich! Es hört sogar kurz auf zu regnen, als wir unseren Platz einnehmen, dafür haben wir viele anstrengende Nachbarn: Sandflies! ![]()
Ein Glück muss man fast sagen, dass es direkt wieder an zu regnen fängt, da lassen sich die Mistviecher nämlich nicht blicken. Wir klappen unsere Heckklappe auf und setzen uns mit Blick auf den See in unser Auto.
Und dann? Ja, dann haben wir mal schön eine Runde Langeweile.
Wir lesen noch ein paar Reiseführer, quatschen noch ein bisschen über Gott und die Welt und sind mit der untergehenden Sonne noch vor 8 Uhr im Bett. Auch mal schön.
Der Wecker klingelt um 6 Uhr. Trotz frühem Ins-Bett-Gehen etwas früh. Es ist noch stockdunkel draußen. Wir fahren so leise wie möglich von unserem Campground, wir wollen ja unsere Mitcamperinnen und Mitcamper nicht wecken. Ich glaube das hat aber nicht geklappt.
So fahren wir also im Dunkeln die bestimmt wunderschöne Strecke bis zur Milford Sound. Wir können nur erahnen, wie die Strecke links und rechts von uns aussieht und freuen uns sogar ein bisschen auf den Rückweg, denn dann ist es ja hell. Relativ plötzlich und ohne Vorwarnung stehen wir an einem Parkplatz und von dort sehen wir schon den bekanntesten Teil der Milford Sound: Mitres Peak.
Wir schleichen zum Fährterminal und kaufen uns direkt mal Tickets für einen Cruise. Es ist jetzt etwa 8 Uhr und noch erstaunlich leer. Die ersten Cruises starten um 9 Uhr, wir entscheiden uns für die Gesellschaft “Go Orange”, die wurde bei Tripadvisor empfohlen. Passt scho, prinzipiell machen hier eh alle das gleiche Programm.
Wir checken ein und suchen uns einen Platz an Deck auf unserem kleinen orangenen Bötchen. Es ist echt relativ leer. Gott sei Dank. An der Milford Sound sind so um die 500.000 Besucher jährlich, aber nicht vor 11 Uhr anscheinend. Yeah!
So tuckern wir hinaus in die Sound. Auch das Wetter spielt mit und wir haben relativ klaren Himmel und keinen Regen!
Wir haben eine grandiose Sicht auf Mitres Peak, den man an vielen Tagen im Jahr wohl garnicht erst sieht, da er mit der Spitze im Nebel hängt.
Unser Kapitän erklärt ein wenig zur Entstehung der Sound, nämlich durch einen Gletscher, der mal bis zum Meer ging. Das entstandene Tal füllte sich dann mit Wasser und das nennt man dann Fjord. Eigentlich ist die Bezeichnung “Sound” auch falsch, denn eine Sound wäre meines Wissens ein klassisches Flussbett.
Wir haben richtig Glück, denn wir sehen relativ viele Wasserfälle, da es an den vorherigen Tagen viel geregnet hat. links und rechts von uns fließen die beeindruckendsten Wasserspektakel die Berge hinab.
Auf dem Weg zu einem dieser Wasserfälle passieren wir auch eine Seehund-Kolonie, die gelangweilt auf einem der vielen Felsvorsprünge rumlungert. So nah waren wir noch nie dran! Das Boot berührt sogar fast den Felsen, die Seehunde störte das aber herzlich wenig.
Wir beobachten die kleinen Racker, die an Land immer ein wenig ungelenk ausschauen. Aber sie kommen recht fix voran!
Kurz hinter den Seehunden erreichen wir dann einen von den beeindruckenden Wasserfällen und fahren auch hier so nah heran, dass der Wasserfall fast auf die Nase des Boots fällt. Wow!
Der Wasserfall ist bestimmt 20-30 Meter hoch und scheint aus dem Nichts aufzutauchen, das ist schon sehr hübsch!
Wir haben von hier aus auch einen grandiosen Blick zurück in den Start der Milford Sound, wo wir ja geparkt haben.
Wir nähern uns langsam dem Punkt, wo die Milford Sound auf das Meer stößt und wissen garnicht ob wir links, rechts, vorne oder hinten gucken und fotografieren sollen. Rings herum ist einfach eine unglaubliche Landschaft.
