Brrr was war das für eine kalte Nacht auf der Luxemore Hut auf dem Kepler Track. Die ganze Nacht hat es gestürmt und geregnet. Der Wind der hier weht ist für seine Kälte berüchtigt. Der Hütten-Ranger, Peter Jackson (Kein Witz), hatte uns am Vorabend schon davor gewarnt: Wenn Südost-Wind herrscht, bringt er kalte Luft von der Antarktis. Der Track ist ist heute gänzlich alpin, also nur über 1300m und auch nur über der Baumgrenze, er ist aber weiterhin offen und so versuchen wir mal unser Glück.
Noch einmal Füße am Ofen wärmen und dann dick einpacken, bevor wir uns vor die Tür trauen. Eigentlich sollte es ab dem späten Vormittag nur noch einzelne Schauer geben, aber als wir um etwa 10 Uhr loszogen war davon noch nichts zu spüren. Es hat kontinuierlich durchgeregnet. Aber wir sind ja nicht aus Zucker!
Nach etwa 20 Metern waren unsere Regenjacken schonmal durch. Das kann ja heiter werden. Wir kämpfen uns durch relativ starken Wind und kalten Dauerregen über Bergspitzen und auf Bergsatteln entlang. Dabei ärgern wir uns eigentlich durchgehend, denn hier hat man sonst bestimmt eine grandiose Aussicht. Einen Vorgeschmack hatte ich ja gestern bereits bekommen. Als wir den ersten Shelter nach etwa 2 Stunden erreichen, machen wir erstmal eine kleine Pause und treffen andere Wanderer. Alle sind so gefrustet wie wir. Auch beim zweiten Shelter nach weiteren 1,5 Stunden pausieren wir kurz. Hier sind wir alleine und packen endlich die Digitalkamera mal wieder aus.
Wir hatten bis hierhin Angst, dass sie nass wird. Aber was solls. Das wollen wir festhalten! Denn zwischen den beiden Sheltern fühlten wir plötzlich irgendwas hartes im Gesicht: Eis! Wir sind also irgendwie in einen Eisregen geraten. Dann könnt ihr euch ja denken, wie kalt es war. Inzwischen sind wir dann auch bis auf die Unterwäsche nass. Verdammt.
Krasse Ausblicke bleiben leider ein bisschen auf der Strecke, da wir halt in den Wolken umherlaufen. Man kann auf den Bildern zwar immer die Bergsattel sehen, auf denen wir wandern, aber die Abgründe links und rechts davon oder die vielen Berge der Kepler Mountains die uns umgeben sieht man natürlich nicht.
Hin und wieder kann man mal erahnen,wo ein dunkler Schatten ein Berg sein könnte, ansonsten sehen wir den Track und nicht viel mehr. Wir haben aber eh andere Probleme. In meinem Bart sammelt sich Eis und Conny kämpft noch mit ihren Beinen, die die erste Etappe nicht so gut weggesteckt haben.
Aber wir machen auch hieraus das Beste. Wir wollten ja Abenteuer erleben, als wir losgezogen sind im letzten Jahr und dieser Tag zählt definitiv in die Kategorie Abenteuer.
Wir kämpfen uns immer näher an die Hütte heran, in der wir heute Abend bleiben werden. Wenn wir stehen bleiben, wird uns direkt kalt, also laufen wir einfach durch.
Dann gab es plötzlich ein paar Treppen und ein paar Serpentinen (englisch: Zigzags, kein Witz!) und plötzlich wurde es wärmer und der Wind wurde deutlich weniger.
Der Grund dafür ist ganz einfach: Wir haben die Baumgrenze erreicht. Man kann Conny ansehen, wie sehr sie sich darüber gefreut hat. Hier ist das Laufen schon deutlich angenehmer. Von der tollen alpinen Strecke haben wir nur leider nix gesehen. Mpf.
Stattdessen sehen wir noch ein paar Schneisen in den Bergen von früheren Felsrutschen und kommen eine knappe Stunde später in der Iris Burn-Hütte an. Puh!
Wir suchen erstmal nach trockenen Klamotten und mummeln uns für eine Weile in unsere Schlafsäcke ein, denn wir sind ganz schön abgekühlt auf dem Weg. Mein Schlafsack ist auch nicht mehr ganz trocken, aber Connys wohl.
Danach gibt es bei uns Abendessen, heute mal keine Nudelcups wie sonst, sondern sogenannte “Backcountry Meals”. Das sind so Trockengerichte, die man mit heißem Wasser zum Leben erwecken kann, bei Conny gibt es Spaghetti Bolognese, bei mir gibt es Cottage Pie. Wir fanden beides nicht überragend und essen nächstes mal lieber wieder Nudelcups.
Wir hören uns um 19:30 Uhr noch den Standup-Comedy-reifen Ranger-Talk von Hütten-Ranger Robbie an und schlüpfen dann noch vor 21 Uhr in unsere Schlafsäcke, der Tag war anstrengend!
Morgen haben wir noch eine flache Etappe zur letzten Hütte und übermorgen nur noch 6km bis zum gebuchten Shuttleservice.


