Beine und Füße fühlen sich eigentlich ganz gut an, als wir morgens aufbrechen. Wir starten auf jeden Fall enthusiastisch auf die heute 21km lange Etappe.
Die ersten Kilometer schaffen wir auch mit links, immerhin geht es heute fast ausschließlich bergab. Also so ziemlich alles, was wir am ersten Tag hochgelaufen sind. Nach einer Weile macht aber Connys kleiner Zeh ordentlich Probleme. Wir tragen ja beide neue, nicht eingelaufene Wanderschuhe und so bleiben ein paar Druckstellen wohl nicht aus. Bei mir hat es den großen, bei Conny den kleinen Zeh erwischt.
Durch die Fuß-Problematik bauen wir einige Pausen in unser Tag ein. Das ist auch garnicht schlimm, denn Pause machen wir immer gerne. Die Aussicht ist nur leider nicht so überragend, wie bereits am ersten Tag laufen wir heute wieder viel durch Wald.
Erlösung gibt es für uns, als wir die Lewis Hut sehen. Das heißt, wir haben schon 12 Kilometer hinter uns und auch den langweiligen Wald. Wir machen in der Hütte erstmal Pause und genießen Wurst, Käse und ein wenig Schuh-Freiheit für unsere Füße.
Den Aufenthalt in der Hütte dehnen wir länger aus, als es sein muss, denn ab diesem Punkt werden wir es für den Rest des Tracks stets mit den berüchtigten “West Coast Sandflies” zu tun haben. Sandflies sind kleine Fliegen, die aber stechen können. Die Stiche jucken wie Bolle und bleiben gerne mal 5 Tage präsent. Diese kleinen Mistviecher gibt es die gesamte Westküste Neuseelands entlang im Überfluss. Verdammt.
Dafür wird ab hier die Landschaft cooler. Es gibt wieder ein paar Hängebrücken über Flüsse und massenhaft große Urwaldbäume, die wir uns immer wieder gerne anschauen, weil sie echt beeindruckend sind.
Durch diese Dschungel-Landschaft kämpfen wir uns weiter vor, wir haben ab der Hütte noch 8km vor uns gehabt, diese ziehen sich wie Kaugummi. Unsere Füße drücken nun schon ganz schön und aus irgendwelchen Gründen bin ich mit meinen Kräften deutlich mehr am Ende als Conny.
Das sieht man mir auf dem folgenden Foto auch kaum an. Es ist etwa 1km vor der Hütte entstanden und ich war wirklich am Ende.
Endlich erreichen wir am späten Nachmittag die Heaphy Hut, diese ist riesig und sehr modern und lädt uns dazu ein, Kräfte für die letzte Etappe morgen zu sammeln. Außerdem bietet sie Schutz vor den Sandflies, die es hier um die Hütte herum zu tausenden gibt.
Das Besondere an der Heaphy Hut ist ihre Lage quasi direkt am Strand, natürlich in Richtung Westen also in Richtung Sonnenuntergang. Dieser war auch mal wieder sehr beeindruckend.
Zwischendurch habe ich mich auch raus getraut, um ein paar Fotos zu machen. Jedoch nur mit langer Hose, langen Ärmeln, Mütze und Buff im Gesicht, denn sonst wird man direkt zerstochen. Kein Witz! Sobald man kurz stehen bleibt, hat man bestimmt 200 Sanflies um sich herum.
In der Sandflie-Sicheren Hütte quatschen wir noch ein bisschen mit den Mitwanderern (zumeist Neuseeländer) und fallen dann ins Bettchen. Morgen steht die letzte Etappe an, die werden wir ja wohl auch noch schaffen!


