Unsere erste Nacht im eigenen Auto! Gegen sieben Uhr wachen wir in unserem kleinen Toyota auf. Marcus hat die Nacht insgesamt recht gut überlebt, während ich diverse Male einen Puls von 210 hatte. Eichelangriffe der Bäume neben uns, laut ratternde Züge oder unmöglich laut brummende Straßenkehrmaschinen haben mir den Schlaf geraubt. Gegen die morgendliche Kälte hat Marcus aber das richtige Mittel: seine “workwear” Jacke, gefüttert mit Fleece im schicken Karomuster!
Hier sind wir also, auf dem Parkplatz der i-site in Matamata. Der ein oder andere wird wissen, warum wir hier sind, spätestens nach dem kleinen Fototip im letzten Eintrag. Die anderen erraten es vielleicht beim Anblick der kleinen Gollumstatue, die in der i-site aussteht, und mit der wir ein wenig Schabernack trieben.
Alle anderen brauchen vielleicht garnicht weiterzulesen, weil es sie nicht interessieren wird
, denn heute geht es zu einem der absoluten Reisehöhenpunkten, auf die wir uns seit wir die Reise planen, gefreut haben, heute geht es nach….Trommelwirbel….HOBBINGEN! Das Filmset wurde zwar nach dem Herrn der Ringe mehr oder weniger abgebaut, aber für den Hobbit wiederaufgebaut (und erweitert) und diesmal bleibt es für Filmfans wie uns, die sich das ganze gerne angucken wollen. Juchu! Also ab in den Tourbus und los geht’s, ins Auenland, was sich versteckt zwischen Hügeln einer örtlichen Schaffarm befindet. Wir bekommen auf dem Weg schon Angst: das Umland ist total ausgedörrt, weil es wenig geregnet hat, wird das Auenland so grün sein, wie in den Filmen?
Nach wenigen Minuten wird uns klar: Es ist grün, was wohl an den 5 Vollzeitgärtnern liegt, die hier beschäftigt sind, wie uns unser Guide erklärt (ohne Führung kommt man leider nicht hin…). Wir betreten Hobbingen durch ein kleines Holztor, vorbei am Willkommenschild und gehen durch die gleiche Gasse, durch die Gandalf seinen Karren fährt,- und vor uns eröffnet sich ein toller Blick auf den “Hill”, den sagenumwogenen Hügel von Bilbo Beutin.
Überall um uns herum sehen wir Hobbithöhlen soweit das Auge reicht; auch der kleine Garten, komplett bepflanzt mit echtem Gemüse und die Hobbithöhlen liebevoll bepflanzt: bestimmt so, als ob ein Hobbit in jedem dieser Löcher wohnen würde. Wir sind begeistert. Und glücklich.
Unser Guide führt uns langsam den Hügel herauf und erklärt uns jede Menge Trivia, zum Beispiel (das ist dem süchtigen Fan natürlich bekannt) dass die Hobbithöhle unterschiedliche Maßstäbe haben, je nachdem, ob mit Hobbitdarstellern oder Menschen/Zaubererdarstellern gefilmt wurde: Die Hobbithöhlen sind menschengroß, die Höhlen, die mit “großen” Darstellern gefilmt wurden, kleiner.
Dadurch konnte man einige lustige Fotos machen: Zum Beispiel Marcus als Hobbit, der für diese Rolle seit Monaten seine Haarpracht zu einer frodoähnlichen Mähne gezüchtet hat und sich gestern sogar seinen Bart abrasiert hat, was zu allerlei lustigen Kommentaren geführt hat.
Von idyllischem Gartenzubehör bis zur Ausstattung der Höhlen ist alles mit einer geradezu rührenden Detailverliebtheit ausgestattet: während der Dreharbeiten war sogar jemand engagiert, der jeden Morgen die Wäsche auf- und abends wieder abgehängt hat, nur damit im Gras die Fußspuren des vermeintlichen Hobbits zu sehen sind.
Auf dem Hügel angekommen standen wir dann vor “Bag End”. “Schon immer hat hier ein Beutlin unter dem Berg gewohnt.” Alles ist so, wie man es aus den Filmen kennt, bis hin zum nicht verzichtbaren Schild auf dem Tor.
Viel zu wenig Zeit blieb uns allerdings für die Fotos, die wir machen wollten, unter anderem Marcus als Frodo:
Zugegebenermaßen ist es ein Silberring und für die passenden Klamotten waren wir nicht nerdig genug, aber Spaß hatten wir trotzdem!
Weiter ging es hinab zur Festwiese, wo der große Partybaum steht, unter dem Bilbo an seinem 111. Geburtstag verschwindet. Bei der Suche nach der geeigneten Location war wohl die Zielvorgabe, ein hügeliges Land mit See und großem Baum zu finden: Tada! Um den Baum herum war ursprünglich nur leider ein Sumpf, welchen die neuseeländische Armee (!) trockengelegt hat.
Von dort aus hatte man auch einen schönen Blick auf Beutelsend, der Baum, der auf dem Hügel laut Buch wächst, ist übrigens komplett künstlich aus Stahl und Silikon und alle Blätter sind einzeln angeklebt worden und fallen auch immer wieder ab. Zu sehen ist er in den Filmen ungefähr 30 Sekunden lang.
Von der Festwiese aus überblickt man auch den kleinen See, mit der Mühle und dem legendären Grünen Drachen, dem Hobbitwirtshaus.
Dorthin führte uns der Weg dann auch; wobei es immer wieder die idyllischen Ansichten gab, die man vom Auenland erwartet.
Und dort im Wirtshaus endete unsere Tour dann auch, nicht ohne, dass wir vorher noch ein Getränk in Hobbithumpen zu uns nehmen durften. Bei Marcus gab es Ingwerbier, bei mir ein Ale!
Und das war sie schon, unsere Tour durch Hobbingen. Als absolute Film- und Buchfans waren wir keineswegs enttäuscht von dem, was uns für den durchaus happigen Preis von etwa 50€ geboten wurde. Wer kein Fan ist oder die Filme /Bücher nie gesehen/gelesen hat (immerhin ca 35% der Besucher), wird sich wahrscheinlich ärgern. Es wäre schön, wenn man mehr Zeit hätte, um Hobbingen selbst zu erkunden, aber wer weiß, wie es dann da aussähe.
Für uns wahr es ein weiterer Reisehöhepunkt und wir werden den Ort nicht vergessen, erst recht nicht, wenn wir das nächste mal die Filme schauen!


