Neuseeland–Otago Central Rail Trail: Tag 1

Heute starten wir also unseren zweiten Versuch, eine gescheite Fahrradtour in Neuseeland zu unternehmen. Die Motu-Trails, die wir auf der Nordinsel probiert haben, hatten uns ja leicht überfordert und waren eher eine Mountainbike-Strecke, dieses mal ist es angeblich viel einfacher. Wir fahren nun für zwei Tage ein Teilstück des Otage Central Rail Trail, eine zum Radweg umfunktionierte ehemalige Bahnstrecke und der erste von Neuseelands “Great Rides”. Wir starten in Omakau, wo wir unsere Fahrräder abholen und unsere Tasche mit Übernachtungssachen abgeben, die uns dann abends erwarten wird. Wir werden heute etwas über 40km hinter uns lassen und morgen dann nochmal ähnlich viele. 100m von dem Fahrradverleih biegen wir auf den Rail Trail und radeln los.

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Man fährt hier hauptsächlich auf “gravel”, also auf einer Schotterpiste. In Deutschland sind zu Radwegen umfunktionierte Bahntrassen meines Wissens sogar oftmals asphaltiert, diesen Luxus haben wir hier wohl nicht. Dafür spielt das Wetter wieder mit und auch die Landschaft um uns herum ist mal wieder herrlich!

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Vorbei an Feldern und Hügeln schrauben wir uns stets leicht bergan. Bahnstrecken haben ja eher keine starken Steigungen und so geschieht dies ziemlich subtil, aber dafür kontinuierlich.

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Wir kommen auch an vielen vielen Schafen vorbei. Neuseeland ist ja berühmt dafür, viele Schafe zu haben, so viele wie auf dieser Radtour haben wir bislang aber noch nicht gesehen. Tatsächlich reichen sie manchmal so weit das Auge reicht. Schüchtern sind sie zudem auch noch und so fangen viele immer an zu flüchten, wenn Radfahrer vorbeikommen.

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Das verwundert ein bisschen, denn auf dem Rail Trail ist ganz schön viel los. Das wird uns spätestens bei unserem ersten Stopp bewusst. Dieser ist bereits nach 7km an einem kleinen Café, welches uns wärmstens empfohlen wurde. Es wurde aber wohl auch 50 weiteren Radfahrern empfohlen, denn alle haben hier kurz Rast gemacht.

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Das Café war aber zugegebenermaßen super. Conny genoss ihren Kaffee und wir hatten einen Himbeere-Schokolade-Muffin. Der Muffin war echt klasse, Conny fand ihn sogar überragend gut.

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Nach einer halben Stunde geht es direkt wieder auf die Strecke. Jetzt wird es spannend, denn wir kommen jetzt auf den Abschnitt der heutigen Strecke, der auch viele Brücken und Tunnel verspricht. Cool.

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Brücken werden hier alle als “Viaduct” bezeichnet. Unter dieser Bezeichnung hatte ich etwas mehr als einfache Brücken erwartet, waren aber in der Regel recht einfache Brücken vom Anfang des letzten Jahrhunderts.

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Der erste Tunnel lies auch nicht lange auf sich warten. Wir haben heute zwei Tunnel auf der Strecke und morgen noch einen. Die sind alle so um die 200m lang und stockdunkel. Man soll auch absteigen, bevor man durchfährt.

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Wir meistern auch den Tunnel und kommen – Überraschung – auf der anderen Seite wieder heraus. Dort erwartet uns eine pittoreske Schlucht, durch die ein Fluss führt. Am Ufer des Flusses haben sich so gelbe Bäume angesiedelt und wachsen überall da, wo der Fluss verläuft. Das sieht von oben schon sehr cool aus wie wir finden.

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Unser Weg führt uns über einen weiteren “Viaduct”. Dieser scheint der längste zu sein, denn hier stauen sich auch viele fotografierende Leute. Ich fand ihn wieder nicht so spektakulär. Ich habe unterwegs mal eine Neuseeländerin drauf angesprochen und sie meinte, dass die Brücken für ein so junges Land wie Neuseeland schon eine Faszination ausüben. Vielleicht sind wir da von zuhause einfach andere Maßstäbe gewöhnt.

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Unser Weg führt uns wieder raus aus der Schlucht und auf platteres Land. Hier haben wir nicht nur grandiose Aussichten auf die umliegende – eher flache – Landschaft, sondern begegnen auch wieder mehr Tieren. Zum Teil sogar mitten auf der Strecke.

