Neuseeland–Zwei Gletscher und ein Skydive

Nach dem Besichtigen der Pancake Rocks führt uns unser Weg weiter gen Süden. Schon bald tauschen wir die hübsche Küstenlandschaft gegen die Southern Alps, die dominierende Bergkette der Südinsel. Unser ziel, die beiden berühmtesten Gletscher Neuseelands, erreichen wir am späten Nachmittag.

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Wir erreichen zuerst den nördlicheren Gletscher, Franz Josef Glacier, der aber nur 20km von dem Anderen Gletscher, Fox Glacier, entfernt liegt. Hier steigen wir direkt mal aus und begeben uns auf Gletschersuche. Bereits das Schild fanden wir spannend, denn hier wird häufig die Zeit angepasst, die man bis zum jeweils aktuellen Lookout benötigt. Der Gletscher ist nämlich stetig auf dem Rückzug und auch die Felsen ringsherum sind wohl stetig in Bewegung, weswegen der Lookout häufiger verlegt wird.

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Als wir das Gletschertal erreichen, macht sich bei uns zunächst einmal Ernüchterung breit: Der Gletscher ist schon sehr weit zurückgezogen. Hier stehen überall Schilder, wo der Gletscher in welchem Jahr gewesen ist und alleine in den letzten 6 Jahren hat er sich mehrere hundert Meter nach hinten verlagert.

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Nach langer Wanderung erreichen wir den Lookout und sind noch ein wenig mehr ernüchtert, denn man kann kaum etwas vom Gletscher sehen. Er versteckt sich schon arg hinter der nächsten Felskante und man kann nur erahnen, wo er denn tatsächlich endet.

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Wir schießen ein letztes Foto von dem sichtbaren Teil und fahren weitern zum Fox Glacier. Diesen schauen wir uns aber nicht mehr heute an. Stattdessen schlagen wir unser Lager am frühen Abend im hiesigen Holiday Park auf und ärgern uns noch ein wenig über die happigen Preise des einzigen Lebensmittelgeschäfts im zum Gletscher zugehörigen Dorf.

Der nächste morgen beginnt alles andere als gut gelaunt, denn es hat die ganze Nacht geregnet. Verdammt, denn heute soll ich doch meinen Fallschirmsprung machen. Ein Glück kommt ab 9 Uhr die Sonne raus und es zeigt sich dann doch noch ein strahlend blauer Himmel. Perfekt. Also ab zum Skydiving-Unternehmen und rein in die uncoolen Klamotten.

Angeblich soll das hier der weltweit zweitbeste Fallschirmsprung nach dem Mount Everest sein, aber die können ja viel erzählen. Interessieren tut mich das alles eh erstmal nicht mehr, denn ich bin übelst nervös. Man stürzt sich ja nicht jeden Tag aus 4km Höhe aus einem Flugzeug! Mein argentinischer Tandem-Sprung-Partner hat etwa 1300 Sprünge hinter sich und ist kein Stück nervös, das macht es einfacher.

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Bevor ich überhaupt die grandiose Aussicht aus dem Flugzeug bewundern kann, reist jemand die Tür neben mir im Flugzeug auf und meine Beine baumeln draußen. Oha, jetzt gibts wohl kein zurück. Die Ampel springt auf grün und plötzlich verschwindet das Maschinengebrumm des Flugzeugs.

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Um mich herum pfeift der Wind und es fühlt sich ein bisschen an wie in der Achterbahn. Ich schreie aus voller Kehle. Ein geiles Gefühl! Nach wenigen Sekunden darf ich meine Arme auch ausbreiten, das hilft aber nicht viel, man fällt trotzdem wie ein Stein nach unten.

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Nach einer knappen Minute gibt es einen heftigen Ruck und mein Tandem-Argentinier und ich hängen im Fallschirm. Wir werden deutlich langsamer und die Bremsung war auch ganz ordentlich. Danach wird alles viel gemächlicher. Wir machen ein High-Five, ich darf meine uncoole Schutzbrille abnehmen und wir segeln in totaler Stille über den Wolken her. Die Aussicht ist Atemberaubend.

