Neuseeland–Kepler Track: Tag 3

Wir wachen nach der langen nassen Etappe gestern recht früh auf und merken schnell: nichts ist getrocknet. Alle unsere liebevoll aufgehängten Klamotten sind ebenso nass und klamm wie gestern,- dafür hat sich die Luftfeuchtigkeit der Hütte auf den Maximalwert erhöht. Wir quälen uns in die nassen Sachen rein (immerhin habe ich trockene Ersatzschuhe dabei) und es steht schnell fest für uns: wir ziehen heute durch und sparen und die letzte Übernachtung. Lieber Blasen an den Füßen als ne Blasenentzündung.

Nach einem kurzen Frühstück geht es also los. Die ersten 16km soll es dann auch gemütlich bergab durch ein Tal gehen.

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Wir kommen schon bald am Big Slip vorbei, eine riesige Felsenlawine, die fast genauso alt ist wie Marcus, also 30, und sich nach starkem Regen vom Berg gelöst hat. Ich will wirklich nicht dabei sein, wenn sowas passiert. Auf dem Weg hält Marcus plötzlich an: Er hat Keas gesehen!

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Diese Bergpapageien hatten wir schon an der Luxemorehütte beobachten können, aber hier schienen sie sich noch mehr in ihrer natürlichen Umgebung aufzuhalten. Die gelben Ringe um die Augen und der gelbe Streifen auf dem Schnabel verraten uns, das es sich um Jugendliche handelt, außerdem bilden sie gerne “Gangs”. Wir bleiben gut eine Viertelstunde stehen und beobachten diese Troublemaker, die immer für Unfug gut sind.

Als wir ihnen langweilig wurden, haben sie sich noch karatemäßig gekloppt und uns dann ein Stück verfolgt. Das war bisher die coolste Tiererfahrung in Neuseeland!

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Nur einige Meter weiter finden wir einen vor sich her schimmelnden Baumstamm, von dem uns der Ranger schon am Vorabend erzählt hatte. Denn an diesem kann man Bohrlöcher von Kiwischnäbeln sehen! Tatsächlich haben wir in der Nacht auch Kiwis rufen gehört. Ich nur Weibchen, Marcus auch ein Männchen.

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Unser Weg führt weiter durch verwunschene und vermooste Wälder an einem Fluss entlang. Eigentlich eine sehr angenehme Strecke, aber meine Beine sind doch sehr erschöpft von den etwa 1300 Höhenmetern hoch in den letzten zwei Tagen und fast noch mehr von den 1000m bergab gestern.

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Bald quälen wir uns nur noch vorwärts (ich zumindest) und auch großartige Ausblicke auf Farnmeere heben meine Laune nicht wirklich.

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Endlich kommen wir an den Lake Manapouri. An dessen Ufer befindet sich, nach ein paar Metern mehr am Ufer entlang die dritte Hütte, in der wir eigentlich die Nacht verbringen wollten. Es ist jetzt etwa 12 Uhr mittags und so gönnen wir uns eine Mittagspause.

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Gegen 1 Uhr machen wir uns auf, die letzten 6km zu bezwingen. Marcus schreitet noch ganz gut voran, mein Wanderstil wandelt sich zunehmend in ein Kriechen.

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Wir kommen unterwegs noch durch Wetlands, Sumpflandschaft, vorbei. Diese dienten, nebenbei bemerkt, als Filmkulisse für die Totensümpfe im Herrn der Ringe.

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Endlich erreichen wir die rettende Hängebrücke am Rainbow Reach, wo unser Shuttle uns abholt. Mit beinahe letzter Kraft schleppe ich mich drüber und setzte mich mit brennenden Beinen und vier Blasen an jedem Fuß hin.

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Da haben wir ihn auch noch geschafft, den dritten Great Walk. Leider sind wir ob des zweiten Tages doch sehr enttäuscht, grade weil heute die Sonne geradezu hämisch vom blauen Himmel lacht und der Berggrat, auf dem wir gestern durch Eisregen balanciert sind, gemein runtergrinst.

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Angekommen in unserer Cabin wird erst mal geduscht und dann geschaut, wie wir unseren ganzen Kram wieder trocken bekommen. Vor allem die Wanderschuhe sind klitschnass und müssen mittels Heizlüfter getrocknet werden. Der Geruch war…atemberaubend! Gut getrocknet und mit gewaschenen Sachen geht es dann zum nächsten Ziel.

PS: Wir sollten uns eigentlich nicht über das Wetter wundern. Wir sind hier immerhin in einer der regenreichsten Regionen der Erde mit bis zu 9m Regen im Jahr.

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