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Hin und wieder pausieren wir mal, um ein wenig Wasser zu trinken, über die stetige Steigung zu fluchen und Jelly Beans zu futtern. Die Jelly Beans gab es von unserem Fahrradverleih, da sie angeblich ordentlich Energie geben. Conny hat sie doch tatsächlich zwischenzeitlich mit Berty Botts Bohnen in sämtlichen Geschmacksrichtungen aus Harry Potter verwechselt und die Geschmacksrichtungen “Popel” oder “Erbrochenes” erwartet. Stattdessen hatte sie übrigens Lakritze.

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Inzwischen hatten wir auch ordentlich Gegenwind, zusätzlich zur stets leichten Steigung und so mussten wir durchaus ein bisschen kämpfen und schlichen mit etwa 10 km/h durch die Gegend.

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Die Erleichterung war groß, als dann unser zweiter Stopp in Sichtweite kam: Hayes Engineering. Hier wurden früher Maschinen gefertigt und es gab auch ein kleines Museum. Während ich meine Beine entspannt habe und eine “Organic Cola” getrunken habe, hat Conny sich das Museum mal genauer angeschaut.

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Conny sagt:

Der ganze Komplex war eine frühere Fabrik in der die Familie Hayes allerlei kleinere Gegenstände für die Agrarwirtschaft gefertigt hat, zum Beispiel Drahtzaunspanner. Das Faszinierende war, das in den Scheunen noch alles so war, als kämen die Arbeiter gleich zurück. Drehbänke, Bohrmaschinen, alles noch da und wie einsatzbereit, an den Wänden Regale mit Schrauben und Spannstücken. Und überall der Geruch von Öl und Metall Smiley. Der Familienvater hatte auch alleine alle Geräte mit einem Antrieb versehen (durch ein Windrad), was in einem Gewirr von Antriebsbändern endete, aber funktionierte. Auch seine Frau war sehr findig. Sie radelte über die Berge und durch die Weiten Otagos, um Bestellungen von Kunden aufzunehmen und auszuliefern. Eine kleine do-it-yourself-story.

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Ausgeruht ging es dann auf die letzten 15 Kilometer bis zu unserer heutigen Unterkunft. Der Wind hat nicht nachgelassen und die Sonne versteckte sich zudem immer häufiger hinter Wolken und so wurde es doch tatsächlich ein wenig kalt. Ob Connys Mütze unter dem Helm modisch vertretbar war, lasse ich trotzdem mal dahingestellt.

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Auf dem Weg passierten wir den südlichen 45. Breitengrad. Angeblich verläuft der nördliche 45. Breitengrad durch Burgund in Frankreich. Wir werden das prüfen.

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Nach einigen weiteren Kilometern erreichen wir den höchsten Punkt des Rail Trails. Das wurde aber auch Zeit, wir haben jetzt über 30 Kilometer nur bergauf hinter uns. Das war schon nicht ganz so spaßig. Das Schild am höchsten Punkt verspricht auch “It’s all downhill from here!” – Von hieraus gehts nur noch bergab. Na hoffentlich!

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Das Schild sollte Recht behalten und mit 30 km/h brettern wir die Schotterpiste für die nächsten Kilometer bergab. So macht das schon eher Spaß.

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Wir erreichen um etwas nach 15 Uhr Wedderburn. Hier werden wir in den “Wedderburn Cottages” unsere Nacht verbringen. Viel mehr gibt es in Wedderburn auch nicht. Noch eine Wirtschaft, eine Scheune und das war es dann. Cool. Unsere Übernachtungssachen warten schon auf uns und ein Zettel an der Türe sagt uns, welches Cottage wir beziehen sollen.

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Als wir unsere Übernachtungshütte sehen, wissen wir direkt: Es wird eine kühle Nacht. Das Cottage ist komplett aus Wellblech, drinnen sind zwei Betten mit jeweils 4 Bettdecken. Oha. Naja, wir werden es überleben.

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Wir schlurfen mit müden Beinen die 4 Minuten zur Wedderburn Tavern, dem örtlichen Pub. Hier gibt es um 16 Uhr noch nichts zu Essen, wie wir voller Enttäuschung feststellen müssen, also erstmal ein Bierchen in der Sonne. Auch schön.

Ab 18 Uhr bekommen wir dann aber doch was zu Essen. Conny ein Cordon Bleu und ich einen “Wedderburger”. Beides Solide. Wir stellen beim Essen fest, dass wir die einzigen nicht-Neuseeländer in dem Laden sind und am Nebentisch schimpfen die örtlichen Farmer über das Wetter. Die müffeln auch ein wenig, wie Conny feststellen muss.

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Wir schleppen uns satt und Müde zurück in unsere spartanische Bleibe und schlafen noch vor 9 Uhr ein. Wir Weicheier.

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