Zwei Tage haben wir gebraucht, um uns vom Tongariro Northern Circuit zu erholen, uns und unsere Wäsche in einen wohlriechenden Zustand zu überführen und zurück zur Ostküste zu fahren, wo wir ja vor wenigen Tagen schon einmal waren. Der Hauptgrund für unsere Rückkehr: Die Motu Trails.
Das tollste an Neuseeland ist ja unserer Meinung nach die Landschaft und man kann hier neben den “Great Walks” auch “Great Rides” unternehmen. Das sind dann besonders schöne Fahrradtouren. Eine davon sind eben genau die Motu Trails, die sogar zu den schönsten Neuseelands gehören sollen. Wir haben uns dann mal fix zwei Mountainbikes, Helme und den Transport zum Startpunkt organisiert und dann ging es los auf die wunderschöne und viel zu lange Strecke.
Viel zu lang? Ja, schon! Es sind immerhin 78km, die wir uns heute zutrauen. Eigentlich auch nur, weil 90% davon bergab gehen soll. Naja, werden wir schon schaffen! Der erste Teil geht auch leicht bergab durch die wunderschön hügelige Landschaft, die hier auf der Nordinsel so typisch ist.
Hin und wieder kommen wir an Schafen und Kühen vorbei, die sich stets nach uns umdrehen. Wir sind für die Tiere nämlich die Attraktion hier, ansonsten ist hier nämlich nix. Es kommt kein Auto und außer uns beradelt auch heute keiner den Trail. Irgendwie cool.
Wir kommen vorbei an alten, stillgelegten Bahnstrecken, noch mehr Kühen und noch mehr Landschaft. Wenn das so weitergeht, können wir gut damit leben. Denn wir kommen gut voran und haben die ersten 15km in etwa 40 Minuten hinter uns gebracht.
Doch dann ging es los. Unser host auf dem hiesigen Campingplatz hat uns schon vor dem “nasty mountain” gewarnt und genau jenen erreichten wir jetzt. Es ist zwar nur etwa 3% Steigung, wie wir uns ausgerechnet haben, dafür aber über mehrere Kilometer.
Wir spüren unsere Beine wieder, die von der Wanderung wohl noch nicht 100%ig erholt waren. Verdammt! Wir brauchen für den Anstieg dann auch tatsächlich über eine Stunde.
Belohnt werden wir wieder mal mit tollen Ausblicken. Wer eine schöne Aussicht haben will, muss halt vorher erstmal die Höhenmeter machen, so ist das halt.
Wir machen ein kleines Foto- und Müsliriegel-Päuschen und genießen die Aussicht. Viel sieht man ja nicht, aber was man sieht ist dann auch einmalig für Neuseeland.
Das Wetter spielt heute auch mit, es herrscht strahlender Sonnenschein. Nach kurzer Pause radeln wir dann weiter, nun auch endlich bergab. Immer wenn wir denken, es könnte nicht mehr weit nach unten sein, bekommen wir einen Ausblick, der uns das Gegenteil vermittelt. So kann man bestimmt stundenlang bergab fahren. Herrlich.
Nach knapp 4 Stunden erreichen wir den “Pakihi Track”. Das soll der wohl eigentlich schönste Teil des Radwegs sein. Auf unsere Frage hin, ob das denn eine Mountainbike-Strecke wäre, meinte unsere Fahrrad-Vermieterin heute morgen noch, dass Mountainbiker enttäuscht wären. Das glaube ich nicht.
Die Wahrheit ist: Wir mussten ganz schön ackern. Ja, es ging stetig bergab, aber über eine schmale Schotterpiste. Zudem waren die Folgen des letzten Sturms noch an vielen Stellen zu sehen und so lagen diverse Steine und auch ganze Bäume auf dem Weg, über die wir unsere Fahrräder tragen mussten.
Ein bisschen Spaß hat es ja schon gemacht, denn die Landschaft war schon sehr schön, auch wenn bei uns irgendwann die Kräfte nachließen und unsere Hintern anfingen zu schmerzen.
Am Ende des Tracks hatten wir etwa 54km hinter uns und nur noch 24 vor uns. Das sollte doch machbar sein, dachten wir uns, doch wieder einmal weit gefehlt, die letzten Kilometer zogen sich und uns schmerzte die Muskulatur am ganzen Körper, immerhin waren wir nun schon 7 Stunden unterwegs.
In der Abendsonne näherten wir uns Opotiki, unserem Ziel. Zuletzt mussten wir immer wieder unsere Fahrräder schieben, weil Arme (Conny) und Hinterteil (Marcus) schmerzten. 9 Stunden waren wir schließlich unterwegs als uns unsere Fahrrad-Vermieterin etwa 1,5km vor unserem Ziel mit dem Auto aufsammelte. Die letzten 1,5km hätten wir aber auch noch geschafft!
Netterweise setzte sie uns bei Subways ab und wir belohnten uns mit einem dicken Sandwich, bevor wir völlig entkräftet in unserem Camper einschlafen. Morgen geht es dann das East Cape entlang, da sitzen wir viel im Auto, hoffentlich macht das mein Hintern mit.


