Nach dem gestrigen frühen Aufstehen, haben wir heute mal etwas länger geschlafen. Frühstück gibt es aber nur bis 9 Uhr, also auch nicht voll ausgeschlafen. Verdammt. Und das soll Urlaub sein?
Naja ich will mich nicht beschweren, wir bekommen beim Frühstück sogar das Toast an den Tisch gebracht und die Stühle gehalten. Da fühl ich mich in stinkendem T-Shirt und staubiger Outdoorhose leicht deplatziert, aber was will man machen. Gut gestärkt geht es dann los. Heute erkunden wir die Tempel mit dem Fahrrad. Diese haben wir uns von unserem Hotel geliehen, kosten ungefähr 3 US $ pro Tag.
Für die ersten Tempel müssen wir garnicht weit fahren, anders als bei Angkor Wat liegen die Touristenorte hier mitten in der Tempelebene. Der erste Tempel, den wir erreichen, ist leider eingerüstet. Na dann machen wir eben nur einen kurzen Stopp. Alle Tempel können wir eh nicht besuchen, es gibt über 1000 Stück. Direkt beim ersten Tempel müssen wir auch was trinken. Es sind knapp über dreißig Grad und anders als in den vergangenen Wochen ist es hier nicht feuchtwarm sondern staubtrocken. Auf dem Bild sieht man in Connys Hand übrigens keine Coca Cola, sondern i-Cola. Hier in Myanmar gab es wohl mal eine Pepsi-Fabrik, die dann geschlossen hat; das Rezept hat man aber wohl dabehalten und so gibt es mit i-Cola und Star Cola hier zwei Cola-Produkte, die genauso schmecken wie Pepsi, nur wesentlich günstiger sind. Wir habens getestet und es stimmt.
Bevor wir zum nächsten Tempel weiter konnten, mussten wir nochmal zurück zum Hotel, denn unsere Fahrräder waren beide Platt. Das wundert uns nicht besonders, die Räder unseres Hotels hatten insgesamt keine überragende Qualität. Als wir mit den platten Rädern dort wieder ankommen, sind aber direkt 5 Personen damit beschäftigt, die Räder zu checken, neue Räder von einem befreundeten Verleiher zu organisieren und uns Erfrischungsgetränke zu reichen. Cool. 5 Minuten später können wir mit neuen (guten) Rädern dann wieder los.
Unser zweiter Tempel steht nichtmal auf unserer Karte. Anscheinend gehört er nicht zu den wichtigeren der über 1000 Tempel. Wir fanden ihn dennoch schön, sind direkt mal rein und haben ihn dann “unseren Tempel” getauft, da wir hier mehr oder weniger alleine waren.
Von “unserem Tempel” aus hatten wir das erste mal einen Blick auf das Pagodenfeld von Bagan. Das war schon sehr beeindruckend. Wir waren ein wenig geflasht und mussten den blick erstmal aufsaugen. Auf Fotos kann man den Rundumblick kaum einfangen, lasst euch aber gesagt sein, es ist sehr beeindruckend.
In alle Richtungen sind kleine Türmchen zu sehen. Mal höher mal niedriger, mal große Tempel mal kleine Gebetsstätten, mal hunderte von Jahren alt, mal relativ neu. Was unten vom Fahrrad wie Steppe ausschaut, sieht von hier oben dann auch eher saftig grün aus.
Die Treppen und Torbögen in dem Tempel sind übrigens anscheinend für kleinere Menschen als uns gebaut worden, wir mussten uns schon hier und da durchquetschen. hat aber alles geklappt.
Weiter gings mit dem Fahrrad zur Shwezigon-Pagode. Dort waren zum ersten Mal hier in Bagan richtig viele Souvenirverkäufer mit fiesen Scam-Maschen, an den bisherigen Tempeln gab es zwar mal ein paar Getränke oder auch ein paar Holzfiguren, aber richtig aufdringlich war dort niemand. Die Pagode selbst sticht dadurch hervor, dass sie komplett golden glänzt. Wir fanden sie ehrlichgesagt nicht so grandios, da sie der Pagode in Yangon ähnelt, nur nicht ganz so prachtvoll ist. Gefunden haben wir dort aber einen Altar für die Ratte, das war ja mein Tier, das Meerschweinchen (für Conny) haben wir aber nicht gefunden.
