Der Wecker klingelt heute mal wieder übelst früh, nämlich um 5:45 Uhr. Puh. Aber was will man machen, wir wollen ja was erleben hier. Heute steht für uns die “Cape Reinga”-Tour auf dem Programm, die war bei unserem Bus-Pass mit dabei und so ganz genau wissen wir nicht, was uns erwartet. Wir sind auf jeden Fall heiß drauf, weil wir den nördlichsten Punkt Neuseelands, das ist nämlich Cape Reinga, sehen wollen. Also raus aus den Federn, rein in dicke Klamotten (es ist nämlich kalt) und beim Warten auf den Bus den Sonnenaufgang beobachten.
Der selbst für neuseeländische Verhältnisse viel zu entspannte Busfahrer hatte uns erst vergessen und kam dann nochmal zurück, um uns dann doch noch aufzusammeln, etwas über eine halbe Stunde nach Pickup-Zeit. Wir sind auf jeden Fall froh, dass er uns noch mitgenommen hat. Unser erster Stopp ist dann ein kleiner Rundgang, nämlich der Manginangina Walk. Der wurde damals für viel Geld für die Queen gebaut und ist über 300m lang, die Queen hat aber wohl leider nur 10m davon begutachtet und ist dann wieder abgedampft. Tse. Also rauf auf den teuren Rundgang, der uns die lokale Vegetation näher bringen soll. Darunter natürlich auch wieder die großen “Kauri”-Bäume.
Die ältesten Kauri-Bäume hier in NZ sind wohl so um die 2000 Jahre alt, so einer steht hier auch am Manginangina-Walk. Als die ersten Siedler nach Neuseeland kamen, gab es wohl auch noch Bäume, die über 4000 Jahre alt waren, unfassbar!
Leider sind die Bäume sowohl bei Maori als auch bei den ersten europäischen Siedlern sehr beliebt gewesen, um daraus Dinge zu fertigen, wie zum Beispiel Kanus. Heutzutage dürfen keine Kauri-Bäume mehr gefällt werden, sondern nur noch welche verarbeitet werden, die von selber umfallen. Der Bestand der Bäume ist heute bei ungefähr 3% des ursprünglichen Baumbestands.
Nachdem wir den kompletten Walkway entlanggeschlendert sind und somit mehr gesehen haben als die Queen, setzen wir uns wieder in den Bus, der uns zunächst zu einem kurzen Shopping-Stop bei einer Bäckerei und dann zum nördlichsten Punkt Neuseelands bringt: Cape Reinga.
Dort angekommen bekommen wir leider nur etwa 30 Minuten Zeit, den Ort zu erkunden. Viel zu wenig, wenn es nach uns ginge. So hetzen wir einmal bis zum nördlichsten Punkt und zurück. Auf dem Weg kann man auch sehr schön den Punkt sehen, von dem die Maori glauben, dass dort ihre Seelen nach dem Tod Neuseeland verlassen und ins Meer steigen. Das ist nämlich ein Baum, der ein wenig ausschaut wie Treppenstufen und dort auch schon seit Ewigkeiten steht.
Ich hoffe, man kann den Bam auf dem nächsten Foto ein wenig erkennen. Er ist ziemlich genau in der Spalte zwischen der kleinen Stein-Insel ganz vorne und dem grünen Hügel, der bereits zum Festland gehört. Von dort schwimmen die Seelen dann übrigens weiter zu einer Insel im Norden. Viele Maori kommen hierhin, um sich von Angehörigen zu verabschieden, oder ein paar letzte Worte loszuwerden. Während wir dort waren, waren auch Maoris anwesend. Wir wurden gebeten, den Ort mit entsprechendem Respekt zu behandeln, an einigen Backpackern gehen solche Bitten irgendwie leider vorbei und so purzeln dutzende Mädels mit viel zu wenig Kleidung aus unserem Bus und hüpfen für ihre Fotos vor den Maori herum. Uncool.
Wir gehen am Baum vorbei und noch ein wenig weiter in Richtung des Leuchtturms, den es hier gibt. Dort sieht man dann, wie die beiden Gewässer links und rechts von Neuseeland hier aufeinanderprallen. Das ist einerseits die Tasman-Sea auf der westlichen Seite Neuseelands und der pazifische Ozean auf der östlichen Seite. Man kann die Stelle ungelogen erkennen, vielleicht sieht man es ein wenig auf dem rechten Bild.
Am Leuchtturm finden wir auch einen Wegweiser mit den Entfernungen zu den bekannten Städten dieser Welt. Eine deutsche Stadt ist nicht dabei, aber dafür London. Von London sind wir also hier exakt 18029 Kilometer entfernt. Bei einem ungefähren Erdumfang von 40.000km können wir also nicht sehr viel weiter von zuhause weg sein. Wow.