Das Wasser in der Milford Sound ist übrigens besonders dunkel. Das liegt daran, dass auf dem Meerwasser, welches ja in den Fjord läuft, noch Süßwasser oben drauf fließt. Durch Regenfälle und durch die ganzen Wasserfälle. Durch diese besondere Konstellation ist das Wasser wie gesagt dunkel und gemeinsam mit der Windgeschütztheit der Sound werden wohl Tiefsee-Bedingungen nachgestellt und so befinden sich massig Tiefsee-Lebewesen relativ nah an der Oberfläche.
Gesehen haben wir diese leider nicht. Hier gibt es aber irgendwo ein Unterwasser-Observatorium. Da waren wir aber nicht. Als wir dann die Sound in Richtung “Tasman See” verlassen haben, sieht man auch das dunkle Wasser sehr gut wie ich finde und die beeindruckenden Felsen links und rechts in der Sound. Ich finde man kann sogar die U-Form des Fjords ganz gut erkennen, die ein Gletscher ja typischerweise hinterlässt.
Auf dem Rückweg haben wir sogar noch mehr Glück mit dem Wetter und wir bekommen etwas Sonne ab. Mit Sonne sehen die ruppigen Berge links und rechts nicht mehr ganz so bedrohlich aus, aber nach wie vor sehr beeindruckend!
Beim hineinfahren bieten sich uns auch wieder grandiose Aussichten und man kann sich nur zu gut vorstellen, was die ersten Leute wohl beeindruckt gewesen sein müssen, als sie vor mehreren Hundert Jahren hier von der Meeresseite hineingefahren sind. Unter anderem übrigens unser spezieller Freund: Captain Cook.
Auf dem Rückweg machen wir auch Stopp an einer leicht überhägenden Klippe. Gruselig, wenn man bedenkt, dass sich hier immer mal Steine lösen.
Mit Sonne im Rücken tuckern wir also langsam wieder zurück in den Hafen, auch Mitres Peak kommt wieder in Sichtweite.
Im Hafenbecken bietet sich dann der bekannteste aller Ausblicke auf die Milford Sound. Gletschertäler links und rechts, Mitres Peak in der Mitte. Wenn ihr nach Milford Sound googelt, ist das das Bild was euch angezeigt wird.
Von hier aus wirkt die Sound dann auch tatsächlich am beeindruckendsten, da einfach die Größte der umliegenden Berge, die U-Form des Tals und das schwarze Wasser perfekt zusammenspielen.
Wenn man mitendrin ist, hat man den Effekt nicht so stark, beeindruckend war der Cruise aber trotzdem.
Zurück am Parkplatz bietet sich uns dann noch das absolute Postkarten-Foto der Milford Sound. Einfach klasse! Wir hatten ja vorher ein bisschen Angst, dass uns die Menschenmassen das Spektakel ein wenig madig machen, aber das war nicht wirklich der Fall. Die Natur bietet immer noch die beeindruckendsten Schauspiele!
Auf dem Rückweg machen wir zwei Stopps, den ersten bei “The Chasm”. Fragt mich nicht, wofür chasm steht, aber dahinter verbirgt sich ein kleiner Fjord-River, der sich seinen Weg durch die Felsen bahnt. Hierbei nimmt er Gestein aus seinem Flussbett auf, schleudert es beim Fließen umher und bohrt sich mit rotierenden Steinchen Löcher in die großen Felsen. Sowas haben wir auch noch nie gesehen!
Kurz danach geht es zurück durch den fiesen, langen, einspurigen Homer-Tunnel. Wir hatten zwischendurch echt Angst, dass unser armer, schwach-motorisierter Camper das nicht mehr mitmacht. Der Tunnel geht nämlich in diese Richtung nur bergauf. Hat aber alles geklappt.
Danach bietet uns das Tal, das heute morgen noch komplett im Dunkeln lang grandiose Ausblicke. Hier muss überall mal Gletscher gewesen sein, wir möchten uns nicht vorstellen wie Neuseeland zur Eiszeit einmal ausgesehen haben muss.
Wir machen noch einen kleinen Fotostopp mit unserem Camper und füttern dabei auch keine Kea-Papageien, dann geht es zurück in Richtung Te Anau!
Eigentlich wollten wir nochmal an den Mirror-Lakes vom Vortag anhalten, aber auch heute waren sie nicht perfekte Spiegel, also schnell weiter.
In Te Anau kommen wir am späten Nachmittag an und sortieren Fotos und unseren Camper. Morgen geht es dann zur Doubtful Sound, die ist noch größer und da gibt es deutlich weniger Touristen. Da freuen wir uns schon drauf.


