Nach zwei Nächten in Te Anau ging es für uns dann auf den dritten Great Walk, den wir hier in Neuseeland unternehmen. Ziemlich genau im 2-Wochen-Rythmus übrigens. Morgens um 9 standen wir am Startpunkt und ziehen los.
Unser Weg führt uns die ersten 1,5 Stunden nur durch Wald. Der Kepler-Track ist eigentlich bekannt für seine Bergpanoramen und so stellte sich schon Ernüchterung ein, war aber alles andere als langweilig.
Der Weg führte stets am Lake Te Anau entlang und so hatten wir immer mal wieder Seeblick und auch Blick aufs Wetter. Bislang hingen viele Wolken im Tal, so dass wir ein wenig Angst um unsere Aussicht hatten später am Tage.
Auch der Wald war nicht so richtig langweilig, hier waren viele Bäume und Flächen voller Moos, was dem ganzen hier eine etwas mysteriöse Atmosphäre gab.
Ich habe mich auch mal als Naturfotograf versucht und habe einige der Bewachsungen fotografiert. Ich hoffe, es kommt halbwegs rüber, wie cool das hier ausschaut.
Etwas schneller als geplant, waren wir dann an Brod Bay, das war unser erster Zwischenstopp. Dieser fiel jedoch kurz aus, Sandflies-Alarm! Also schnell weiter. Von nun an geht es stets bergauf. Etwa 700 Höhenmeter.
Wir kommen ordentlich ins Schwitzen beim Anstieg und Conny kommt sogar dermaßen auf Temperatur, dass sie in der kühlen Morgenluft dampft.
Belohnt werden wir schon auf halber Strecke mit hübschen Aussichten über die Stadt Te Anau und den zugehörigen See.
Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichen wir die “Limestone Bluffs”, also Felsvorsprünge. Waren auch garnicht mal so unspektakulär. Aber leider auch anstrengend, da man hier mittels Treppenstufen weiterklettert.
Wir kraxeln einige Minuten über diese Treppen und an weiteren Felsen vorbei und nach wenigen Minuten war es das auch schon mit den groß angekündigten “Limestone Bluffs”.
Stattdessen geht es weiter mit Moos-Wald wie zuvor. Allerdings wird es heller, die Baumgrenze kann also nicht weit entfernt sein.
War sie auch nicht. Von einem zum anderen Moment stehen wir nicht mehr im Wald, sondern auf flachem Terrain. Wir hatten uns den Übergang nicht ganz so schlagartig vorgestellt.
Wir machen hier erstmal ein kleines Päuschen und genießen die Panorama-Aussicht. So haben wir uns das vorgestellt! Wolkig ist es hier oben auch nicht! Herrlich!
Sogar ein wenig Sonne kommt heraus und so kommen wir sogar ein wenig ins Schwitzen, aber man kann bei solch einer Aussicht ja auch gerne mehrere Pausen machen.
Die Hütte ist von diesem Punkt aus noch etwa 45 Minuten entfernt, die schaffen wir auch noch, wir sind jetzt etwa 4-5 Stunden unterwegs.
Je weiter wir laufen, desto mehr Berge kommen in Sichtweite. Zu Beginn bilden sie ein dunkles, bedrohliches Hintergrundpanorama, was mit dem sonnenbeschienenen Vordergrund kollidiert. Cool.
Wir wandern also weiter auf die Berge zu, die Landschaft bleibt vorerst die selbe, nämlich spärlich mit Gräsern bewachsen.
Die Berge und die Schlucht zwischen uns und den Bergen kommen jedoch näher und wir erkennen immer mehr Details wie Flüsse oder weitere Berggipfel in der Ferne.
Und nach einer kleinen Biegung stehen wir plötzlich schon vor der ersten Hütte, der “Luxmore Hut”. Die Luxmore Hut ist zweistöckig und fasst über 50 Personen, was wir ein wenig uncool finden, da geht doch die ganze Hüttenromantik verloren. Aber man will ja nicht meckern.
Während Conny es sich in der Hütte bequem macht, mache ich noch einen Ausflug zum nahegelegenen Mount Luxmore. Eigentlich passieren wir den morgen, aber da Wolken angesagt sind, versuche ich heute mal mein Glück, um dort eine grandiose Aussicht zu erhaschen.
Nach der Luxmore Hut geht es wieder erbarmungslos bergauf, meine armen Beine! Aber wer einen Berg besteigen will, muss nunmal nach oben klettern.
Die Panoramas, die sich mir bieten, werden auch durch die zusätzlichen Höhenmeter immer faszinierender! Immer spektakulärer bauen sich immer mehr Berge in der Ferne auf.
Sowas ist ja kaum in Bildern wiederzugeben, ich habe es natürlich versucht und stundenlang Panoramabilder fabriziert, ich hoffe man erkennt, wie grandios die Sicht war.
Zwischen den Bergen konnte man schon einige Regenschauer erkennen. Ich entscheide mich aber zur Flucht nach vorne und möchte nicht umkehren, bevor ich den Berg nicht bestiegen habe.
Meine Regenjacke habe ich natürlich an der Hütte gelassen. Verdammt. Aber das ist mir in dem Moment auch egal. Ich bin einfach hin und weg von den ganzen Bergen.
Nach etwa 1 Stunde erreiche ich die Abzweigung zum Gipfel von Mount Luxmore. Ich zögere nicht lange und klettere den Geröll-Pfad nach oben.
Die meiste Zeit ist es relativ einfach nach oben zu kommen, hin und wieder muss man aber auch richtig klettern. Das Ganze dauert so in etwa 10 Minuten und man sollte schon schwindelfrei sein!
Aber was soll ich sagen? Das gekraxel lohnt sich! Von hier aus ist die Sicht nochmal beeindruckender und vorallem auch in alle Richtungen, denn Mount Luxmore scheint definitiv einer der höheren Berge hier zu sein. Er hat 1472m. Somit ist er zwar nicht der höchste Punkt unserer Reise, aber der erste alpine Berggipfel den ich besteige. Yeah!
Nach vielen vielen Fotos und vielen Minuten, die ich nur dort sitze und in die Runde gucke, kommt langsam aber sicher der Regen näher und ich muss mich auf den Rückweg machen. Irgendwann wird es hier bestimmt auch dunkel!
Im halben Sprint und mit nassem T-Shirt erreiche ich die Hütte und treffe Conny wieder. Es gibt wieder Hütten-Abendessen bei uns, das sind ja meistens Nudelbecher bei mir und Asia-Nudeln bei Conny.
Von unserem Bett unserer Matratze aus können wir die Berge sehen, dürfen aber erst nach einem “Ranger Talk” schlafen gehen, denn der ist verpflichtend. Es soll ein bisschen kühl und wolkig werden morgen, vielleicht ein paar Schauer. Klingt okay. Gute Nacht.


