Wir wachen etwa um halb sieben relativ erholt in unserer Hütte auf. Schnell angezogen und einen Happen gefrühstückt, dabei konnten wir einen tollen Sonnenaufgang beobachten. Unsere Füße weisen von dem Gehetze gestern tatsächlich einige Druckstellen auf. Oder vielmehr von unseren neuen, nicht eingelaufenen Wanderschuhen, die wir uns gegen umgeknickte Knöchel zugelegt haben.
Gegen halb neun heißt es dann: losgewandert. Heute steht mit 24km die längste Etappe auf dem Plan. Das letzte Mal, dass ich solche Distanzen überwunden habe.liegt gefühlt zwanzig Jahre zurück und Marcus ist überhaupt noch nicht so lang gewandert. Aber wir haben heute ja den ganzen Tag.
Der Weg führt uns zunächst – wieder – durch Wald bergab und wir sehen wieder viele kleine und größere Vögel. Wir laufen über Stock und Stein und auch über kleine Flüsschen.
Bald aber wird die Pflanzenwelt niedriger und vor uns tun sich die Gouland Downs auf, eine 800m hochgelegene Steppenlandschaft. Im Morgenlicht und mit einigen tiefhängenden Wolken in den umgebenden Bergen ein toller Anblick!
Bald darauf entdecken wir einen toll gelegenen Picknicktisch mit grandioser Aussicht und es heißt erstmal hobbitgetreu: Zweites Frühstück. Dabei beobachten wir unsere Hüttengefährten, die uns alle überholen. Das ist uns ganz recht, denn wir wollen uns nicht stressen lassen.
Nach kurzer Stärkung geht es durch die grasbewachsenen Hügel, durch die sich der Weg windet.
Und da kommt auch schon der weltbekannte Shoe Pole in Sicht. An diesem Holzpfahl werden wohl schon seit Jahren (Wander)Schuhe hinterlassen bzw. getauscht. Angesichts unserer drückenden Schuhen überlegen wir kurz, dort etwas mitgehen zu lassen, aber Highheels und Pantoffeln scheinen uns noch weniger angemessen. Dafür haben wir auf einem der Bilder den kleinen Maulwurf versteckt.
Vorbei an der kleinen Gouland Downs Hut, in der man auch übernachten kann. geht es weiter. Unendliche Weiten und Einsamkeit, genau unser Ding.
Der Weg führt durch einen verwunschenen und moosbewachsenen Wald mit kleinen Höhlen, dann wieder durch Steppe und über Flüsse, die wahlweise mittels Brücke oder so überquert werden können. In unserem Fall geht es wegen dem niedrigen Wasserstand meist auch so. Das Wetter spielt mit, der angesagte Fisselregen bleibt aus.
So können wir den Weg völlig genießen. Bei Nebel kann man wohl leicht die Orientierung verlieren hier.
Nach etwa 12km erreichen wir die Saxon Hut, in der wir unsere wohlverdiente Mittagspause halten. Auch hier hätte man übernachten können und im Nachhinein wäre das vielleicht weise gewesen.
Mit wunderschöner Aussicht genießen wir ein paar Annehmlichkeiten und machen uns dann weiter auf den Weg. Von dem gibt es erstaunlicherweise weniger Fotos. Zunächst einmal verschwanden die tollen Aussichten zunehmend in wiederkehrenden Wald. Dann ging es nur noch bergauf. Unsere Füße schmerzten immer mehr. Und noch immer sind es gut 10km bis zu unserem Tagesziel.
Die Stimmung sinkt immer schneller und nur mit gegenseitiger Motivation können wir uns noch antreiben.
Von der Landschaft bekommen wir immer weniger mit und hoffen am Ende nur noch auf das Schild, das uns den letzten Kilometer vor der James Mackay Hütte anzeigt. Und der zieht sich dann. Gefühlte 5km später haben wir es aber geschafft.
Ziemlich fertig kommen wir in der schon vorgeheizten gemütlichen Hütte an. Bleibt nur noch die Frage: Wie sollen wir den morgigen Tag mit nochmal 21km überstehen?


