Neuseeland–Northern Circuit: Tag 2

Ohne Weckerklingeln stehen wir um etwa 6:30 Uhr senkrecht im Bett. Um uns herum wird es unruhig, denn alle wollen wohl recht früh los. Wir hauen uns ein bisschen Frühstück in die Backen und verlassen die Hütte um 7:30 Uhr. Ich weiß nicht, wie das bei Conny ist, aber mein Rucksack fühlt sich deutlich leichter an. Vier Bananen weniger machen also so viel aus! Zwinkerndes Smiley

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Es ist noch recht nebelig draußen und wir stapfen durch sehr vulkanische Landschaft. Leider auch nicht alleine. Diesen Teil der Wanderung kann man wohl auch als Tagesausflug machen und das machen dann tausende von Teenagern täglich. Die haben wir also alle um uns herum heute. Zumindest mal für die Hälfte der Strecke.

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Hier sieht es auch schon sehr Mordor-esk aus. Überall Asche und schwarze Lavabrocken, dazu natürlich noch der Nebel. Peter Jackson könnte es nicht besser ausgesucht haben.

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Wir nähern uns nach knapp einer Stunde unserem ersten richtigen Aufstieg auf dieser Wanderung. Es geht etwa 400m hoch. Nicht direkt Mount Doom hoch, zumindest nicht ganz. Man könnte sogar auf den Gipfel und einen Ring reinschmeißen, heute hängt er aber eh voll in den Wolken, so dass man dort oben eh nichts sehen kann.

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Bevor es an die erste Steigung geht, steht dort extra noch ein Warnschild, dass man auch ja nur gut vorbereitet hochklettern soll. Conny zweifelt noch, aber im Vergleich zu unseren Tagesausflug-Mitwanderern sind wir erstklassig vorbereitet. Manche versuchen es doch glatt mit Turnschuhen und Jeans. Bei schlechterem Wetter wäre das richtig gefährlich.

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Wir entscheiden: Wir sind gut genug vorbereitet und quälen uns den Pfad hoch. Der wieder schwerer werdende Rucksack hilft dabei natürlich nicht wirklich, wir gewinnen aber trotzdem recht fix an Höhe und überholen sogar Leute. Das sind dann Schüler eines Klassenausflugs, die wohl nicht ganz so fit sind wie wir! Wir sind ein bisschen stolz!

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Zwischendurch brauchen aber auch wir eine kleine Pause und so essen wir erstmal schön eine Banane auf Mount Doom, das haben sich Frodo und Sam wohl nicht getraut! Ha!

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Nicht zu verachten ist auch die Aussicht die wir während unserer Pause genießen. Wir haben schon ein paar Höhenmeter gemacht und schauen zurück in das Tal, durch das wir heute morgen gewandert sind und an dessen Anfang wir die letzte Nacht verbracht haben.

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Nach unserer ersten krassen Steigung erwartet uns der “South Crater”. Der ist eigentlich kein echter Vulkankrater, sondern nur durch die geologischen Formationen um ihn herum so geformt worden. Für uns stellt er sich als große flache Fläche auf etwa 1500 Metern dar. Mount Doom sehen wir aber auch von hier nicht, der hängt immernoch in den Wolken.

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Hier sehen wir dann auch die ersten Sonnenstrahlen des Tages, die hier auf die Ebene scheinen. Das Laufen auf gerader Ebene tut unseren Beinen gut und wir sind frohen Mutes, das wir auch den zweiten Anstieg schaffen, der nun vor uns liegt.

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Nochmal etwa 300 Meter müssen wir hoch zum “Red Crater”, dem höchsten Punkt unserer gesamten Wanderung. Der ist dann auf etwa 1900 Metern und somit schon ordentlich hoch.

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Wir legen auch sehr enthusiastisch los und stellen nach wenigen Metern fest: Das wird schwerer als erwartet. Die Steigung ist noch steiler als zuvor und der Weg verdient die Bezeichnung als solcher eigentlich nicht, denn wir klettern hier über Felsen und Geröll.