Nachdem wir zurück zum Bus gesprintet sind, fährt dieser zu einer nur wenige Minuten entfernten Bucht, um dort einen 40-Minuten Mittags-Stop einzulegen. Wir setzen uns in den Schatten eines Baumes, packen unsere Sandwiches aus und genießen die Landschaft. Wir haben schon schlechtere Mittagspausen gehabt.
Auch wenn hier zwei Touri-Busse Mittagspause machen, ist es immernoch sehr beschaulich. Die Leute verteilen sich über die Länge des Strandes, an dem man übrigens auch campen kann. Etwa 5 oder 6 Camper stehen hier, wir freuen uns schon darauf, ab nächster Woche an solchen Orten zu campen!
Wieder im Bus fahren wir dann in Richtung “Big Sanddunes” und “90 Mile Beach”. Die Dünen sind wohl zustandegekommen, als irgendwo ein großer Vulkan ausgebrochen ist, der einiges an Asche und Gestein ins Meer gespuckt hat. Dieser ganze Kram wurde dann vom Meer gewaschen und wieder angespühlt und plötzlich waren hier riesige Sanddühnen. An den Sanddunes steht dann Sandboarding auf dem Programm, das ist nichts anderes als ein kleines Schwimmbrett zu nehmen und sich damit die Dünen herunterzustürzen. Erkennt ihr mich auf dem rechten Bild?
Angesichts einer Höhe von 125m von der man herunterfahren sollte, hatte Conny ein paar Bedenken und ist mal lieber unten geblieben. Ich habe mein Glück aber mal versucht und habe laut unserem Busfahrer so um die 50 km/h drauf gehabt, als ich den Hügel heruntergedengelt bin.
Das Ganze macht mächtig Laune, wenn nicht immer der anstrengende Weg auf die 125m-Düne wäre. Während man nach unten fährt kann man ein wenig mit den Füßen lenken oder bremsen, war aber garnicht großartig nötig.
Nach drei Fahrten musste ich voller Sand dann wieder in den Bus, es ging weiter zum 90-Mile-Beach. Der 90 Mile Beach ist wohl tatsächlich nur etwas über 50 Meilen lang, aber da Australien wohl einen 90 Mile Beach hat, kann sich Neuseeland ja nicht lumpen lassen. Unser Busfahrer wäre auch dafür, ihn in 91-Mile-Beach umzubenennen, nur damit man eine Meile mehr im Namen hat.
Hier wurde auch der Allradantrieb unseres Busses mal ausgereizt und wir dengeln mit dem ganzen Gefährt über den Sand. Der Strand ist übrigens eine offizielle Straße mit Parkverbot und Geschwindigkeitslimit. Mittendrauf gab es für uns nochmal einen kurzen Fotostopp.
Und tatsächlich ist der Strand so lang, dass man auf keiner Seite das Ende sehen kann. Wir haben ja schon in Australien verrückt-lange Strände gesehen, aber sowas war noch nicht dabei. Von hier aus konnte man im Wasser auch einen Felsen sehen, der ein Loch in der Mitte hat. Das kommt uns doch nach gestern bekannt vor?! Das ist aber wohl nicht das weltberühmte “Hole in the rock” sondern einfach nur irgendein Loch in irgendeinem Felsen. Warum dieses jetzt nicht berühmt ist… fragt mich nicht…
Kurz vor der Abfahrt halten wir nochmal unsere Füße ins Wasser und werden erstmal von einer surreal großen Welle erwischt. Der Wellengang hier am Strand ist irgendwie auch krasser als wir ihn bisher an den diversen Stränden hatten, die wir schon gesehen haben.
Dann heißt es wieder einsteigen in unseren Allrad-Bus, denn wir fahren nun fast den gesamten 90-Mile-Beach entlang. Das ist zwar einerseits sehr cool, aber nach etwa 2km auch ein bisschen langweilig, findet Conny.
Der Trip endet an einem Betrieb, der Kauri-Holz verarbeitet. Dort essen wir erstmal ein Eis der Geschmacksrichtung Hokey Pokey. Das ist eine Neuseeländische Spezialität, aber eigentlich nur Vanilleeis mit Karamel-Stückchen. Trotzdem sehr lecker. Kauri-Holz-Souvenirs haben wir keine gekauft, die Preise fingen irgendwo bei 60 oder 70 Dollar an. Ist ja auch klar, das Holz ist selten, also ist der Kram relativ teuer.
Letzter Stopp auf dem Weg zurück war dann noch ein Fish’n Chips-Shop mit den angeblich weltbesten Fish and Chips. Mit Neuseeländischem Akzent spricht sich das übrigens dann nicht “Fish’n Chips” aus, sondern eher “Fush’n Chups”. Waren wohl auch ganz gut, sagt Conny, aber nicht die weltbesten. Gegen 18 Uhr kommen wir wieder an unserem Campingplatz an und sind völlig gerädert. Morgen schlafen wir erstmal aus und gönnen uns ein bisschen Ruhe, bevor es Übermorgen dann zurück nach Auckland geht!