Danach war erstmal Zeit für eine Pause. Wir haben uns ins nächstbeste Lädchen gesetzt und erstmal eine Star Cola und ein Sparkling Lemon getrunken sowie ein Clubsandwich gegessen. Die Tempel verteilen sich hier ja auf drei Orte: Nyang U, Old Bagan und New Bagan, wir befanden uns hier in Nyang U, dort befinden sich definitiv die meisten Hotels und Guesthouses und auch die meisten Restaurants und Cafés. Das macht es wieder sehr einfach für Touristen.
Da wir am Vormittag aus Versehen an ein paar Tempeln vorbeigerauscht sind, mussten wir nun nochmal etwa 10km zurück dahin wo wir herkamen, um diese zu begutachten. Es handelte sich hierbei um Tempel mit besonders gut erhaltener Wandmalerei, da steht Conny ja drauf. Fotografieren darf man die aber nicht, haben wir also auch nicht gemacht. War aber toll.
Hin und wieder haben wir uns auch den ein oder anderen Tempel angeschaut, der am Wegesrand lag. Viele sind nicht in der Karte und auch nicht im Reiseführer, obwohl dieser über 50 der Tempel detailliert beschreibt. Viele gleichen sich auch, sind aber dennoch immer ein wenig anders als alle bisherigen. Faszinierend. Die Strecken mit dem Fahrrad konnten wir weitgehend problemlos meistern, nur ein paar Straßen waren so sandig, dass wir schieben mussten.
Am späten Nachmittag haben wir uns dann wieder in Richtung Nyang U und Alt Bagan aufgemacht, also da wo wir mittags schon waren. Dort gibt es angeblich die beste Sicht für den Sonnenuntergang und der dauert nicht mehr so richtig lange. Also direkt mal hingefahren, bevor alle anderen Touristen sich dort einfinden und die Aussicht genossen.
Von hier hat man das Pagodenfeld dann auch fast komplett im Blick, was wiederum sehr faszinierend ist. Von unserem Tempel vom Vormittag konnten wir zudem die besonders großen Tempel nur in der Ferne sehen, von hier aus sind diese deutlich näher, da die meisten großen oder prächtigen Tempel in Alt Bagan stehen. Sowohl mit der Sonne im Abendlicht als auch gegen die Sonne konnten wir unglaublich tolle Ansichten genießen.
Je später es wurde, desto längere wurden die Schatten und desto stärker wurden die Tempel in der Landschaft akzentuiert, da sie nun durch ihre rötlichen Ziegeln im Abendlicht leuchteten und so von der grünen Umgebung hervorstachen.
Wir haben unglaublich viele Fotos von den gleichen Motiven geschossen, nur zu unterschiedlichen Zeitpunkten, um die farbliche Änderung halbwegs festzuhalten. Das Licht kurz vorm Sonnenuntergang ist dabei aber das faszinierendste. Sobald die Sonne weg war, wurde alles schlagartig grau.
Von unserem Platz aus konnten wir glücklicherweise sowohl mit als auch gegen die Sonne gucken. Auf dem Tempel wurde es mit der Zeit auch etwas voller, so dass wir um unsere Plätze durchaus etwas kämpfen mussten. Hier ist es noch lange nicht so voll wie bei Angkor Wat in Kambodscha, aber ein paar Touristen versammeln sich hier schon.
Als die Sonne dann unterging, war der Blick direkt in die Sonne einfach klasse. Die Schatten der vielen Tempel wurden immer länger, bis man nur noch ihre Umrissen gegen die orangene Sonne erkennen konnte.
Ihr seht hier natürlich nur einen Bruchteil der Fotos die wir gemacht haben. Wir sind hier ziemlich eskaliert. Aber nicht so sehr wie der ein oder andere Japaner, der hier mit Monsterobjektiv ankommt. Junge, Junge.
Auch ein Selfie haben wir kurz nach Sonnenuntergang kurz gemacht. Man sieht im Hintergrund die Pagodenlandschaft nun nicht mehr ganz so farbenfroh, macht aber nix. Der Beweis, dass wir wirklich hier waren.
Im Dunkeln mussten wir uns dann zurück nach New Bagan kämpfen, wo unser Hotel steht. Das war nicht ganz so spassig, zumal die Straßenbeleuchtung, sofern vorhanden, nicht durchgängig Strom bekam. Die meisten Läden hier haben auch einen eigenen Dieselgenerator, der anspringt, wenn es wiedereinen Blackout gibt.
Abends gab es dann nochmal ein wenig burmesisches Essen und dann sind wir ins Bett gefallen. Morgen gibt es erstmal einen Tag Auszeit, bevor wir übermorgen wieder durchstarten.