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Hin und wieder heben wir den Kopf und werden mit grandiosen Aussichten belohnt. Da wir auf so einem Sattel entlanglaufen kann man links wie rechts hinunterschauen und wenn denn gerade keine Wolken da sind sieht man auch etwas!

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Ich will nicht lügen, es war schon eine üble Kletterei. Wir haben auch mittendrin eine kurze Pause gemacht, um uns einen Müsliriegel reinzudrücken und etwas zu trinken. Aber das wichtigste ist: Wir haben es geschafft!

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Belohnt wurden wir mit jeder Menge Wolken. Verdammt. In einer klaren Sekunde konnten wir aber doch kurz in den Red Crater hinunterschauen. Seinen Namen hat er offensichtlich von der roten Erde/Asche in seinem innern. Er ist auch noch partiell am dampfen. Wir schießen schnell ein paar Fotos und dann versinkt er auch schon wieder im Nebel der nächsten Wolke.

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Wir hatten kurz überlegt, ein wenig zu warten, bis das Wetter aufklart, damit wir hier mehr sehen können, Mount Doom zum Beispiel, haben uns aber dagegen entschieden, denn hier ist es schweinekalt. Außerdem pfeift uns ein ordentlicher Wind um die Ohren und so entscheiden wir uns für den sofortigen Abstieg.

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Auch wenn wir zunächst nicht so wirklich wissen, wo der denn sein soll. Plötzlich waren nämlich alle Leute um uns rum weg und wir in eine dicke Wolke gehüllt. Schon ein bisschen gruselig, wenn es sich so anfühlt, als sei man alleine hier oben. Wir finden den Weg dann doch und machen uns an den mühseligen Abstieg.

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Eigentlich ist der Abstieg auch nur eine Schotterpiste, auf der wir uns mit den dicken Rucksäcken mehrmals fast langlegen.

Während wir so die Schotterpiste abwärts rutschen genießen wir allerdings grandiose Aussichten auf die sogenannten “Emerald Lakes”. Das sind kleine vulkanische Seen mit massig Mineralien drin, die sie in grün oder blau leuchten lassen. Die Aussicht war aber auch unabhängig von den Seen atemberaubend!

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Wir rutschen bis ganz nach unten und biegen hier endlich von der Touristen-Route ab in Richtung unserer Hütte. Auch in diese Richtung bietet sich eine grandiose Aussicht und die haben wir ganz für uns alleine!

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Hier wartet der nächste Abstieg auf uns. Die Emerald Lakes sind immerhin noch auf 1600 Metern und unsere Hütte dann auf 1300m. Dieser Abstieg ist zwar keine Schotterpiste, aber eine Geröllpiste und so schleichen wir vorsichtig weiter bergab.

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Auf dem Weg haben wir noch Zeit für ein Foto von uns und hin und wieder haben wir auch freie Sicht auf Mount Doom, der jetzt natürlich wolkenfrei ist. Verdammt!

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Wir wandern weiter durch vulkanische Landschaften. Der Boden ist hier ziemlich sandig und wir sind umgeben von vielen schwarzen Gesteinsformationen. So Lavagestein ist übrigens nicht wirklich schwer oder massiv, manchmal zertritt man tatsächlich auch Steine.

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Eigentlich dachten wir, wir hätten es nicht mehr so weit zur Hütte und so erwarten wir das rettende Ziel schon hinter jeder nächsten Biegung, der Weg zieht sich aber noch ein ganzes Stück, bevor wir die Hütte endlich erreichen.

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Dort angekommen treffen wir Madlen wieder, die wir schon vor zwei Tagen im Hostel kennengelernt haben. Zusammen mit weiteren Wanderern aus den USA, Schottland und Deutschland nehmen wir hier unser Abendmahl zu uns und finden es hier viel angenehmer als in der letzten Hütte.

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Der Schock kam dann am Abend, als der für die nächste Hütte zuständige Warden laut vor dem Wetter des übernächsten Tages warnt. Man solle doch schauen, dass man dann nicht auf dem Track unterwegs ist. Verdammt, das wäre unsere letzte Etappe gewesen. Gemeinsam mit Madlen beschließen wir, morgen die letzten beiden Etappen an einem Tag zu laufen. Oha.

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