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Es gibt wohl auch nur wenige Fotos, wo ich in die Kamera schaue, weil ich so sehr damit beschäftigt war, die Aussicht einzufangen. Die Berge. Der Gletscher. Die Wolken von oben. Flüsse und Straßen. Es war einfach grandios!

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Nach einigen ruhigen Momenten, drehen wir ein paar scharfe Kurven mit dem Fallschirm, die mir ein wenig auf den Magen schlagen. Bzw. eigentlich drehe ich die Kurven selber, denn ich darf den Schirm selber lenken und ziehe auf Anweisung links oder rechts stark oder weniger stark. Die krassen Fliehkräfte in den Kurven haben mich dann aber doch ein wenig überrascht.

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Nach nur wenigen Minuten – gefühlt sowieso nur Sekunden – nähern wir uns dem Boden und setzen zur Landung an. Ich winke dabei nocheinmal entspannt Conny zu, die ich im Knall-Pinken Hoodie sofort auf dem Boden stehen sehe. Dann heißt es Beine anziehen so hoch es geht, denn gelandet wird auf dem Allerwertesten. Wir rutschen einige Meter auf dem Rasen und dann war es schon wieder alles vorbei.

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Die Landung hat Conny von unten sogar auf Video festgehalten. Ich will mich ja nicht loben, aber das sieht schon top aus. Naja, zu diesem Zeitpunkt habe ich ja auch nicht mehr gelenkt. Smiley

Ein letztes Erinnerungsfoto auf dem Landefeld und dann werde ich in Rekordgeschwindigkeit von Fallschirm, Helm, Handschuhen und Schutzbrille befreit, denn auf dem Flugfeld warten schon die nächsten Springer auf ihre Tandempartner.

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Während meine Mit-Springer landen, haben Conny und ich kurz Zeit, meine ersten Eindrücke auf Video festzuhalten. Ich habe das Grinsen für den ganzen Tag nicht mehr so richtig aus dem Gesicht bekommen. Einfach sehr beeindruckend alles.

Nach dem Adrenalin-Stoß tun wir uns erstmal ein bisschen Ruhe an und konsumieren eine Kleinigkeit in der örtlichen Bäckerei. Ich erzähle von Wolken, Bergen, Gletschern und freiem Fall, Conny hört zu. Danach schauen wir kurz im Holiday Park vorbei, bevor wir uns endlich aufmachen, den Fox-Glacier auch mal aus der Nähe zu begutachten.

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Wir stellen fest: Er ist deutlich einfacher zu erreichen als sein Kollege Franz und das obwohl er angeblich ein gutes Stückchen kleiner ist. Eigentlich wollten wir heute auch drauf rumklettern, aber sämtliche Klettertouren wurden abgesagt, weil sich irgendwo Eis gelöst hat, wodurch sich wohl unerwartet ein neuer Fluss gebildet hat.

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Macht nix, die Aussicht von hier ist auch schon ziemlich toll. Zwar hat sich der Fox Glacier ebenfalls in den letzten Jahren deutlich verkleinert, jedoch kommt man deutlich näher ran und kann so auch mal das Ende des Gletschers sehen.

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Wir stehen eine Weile am Lookout und schauen dem Gletscher zu. Während wir dort stehen, knackt und grummelt es immer mal wieder, der Gletscher ist halt stets am arbeiten.

Dabei ist es nicht nur Eis, das knackt, sondern auch das Geröll ringsherum kommt schonmal in Bewegung, da es nicht mehr vom sich zurückziehenden Eis gestützt wird.

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Ein letztes Erinnerungsfoto und wir ziehen los, um noch einen Aussichtspunkt zu suchen, der uns empfohlen wurde. Erreicht haben wir ihn aber nicht mehr, denn es fing an wie aus Kübeln zu regnen. Verdammt. Naja, war vielleicht auch genug für einen Tag.

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